Das war ein Donnerstag, der mich durchaus forderte.
Physisch wie Psychisch. Zuerst war ich einfach nur müde. Was ich nicht allein dem mehr grauen als blauen Dezemberhimmel zuschreibe.
Dann lief mir auch noch „Tati" über den Weg. Vielleicht erinnert man sich an meine Blogs über Sommer. In denen ich von „Tati" erfreut und nachdenklich berichtete?
Ich erkannte sie schon aus gut und gerne 100 m Entfernung.
Sie mich offenbar weder aus der Ferne noch aus der Nähe. Wohl aufgrund meiner Ohren wärmenden Mütze, die fast den kompletten Kopfbereich bedeckte und der Schutzmaske vor meinem Gesicht nicht.
Worüber ich vor allem im Nachhinein alles andere als unglücklich war.
Wobei ich gestehen muss, zuerst überlegte ich sie noch anzusprechen, ließ es dann aber doch lieber bleiben.
Ich war ein bisschen verschreckt von dem Anblick den ihr Erscheinungsbild mir bot.
Sie schob einen Kinderwagen, der wohl deutlich, genau wie sie, schon sehr viel bessere Zeiten gesehen hatte. Anfangs dachte ich; HOPPLA! Das ist mir ja ganz neu!
Dann erkannte ich, dass sie kein Kind spazieren fuhr. Stattdessen im Kinderwagen ihren geliebten Hund transportierte. Was doch ein recht seltsamer Anblick war.
„Tatis" Augen wirkten auf mich glasig, der Blick starr nach vorn gerichtet, die zu langen Jeans und die riesige weiße Wollmütze mit auffallenden Bommel daran, seltsam an ihr.
Wahrscheinlich ist dies absoluter Quatsch. Aber „Tati" wirkte auf mich schwer gealtert und ziemlich unbeholfen.
Ich brauchte einige Minuten, um den ungewohnt schrägen Anblick meiner „Sommer-Liaison" mir einigermaßen vernünftig aus den Kleidern zu schütteln.
Sollte sie mir – davon ist auszugehen – wieder über den Weg laufen.
So habe ich mir vorgenommen, auch wenn das Kapitel „Tati" eigentlich geschlossen war, doch nachzufragen, ob es ihr gut geht? … und ob sie weiß, dass sie einen recht seltsamen Anblick darbietet, wenn sie in einem Kinderwagen ihren Hund durch die Fußgängerzone spazieren fährt?
Denn auch andere Stadtgänger beäugten sie ausgesprochen belustigt und interessiert.
Der Donnerstägliche Abstecher in meine Lieblingsbuchhandlung durfte natürlich auch nicht fehlen. Ein Hochgenuss.
Die Bücherrücken scheinen mir bunter und unterhaltsamer, die Buchtitel herausfordernder.
Gefühlt wollten mich weit über die Hälfte der niedergeschriebenen Geschichten sofort nach Hause begleiten.
Doch ich konnte mich diesmal den Lockruf: „Nimm mich mit nach Haus, ich unterhalte dich vortrefflich", NOCH geradeso verwehren. Da ich ausreichend Lesefutter für Bus und Zuhause habe.
Stattdessen gab es beim Verlassen der Buchhandlung für Kunden einen Schokoriegel ( „ … die vielleicht längste Praline der Welt" ) den ich mir nur zu bereitwillig zustecken ließ.
Lachs- und Fleischkäsebrötchen und jede Menge Orangen und Mandarinen zierten das Familiennachtmahl. Am vorgerückten Abend drehte ich die Heizung auf die höchste Stufe, ließ mich ganz tief in den Schreibtischsessel sinken und mich vom Geschehen im PC und einem starken Gespräch zwischen „Thea Dorn" und Herausgebern „Der Zeit" auf den Ohren berieseln.
Bisher fand ich Frau Dorn ziemlich blass, nervig und als uncharmante Besserwisserin. Nach diesem ersten dreieinhalb Stunden nehme ich meine plumpen Vorurteile gerne zurück.
Vorurteile deshalb schon, da ich nur vereinzelte Aussagen von ihr kannte und mir bisher nie die Mühe machte auch nur eine Zeile aus ihren Büchern zu lesen.
Bin nun viel mehr der Meinung, dass ein solch kluger wie gewitzter Kopf Deutschland nur guttun kann.
„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!
