Oh, wie ist es schön, wenn der Alltag so viel früher endet als erwartet.
Das gab mir Zeit, mit Vater unser Weihnachtsbäumchen auszusuchen.
Wir luden zuvor den Hänger ab, der in Bruders Garage untergestellt ist.
Schauten nach den Spannetzen. Minuten später waren wir schon auf dem Weg zu den Weihnachtsbaumverkäufern unseres Vertrauens.
Wir scherzten und lachten. Hatten dabei natürlich stets den Anhänger in unseren Spiegeln in den Augen. Man weiß ja nie, ob der Hänger sich nicht trotz aller Vorsicht doch mal selbstständig machen könnte?
Ich natürlich weitaus mehr wie Vater. Vater ist wohl was Autofahren angeht, die coolste Socke überhaupt, dabei trotzdem alle gültigen Verkehrsregeln einhält, die ich kenne.
Das Lachen verging uns, als es im Radio hieß, ein Schüler aus dem Koblenzer Raum stach einen jüngeren Schüler auf dem Schulweg ohne Grund nieder.
Der vermeidlich minderjährige Täter konnte gefasst werden, schweigt bisher aber hartnäckig zum Tatvorwurf.
Das Opfer schwebt laut den Nachrichten aus dem Radio nicht mehr in Lebensgefahr.
Mich hats erschreckt, regelrecht durchgeschüttelt.
Vielleicht nicht lange genug?
Vater und ich konnten uns bald auf ein schönes Bäumchen einigen.
Zuvor besahen wir uns die weit über hundert ausgestellten Weihnachtsbäumchen genau an.
Wir waren jedoch nicht die einzigen Kunden auf dem großflächigen Gärtnerei-Gelände.
Gleich zwei Seniorenpaare erregten besonders unsere Aufmerksamkeit, die offenbar auf den cm genau, das Bäumchen mit einem mitgebrachten Meter und in dunkelgrünen glänzenden Gummistiefeln und ebenso dunkelgrüner Gartenschürze ausführlich ausmaßen. Die Vermesser sahen genau aus, wie früher die Senioren in den 80er- und 90er Jahren in den dt. Vorabendserien. Sie mit einem Kopftuch, er mit Halbglatze. Ich fands nostalgisch und nett.
Fanden wir das Bäumchen übertrieben teuer? – „Ja". Wollten wir das Bäumchen trotzdem haben? – „Ja!" - So bezahlten wir 42 Euro 50.
Wir hatten unsere Tanne, wie wir später überrascht feststellten, da Vater noch – warum auch immer? – den Preiszettel vom letzten aufgehoben hatte für sage und schreibe 1 Euro 50 günstiger als im Jahre 2020 erwerben.
Wie ich von Freunden und Bekannten erfuhr, ist das aber wohl mittlerweile ein Standardpreis für Nordmanntannen im Weihnachtsgeschäft.
Papa bezahlte, während ich mit dem Verkäufer zum Einnetzen des Baumes ging, dann unseren Familienbaum zum Auto schleppte und mit Vater, der schon vom Bezahlen zurück war, unsere Weihnachtstanne sicher mit den Spannnetzen auf dem Anhänger verstaute.
Ich taufte unsere Nordmanntanne („die Nordmanntanne" ? ) auf den Namen: „Hedwischjanne (?) Weihnachtstanne".
Da ich früh aus dem Alltag zurückwahr. Der Vereinssport noch immer brach liegt, raffte ich mich aus noch einige Fenster zu putzen und nicht mich gleich Werktags vorm Computer niederzulassen. ; Was zurzeit viel zu oft der Fall ist. Worunter meine Haushaltstätigkeiten etwas leiden.
Wie sehr ich diese kostbaren Momente mit Papa mag.
Zusammen unterwegs sein, eine gute Zeit haben. Vor allem dieses miteinander scherzen und von jetzt auf gleich in ein ernstes Gespräch abtauchen, bevor wir uns kurz darauf wieder in Gelächter, Sprüchen und unseren jeweiligen Tätigkeiten verlieren.
Das kann ich kann, ganz sicher bejahen. – Ob ich sonst die gemeinsame Zeit (so, so sehr) mit Eltern genießen und schätzen würde?
Was machen eigentlich „Waldorf und Statler" heutzutage?
„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!

Geniesse die Zeit mit Deinen Eltern, sowas kann ganz schnell vorbei sein. :(