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„Charakterstadt“

John Baker Sander
11. Oktober 2021(bearbeitet)
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Vor einigen Monaten berichtete ich über den dreibeinigen Hund, der mich nicht nur mit seiner enormen Lebensfreunde überraschte. Dazu ausgesprochen gesund, agil, clever und stark wirkte.
In Gedanken nannte ich ihn deswegen und weil ich noch immer nicht seinen richtigen Rufnamen kannte und kenne: „Asterix".

Ich staunte nicht schlecht, als mir heute nicht nur „Asterix" auf seinen drei Beinen - mit seinem Herrchen - auf meinem Weg zur Bushaltestelle entgegenkam, sondern vielmehr darüber, dass noch ein zweiter weitaus kleinerer Hund ebenso auf drei statt vier Pfoten unterwegs sehr fröhlich hinterhertrottete.

Die Familie die diese Hunde aufgenommen hat muss wirklich ein Mega-Herz für Tiere haben, diesen zwei Hunden ein Heim und was sie brauchen zu geben, finde ich eine große Leistung.

Ich frage mich, ob ich das Herz und den Charakter hätte einen solch in meinen Augen dauerhaft angeschlagenem Tier, wenn es sein müsste aufzunehmen?

Natürlich sollte die Antwort lauten: „Ja klar, selbstverständlich!" – Ich schäme mich auch dafür, aber so klar fällt die Antwort nicht in mir aus. Was mich selbst am meisten ärgert.
Bin mir nicht sicher, ob ich den gesamten Tag ob Hund, Katze, Hamster, Maus, Ratte oder Vogel ein Tier mit so einem Handicap anschauen würde wollen und könnte?


An der Bushaltestelle traf ich die Frau, die gestern mit mir vergebens auf den Bus wartete.
Ausgesprochen nett, wünschte die Frau uns beiden nun mehr „Bus-Glück".
Siehe da! Es hatte tatsächlich geholfen.
Mit (nur) drei Minuten Verspätung traf der Bus an der Haltestelle ein und beförderte uns an den Wormser Bahnhof.

In der Stadt fand die Veranstaltung „Kultur findet Stadt" statt. Es gab zwei Bühnen. Einen abgesperrten Bereich – Corona-Konform - für Menschen die wirklich gerne besonders nahe an der Bühne sitzen mochten. Alle anderen konnten von außerhalb des Absperrgitters den Darbietungen lauschen. Ich bekam lediglich einen Chor mit, der bekannte „Jetzt-Zeit" und „Von gestern" – Hits vielstimmig darbot.

Die Cafés waren hervorragend besucht. Ich tat mir schwer in den Außenbereich für die Café-Gäste leere Lücken auszumachen.

Auch die Fußgängerzone, die Innenstadt und damit die Wormser Geschäftsleute dürften sich über diesen deutlichen Zuspruch an diesem sonnigen Samstag arg gefreut haben?

Es war ein interessanter Kleidungsmix zu beobachten. Besonders beim jüngeren Volk (unter 30 Lebensjahren). Oben herbstlich lang eingemummelt, untenherum sommerlich kurz.

Ich hatte selten so viele mit Sonnenbrillen verdeckte Gesichter, die ein entspanntes Lächeln auf den Lippen trugen im Herbst in der Wormser Innenstadt wahrgenommen.


Federleichte Samstagnachmittage sind zweifellos die Besten.
Durch die Geschäfte zu streifen und gelegentlich in die wärmende Sonne in der Fußgängerzone abzutauchen, dabei ein Teil des Geschehens, diese stetige Stadt auf, Stadt ab zu sein fühlt sich so gut an. Ich kann das voll genießen.

Vor allem, wenn nicht nur ich, sondern gefühlt alle anderen Menschen um mich herum auch gutgelaunt sind. Man ein freundliches Lächeln oder ein höfliches Nicken austauscht und das Alltagschaos – weil weiter entfernt als die Sterne am Himmel - nicht greifbar ist.
Ich ziehe aus solch kleinen bewusst gelebten Momenten jede Menge Kraft und Energie.



„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer ihr auch seid?!"



Kommentare (2)

Fizzy Lemon
11. Okt. 2021, 14:43
Ich hatte auch eine Katze, die ich liebevoll "Krüppele" nannte. Offiziell Miezi, aber ich nannte sie eben so und das nicht abwertend. Sie hatte nur noch einen Stummelschwanz, ein Auge, das halbe Gebiss fehlte und sie war hüftlahm. Alles Folgen eines Autounfalls. Obwohl sie schon eine Kratzbürste sein konnte, schmiegte sie sich dennoch an Dich an und wenn Du den Blick aus ihrem verbliebenen Auge gesehen hättest, dann würdest Du gar nicht anders können, als dieses Krüppele zu lieben.
Hasal
12. Okt. 2021, 08:37
Tiere , die irgendwelchen Schaden irgendwann genommen , danken es dem Menschen, der sich dann um Sie kümmert. Unsere Katze war hinterher nochmal so anhänglich , ist auch schwer getroffen worden. Wir haben es auf ein Auto geschoben, sie war am hinten am Körper schwer verletzt . Quälte sich eine Woche lang irgendwo rum, bis sie sich quälte nach Hause zu schleppen :(
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