Es regnete, es war windig und überall lagen Blätter und Kastanien auf der Erde, Treppen und selbst auf Sitzbänken im Wormser „Willi Brandt Ring" herum. Die ersten Kastanien die ich 2021 bewusst wahrnahm. Immer wieder, jedes Jahr aufs neues ein wohltuender Bilderbuch-Anblick.
Mit einem Wort: „Herbst". So fühlt sich Herbst für mich an. So stelle ich mir diese Jahreszeit vor. Schon als Kind war das nicht anders. … oder doch lieber so, wie nur ungefähr eine Stunde später?
Sonne pur 15 C° bis 20 C°. Die Sonne wärmt einen äußerlich auf angenehme Weise und innerlich das Herz.
Meine Knie bemerke ich auf unschöne Weise, wenn ich aus dem Bett steige.
Kein gutes Zeichen. Bin ich dann erstmal in Bewegung verhalten sich meine Knie ruhig und erledigen ihre Aufgaben souverän.
Sobald ich mich dann geistig und körperlich in den Feierabendmodus verabschiede melden sie sich wieder verstärkt.
Ein weiteres Dringlichkeitszeichen, dass ich auch selbst wieder mehr sportliche Betätigung benötige.
Mit Vater schaute ich Zusammenfassung der Champions-League an.
Wir schaffen den Spagat, wenn wir wollen, uns nicht selbst zu sehr gegenseitig auf die Schippe nehmen, zwischen absoluten Nonsens und einen fruchtbaren Austausch.
Mehr als nur ein Riesengedanke- und Gefühl gehörte gestern auch „I".
Die am 29.9. Geburtstag hatte; Ich hoffe so sehr, dass es deiner Familie & Dir gutgeht!
„I" war von September 1999 bis ins Jahr 2007 ein wunderbarer Freund.
Ich hatte lange und noch länger bis zu diesem 29. September 2021 nicht an „I" gedacht.
Mit ihr mich auszutauschen, Spazierzugehen und kleinere Ausflüge zu unternehmen, wie auch unsere Küchen- und Hofgespräche sind selbst jetzt noch in der Rückschau etwas ganz Besonderes.
Sicher hat sich mich in meinen Anfangszwanzigern als Mensch entscheidend mitgeprägt. Auch hat sie in mir die Leidenschaft für Cafés erweckt. Die ja bis heute anhält.
Nach wie vor liebe ich diese außergewöhnliche Chemie die wir stets miteinander hatten.
Wir saßen unzählbare Male in Cafés miteinander. Wenn die Rechnung kam, war klar, dass nicht jeder von uns seine Rechnung zahlt. Sondern der eine für die andere mitbezahlt oder andersherum. Das schien das selbstverständlichste auf der Welt überhaupt zu sein. Darüber hatten wir nie auch nur ein Sterbenswörtchen verloren, das war einfach so.
Sie als Mensch und Frau zu erleben war außergewöhnlich.
Nur übertroffen von diesem herzerweichenden Zusammenspiel zwischen ihr und ihrer damals noch sehr kleinen Tochter.
Ich hätte den beiden damals stundenlang zuschauen können, wie sie miteinander harmonierten und eine verschworene Einheit war.
„I", sagte Mal, da konnte ihre Tochter noch lange kein Wort sprechen: „Ich habe das Gefühl, ich kann ihr absolut alles erzählen, es fühlt sich an, als verstehe sie mich immer. Sie gibt mir immer genau das, was ich brauche".
Ich werde nie vergessen, wie oft mir der Soundtrack des Filmes „Die fabelhaften Welt der Amelie" entgegen schalte, wenn ich vor ihrem Wohngebäude stand um sie zu Besuchen. (Kleinfrankreich in Worms).
Auch „Am Fenster" von „City" der zumindest damals ihr unumstrittener Lieblingssong ist für mich unzertrennlich – auf ewig – mit „I" verbunden.
Wir hörten das Lied eines Dezembermittages zusammen an.
Während wir uns einmal mehr an ihrem Küchentisch gegenübersaßen, eine Kerze leuchtete (wie so oft) als einzige Lichtquelle auf. Ein unvergessener atmosphärischer Gänsehautmoment mit ihr.
Irgendwann hatte ich folgende Anekdote sicher schon Mal im Blog erzählt, wie ich „Stufen" – warum auch immer? – „I" unbedingt vortragen mochte. Dies auch in die Tat umsetzte.
Kaum hatte ich vier, fünf Worte ausgesprochen, griff sie beherzt in eine Schürze mit mehreren Taschen, die immer an ihrer Küchentür hing. Kramte einen Poesie-Band aus dieser hervor, schlug mit einem Handstreich das Meisterwerk von „Hermann Hesse" auf.
Strahlte mich an: „Das ist auch mein Lieblingspoesie-Stück, das Stufengedicht".
Lang ist das alles her.
Ich freue mich schlicht und ergreifend darüber, wie lebendig und speziell die Erinnerungen an „I" sind.
Vor allem darüber, dass sie anscheinend kein Stück verblasst sind!
„I" ist einer der Menschen, außerhalb der Familie, die garantiert lebenslang in mir ein Gefühl von Dankbarkeit und Empathie auslösen wird und einen unauslöschlichen festen Platz in meinen Kopf & Herzen hat.
„Guten Morgen! – Wer immer Ihr auch seid?!"
