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„Stichwort Wolle“

John Baker Sander
29. Januar 2022(bearbeitet)
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Ohne die zusätzliche „Wolle" auf dem Kopf fühle ich mich doch ungleich wohler. Am Morgen führte mein erster Weg zur Stammfrisöse. Die sich bereits seit über 40 Jahren um mein Haupthaar kümmert.

Sie ist nicht mehr die gesamte Woche beruflich aktiv.
Wer kann es ihr mit 80 Jahren verübeln?
Umso dankbarer bin ich, dass sie noch 2-3 Tage in der Woche ihr Geschäft öffnet, somit auch für mich die Chance besteht fast nach Bedarf einen Termin zu bekommen.

Auch wenn ich nicht immer der größte Fan ihrer Redseligkeit bin, ist es doch immer ein gutes Gefühl sie munter und gesund zu sehen.
Sobald ich ihren Salon betret,e fühle ich mich sofort in die Kindheit und Jugend zurückversetzt.
Es gibt Dinge in diesem Salon, die haben sich gefühlt seit vierzig Jahren nicht darin verändert.
Die großen Werbekalender zum Beispiel, die von Frisurenmodels innen und auch außen geziert werden, hängen dort noch immer, natürlich stets mit der aktuellen Jahresausgabe versehen, unverändert am selben Platz.
Auch Friseurstühle und Spiegel wirken eher wie aus den 80ern oder frühen 90ern als wie aus den stylischen 2000er Jahren. – Retro! – Das ist ja schwer angesagt.

Ich trage, seit ich ungefähr sechzehn bin, relativ stur dieselbe Frisur, wenn auch hin und wieder in leicht abgewandelten Varianten.
Weiß nicht, ob das unbedingt für meine Weiterentwicklung äußerlich spricht, aber ich mag „meine Wolle" genauso … und eigentlich sogar nur so.

Irgendwann werden mir diese Besuche bei der Haarschneidespezialistin fehlen. Sicher ein wertvolles Relikt meiner Erinnerung sein.


„Samira El Quassil" war mir leider bis in den Abend hinein kein Begriff.
Ich weiß nicht ob man sie in Deutschland kennen sollte, vielleicht sogar müsste?
Ein Podcast-Interview brachte sie mir natürlich näher.
Ich war fast ein bisschen verschossen, wie klug, charmant, nett und echt „Frau Quassil" wirkte, anhörte und sich äußerte.
Ob es um ihren Beruf ging, französische Lektüre, Serie, die sie schaute oder in denen sie mitspielte, Müsli am Sonntagnachmittag und ausgiebiges knutschen mit dem Liebsten am Wochenende.
Das war mir ungemein sympathisch.

Beruflich ist und war sie laut meiner Recherche als Autorin, Schauspielerin, Redenschreiber- und Gagschreiberin, Podcasterin und Musikerin bekannt.

Ich werde ihren beruflichen Werdegang vorerst in Augen behalten.


Stichwort Wolle.
Gleich mehrere Menschen in meinem Umfeld haben mit den Stricken angefangen.

Mir fiel in der Grundschule schon das Häkeln schwer. Ich weiß, noch, wie mir die doofe Kunstlehrerin mein Werk – das ich für gut hielt; was es jedoch sicher nicht war; es handelte sich übrigens um einen Apfelbaum, der auf Gras stand und über dem ein blauer Himmel thronte – aufzog.

Dass kaum noch etwas von meiner stundenlangen Arbeit übrigblieb.
Gut, dass es Oma gab. Nennen wir es mal sie „zeigte" mir wie man es besser macht und ich bekam auf mein Häkelwerk (3. Oder 4. Klasse Grundschule) nach Abgabe und Bewertung ein „sehr gut". – Oma und Mama – die das eingefädelt und ausgeführt hatten – waren und sind eben doch die Besten!

Die Faszination des eigentlichen Strickens erschließt sich mir noch nicht. Ich mag das Resultat. Bewundere, wer sich so eine neue Welt erschafft. – Die Menschen um mich herum sind einfach fantasievoller.

Übrigens, was mir in dieser Sekunde eingefallen ist, ich hatte bisher noch nie in einem Wasserbett geschlafen.



„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!


Kommentare (2)

Hasal
30. Jan. 2022, 16:43
Ich finde es echt sehr schön, dass Deine Friseurin auch noch mit 80 Jahren , zu ihren Kunden geht , in den Friseurladen. So lange sie noch rüstig sind , so sind sie abgelenkt und haben nette Unterhaltung noch .
Früher wurde uns noch nähen, häkeln, stricken und stopfen bei gebracht, in der Schule. Das vermisse ich leider in den letzten ganzen Jahren einfach. Lieber wird alles was kaputt ist entsorgt, aber so hätte man es noch ausbessern können und brauchte nicht immer gleich alles neu kaufen. Unsere Kinder sind so was von dankbar , dass ich alles nähen und stopfen kann noch und somit auch eine Menge Geld eingespart wird. ;)
John Baker Sander
31. Jan. 2022, 06:44
Liebe Hasal!

Das ist auch eine tolle Sache, dass du so etwas kannst. Heute noch Lust und Begeisterung verspürst zu helfen. - Natürlich ist es ein Zusatzbonus, dass dadurch Geld eingespart werden kann. - Ich finde es auch gut, dass sich die Friseurmeisterin fit hält.

Auch dieser Kommentar war wieder toll geschrieben! Liebe Hasal, du solltest vielmehr schreiben :) ! - Danke
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