Ich glaube, ich weiß inzwischen, wie sich ein Schneemann fühlt, wenn er dahinschmilzt. Der Schweiß läuft mir in Flutwellen von der Stirn. Die Wärme drückt mich etwas zusammen. Nicht das Schlechteste.

Dass ich schmelze, kann ich sogar beweisen. Das engste T-Shirt, das ich besitze, das vor zehn Tagen gerade noch so über meinen Kopf passte, kann sich nun wieder an mir sehen lassen, ohne sich dafür schämen zu müssen.-Nein, ich übertreibe nicht.

Das Fenster steht seit über eineinhalb Stunden sperrangelweit offen. Doch so etwas wie Abkühlung ist um Punkt 23 Uhr 40 offenbar nicht vorgesehen.

Auch Trainingseinheiten fanden statt. Allerdings reduziert und ausschließlich auf freiwilliger Basis.

Immerhin acht Trainingsteilnehmer und zwei Großeltern hatten sich eingefunden. Wir quatschten viel, ich gab den Trainingsteilnehmern mehr Zeit als sonst, sich gegenseitig zu beschnuppern, und zwischendurch wurde in abgespeckter Form trainiert – ohne große Rennerei - aber dennoch mit einem Einsatz, der absolut in Ordnung war und bei diesem Sommerwetter vielleicht sogar noch höher einzuschätzen ist.

Wir trainierten draußen, die Tänzer parallel zu uns in der Halle.

Die Kids machten das super. Ganz unaufgeregt und mit viel Elan.
Besonderen Spaß hatten sie daran, in den vielen Trinkpausen die langen schwarzen Vogelfedern aufzusammeln, die überall herumlagen. Mal sehen, wie sehr sich Mamas und Papas darüber freuen, dass diese Schätze mit nach Hause gebracht wurden.

Gefreut habe ich mich auch über unerwarteten Besuch. Ein früherer Trainingsteilnehmer, mittlerweile bereits 19 Jahre alt, schaute vorbei. Seine Ausbildung hat er erfolgreich abgeschlossen! – Yippie!
Ab dem 1. Oktober 2026 beginnt seine Wehrdienstzeit. Besonders freut mich für ihn, dass sein Stützpunkt nur etwa zwei Stunden von seinem Heimatdorf entfernt liegt.

Er trainierte mit uns und möchte in den nächsten drei Monaten regelmäßig mit der älteren Gruppe trainieren, so wie bereits am Montag.

Vom Training der Ältesten war ich angetan. Von der Teilnehmerzahl allerdings weniger.

Möglicherweise hätte ich in meiner Mail an die Familien nicht schreiben sollen, dass die Teilnahme am Montag jedem selbst überlassen ist. Nur zwei hatten sich in meinen Hallenteil verirrt.

Im Gegensatz zur Gruppe zuvor wollten sie nicht ausschließlich draußen trainieren. Diese beiden Trainingsteilnehmer waren allerdings besonders motiviert und ließen es sich später im Training auch nicht nehmen, unter anderem dreimal hundert Meter Sprint zu laufen.


Die WM wird von Vater und mir trotz des reduzierten Sehplans weiterhin sehr gemocht und als Erlebnis zelebriert.

War das nicht ein Spiel zum Mitfiebern zwischen Elfenbeinküste und Deutschland? (1:2)!

Bisher hatten wir Glück. Die schlechten Spiele schalten Vater und ich offenbar nicht ein. Irgendwie haben wir wohl ein Händchen dafür entwickelt, welche Mannschaften den Sport mit dem Füßchen besonders zuschauerfreundlich betreiben.

Und so sind selbst die Spiele, die man völlig neutral schauen kann, oft echte Hingucker.

Mein Dahinschmelzen habe ich zumindest vorerst gestoppt.
Regelrecht geflohen bin ich aus meinem Schlafzimmer. Zuvor habe ich den angefangenen Blog auf einen USB-Stick gezogen und mich dann hinunter ins unterste Stockwerk des Hauses zurückgezogen, wo ich nun an Vaters Computer diesen Blog zu Ende schreibe.

Hier unten war es anfangs wunderbar kühl.

Jetzt, ungefähr eine Stunde später, ist es mir beinahe schon zu kühl geworden.

Also trete ich den Rückzug vom Rückzug an und kehre in mein Schlafzimmer zurück. Auch auf die Gefahr hin, dass ich dort wieder zu schmelzen beginne.

Dann ist das ebenso.
Dann bin ich halt kein Schneemann mehr, sondern ein Wassermann. So wie mein Papa.

Und das kann doch eigentlich gar nicht so verkehrt sein.


Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?