Ich schaute einmal nicht gleich abends in meine E-Mails und schon ging es rund.
Entspannt werkelte ich an meinen Bildchen herum.
Irgendwann dachte ich; schaust doch mal kurz in die E-Mails, holst dir schnell was zu trinken, dann geht's duschen und ab ins Bett.
Schaute in mein E-Mail-Fach, wo ich eine äußerst wütende E-Mail voller absurder Anschuldigungen vorfand.
Die an den ersten Vorsitzendenden des Vereines und nur als „CC" an mich gerichtet wurde.
In der elektronischen Nachricht stand:
„, Dass ich einem Trainingsteilnehmer, weil er 15 Minuten zu spät gekommen wäre, das Mitmachen an der Übungsstunde untersagt hätte?"
Worauf der Trainingsteilnehmer (was nicht zwingend heißen muss, dass es sich um eine männliche Person handelte) weinend zu Hause aufgetaucht wäre und von dieser groben wie grausamen Unmenschlichkeit meinerseits berichtet hatte. Harte Worte wie „Verantwortungslos", „unverantwortlich" und weitere doofe Ausdrücke fielen in der Mail.
Dass man mir so leicht zusetzen kann, hatte ich nicht gedacht!
Vor allem (und daran muss ich arbeiten, denn das ist echt bekloppt), dass ich mich von unpassenden Kraftausdrücken treffen lasse. Wobei ich noch dazu gar nichts angestellt hatte.
Ich schrieb an den Mailverfasser und als „CC" an den 1. Vorsitzenden zurück:
Das ich den Trainingsteilnehmer ÜBERHAUPT NICHT im Training gesehen hatte. Alleine deshalb die Vorwürfe unbegründet sind.
Außerdem ich niemals jemanden aus der Halle wegen Zuspätkommens das Training unter mir untersagen werde. Noch nie jemanden aus so einem Grund – seit knapp zwei Jahrzehnten - aussortierte.
Da dies alle ANWESENDEN Trainingsteilnehmer und glücklicherweise einige neue Familien – die sich mein Training mal anschauen mochten – bezeugen könnten und werden.
Ich verzichtete auf jeden Kraftausdruck in meiner E-Mail.
Auch, wenn mir zugegeben durchaus danach gewesen wäre.
Das hätte aller Wahrscheinlichkeit nach nichts gebracht. Noch mehr Öl ins Feuer gießen wäre wohl das verkehrteste gewesen, was ich hätte tun können?
Dennoch, blieb in mir ein mulmiges Gefühl zurück. Trotz 100 % reinen Gewissens.
Geschlafen hatte ich bis dahin so gut wie überhaupt nicht. Was mich dazu veranlasste, meinen Alltag viel später als gewohnt beginnen zu lassen.
Ich überlegte eine Millisekunde, weil ich das Problem nicht mit mir alleine ausmachen wollte. Welchen Freund ich ins Vertrauen ziehen sollte? – Wer würde mir auch klipp und klar außerhalb der Familie sagen; hey, das hast du vielleicht übersehen, da hast vielleicht doch selbst Schuld an der vorherrschenden Situation?
Ich entschied mich für „K". – Goldrichtig!
K., die, die Fakten präzise und ehrlich mit mir analysierte. Mir auch nochmals bestätigte, dass sie kein Fehlverhalten von meiner Seite erkennen konnte.… was mich zusätzlich unglaublich beruhigte. – DANKE! … auch nochmals von dieser Stelle hierfür.
Nach Gesprächen mit dem 1. und zweiten Vorsitzenden, die beiden mir bestätigten, dass sie sich das nicht mal ansatzweise ein solches Verhalten sich bei mir vorstellen könnten, war meine Welt fast wieder in Ordnung.
Der 1. Vorsitzende versprach eine E-Mail zu schreiben, um dem anprangernden Mailschreiber mitzuteilen, dass der Mailschreiber sich nächsten mit mir zuerst auseinandersetzen möge, bevor er ihn (den 1. Vorsitzenden) als höchste Instanz im Verein anschreibt. … und ganz wichtig er kein Fehlverhalten bei seinem Übungsleiter feststellen konnte.
Auf die Frage, ob ich den Kontakt zum Mailschreiber schnellstens suchen sollte, wurde mir dringend abgeraten. Ich hätte mit meiner Mail das getan, was getan werden muss. Solle nun den Mailschreiber auf mich zukommen lassen.
Zuhause wieder vorm Computer.
Ertappte ich mich dabei, dass ich alle zwanzig Minuten mein E-Mail-Fach ausgiebig auscheckte. Zuerst tauchte die erwähnte Mail des Vorsitzenden an den Mailschreiber auf.
Kurz darauf trudelte endlich die erlösende Nachricht ein.
Der Mailschreiber hat sich nochmals mit dem Trainingsteilnehmer unterhalten. Dieser hat dann gebeichtet überhaupt nicht in der Turnhalle gewesen zu sein. Sondern lediglich die nur die bereits laufende Übungsstunde von draußen beobachtet zu haben und sich dann nicht mehr – warum auch immer? – in die Halle getraut.
Er entschuldige sich in aller Form für die Unannehmlichkeiten und Beschuldigungen. Bedankte sich für meine aufschlussreiche Mail.
Ich war trotz jeglichen Wissens meiner Unschuld extremst erleichtert, dass die Sache ausgestanden war. Fühlten sich doch diese letzten 24 Stunden für mich wie ein gesamter Monat an.
Vielleicht war das auch zur richtigen Zeit ein Schuss vor den Bug?
Nicht so arrogant zu sein, zu glauben, ich hätte als Übungsleiter trotz Jahrzehnten Erfahrung schon alles erlebt. … und so ein Ehrenamt nicht als selbstverständlich zu erachten, auch wenn man es mehrmals die Woche ausübt.
Bleibt zu hoffen, dass ich und alle anderen betroffenen Personen dieser unsäglichen Situation daraus die notwendigen Lehren und Schlüsse für die Zukunft ziehen werden?
Wir Menschen sind manchmal wohl Gefühlstiere?
Obwohl wir es besser wissen sollten, die obskursten Situationen bereits überstanden haben, verlassen wir uns oft nur auf unsere Instinkte und Emotionen anstatt erstmal nachzudenken, dann mit glasklarem Kopf zu handeln und nach Lösungen zu suchen.
„Seid nett zueinander (sonst schreibe ich Euch eine Mail ? ) und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!"

Wie sagt man immer , beide Seiten erst hören, nie auf eine nur . Bringt meist nur Ärger:(