Seit Freitag bin ich im Olympiafieber. Und doch habe ich nur einen Bruchteil von dem mitbekommen, was ich gerne von den Winterspielen gesehen hätte.
Was auch erklärt, warum sich das bis jetzt noch nicht so besonders anfühlt wie gewohnt.

Am Freitag nach dem Training saß ich platt nach den Übungsstunden auf der Couch. Sah teilweise die Eröffnungsfeier und verschlief sie teilweise.

Am Samstag durfte ich mit meinen Sportfamilien nach Mainz fahren.
Die Wettkämpfe wurden gegen den Oberprimus I & Oberprimus 2 verloren. Dennoch hielt man mit sportlichem Kampf und Ehrgeiz stark dagegen.
Mehr wert als jeder Sieg war der Zusammenhalt im Team. Unterstützende Eltern – und dass endlich mal alle, die nominiert waren, auch anwesend waren.

Samstagabends - nachdem ich mich nach dem Wettkampf noch zwei Stunden in „Betttina" (für Neuleser, so heißt und bezeichne ich mein Bett) mit einem Podcast auf den Ohren hingelegt hatte – ging es munter zum Fotografieren zur Fastnachtssitzung meines Heimat-Fastnachtsvereins.

Sofort hatte ich dort ein gutes Gefühl.
Die Leute superfreundlich. Ließen sich fotografieren, scherzten mit mir umher, versprühten eine Fastnachts- und Feierlust, die nahe daran war, bei mir Gänsehaut auszulösen.
Zugegeben, mir waren etwas zu viele Eltern meiner Sportler und gute Bekannte dort unterwegs. Immer wieder wurde mir etwas gesagt, dass ich gar nicht so prickelnd fand: „Selbst als nur Zugezogene kennen wir dich."

Was mich einerseits ehrte, weil ich nicht glaube, dass ich für Doofes oder Schlimmes bekannt bin – zum anderen aber leicht erschreckte.
Laufe ich doch gerne durch Innenstadt und Heimatdorf, ohne überall auf ein Schwätzchen angehalten zu werden. Und noch mehr, ohne das Gefühl, beobachtet zu werden. Muss ja niemand sehen, wie ich Energydrink-Dosen aus dem Drogeriemarkt schleppe.

Erneut war die Sitzung – wie bereits in der Woche zuvor bei einem anderen Fastnachtsverein – sehr kurzweilig. Genau die Mischung aus Tanz, Blödelei, Büttenreden und mehr, die es brauchte, um Menschen über mehrere Stunden bei Laune zu halten.
Von Gardetanz über lästernde Putzfrauen bis hin zu Showtanz und der ein oder anderen unsinnigen, aber lustigen Zirkusnummer war für jedes Fastnachtsherz etwas geboten.

Auch im zweiten Jahr in Folge gefiel mir, dass ein schlagfertiges Moderationsduo durch die Sitzung führte – was allerdings auch daran liegen kann, dass ich die Woche zuvor ganz traditionell an einer Sitzung mit Elferrat teilnehmen durfte.

Auch die Aftershowparty fühlte sich gut an. Fastnachtsmusik. Dazu tanzten die Leute, unterhielten sich, machten Frohsinn und Blödsinn unter- und miteinander. Und auch die ein oder andere liebevolle Zärtlichkeit wurde unter alten und an diesem Abend neu entstandenen Verbindungen ausgetauscht.

Ich bekam vom Oberfastnachter des Vereins einen Ringel Fleischwurst und mehrere Brötchen ausgehändigt, bevor ich den Veranstaltungsort verließ.

Vater wollte mich eigentlich abholen – doch ich hatte Glück, genau als ich an der Bushaltestelle vorbeilief, tauchte hinter mir der Bus Richtung Heimat auf, sodass ich hineinsprang und für knappe vier Kilometer mit dem Bus sagenhafte 2,90 Euro blechen durfte.

Eigentlich wollte ich mich zuhause sofort ins Bad unter die Dusche stehlen, dann die Bilder herunterladen, einen kurzen Blick darauf werfen und bis in die Puppen ausschlafen.

Doch Eltern bleiben Eltern. Zuhause angekommen fand ich meine Eltern im Wohnzimmer auf der Couch sitzend, Fastnachtshöhepunkte im TV schauend, bei Gebäckwaffelmischung und Schokolade vor – und sie nahmen mich direkt in ein kleines Kreuzverhör über die Fastnachtssitzung.

Eine klagende Stimme, die glücklicherweise innerhalb von Sekunden wieder verstummte, riss mich nach genau sieben Stunden und 44 Minuten aus dem Schlaf.

Der Rest des Sonntags bestand aus Bildbearbeitung.
Baguette-Essen mit meiner Familie und noch mehr Bildbearbeitung. Dabei lauschte ich der Radioübertragung der Bayern gegen Hoffenheim (5:1) und später einem Podcast.

Mein olympisches Feuer entzünde ich ab heute – nicht nur auf die Winterspiele bezogen.



Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?