Zuerst hatte ich mich ja entgegen entschieden an der Beerdigung des Bruders meines Opas – den ich nicht gut kannte und nur hin und wieder sporadisch zu Gesicht bekam - teilzunehmen.
Doch im Verlauf der Woche empfand ich das nicht mehr richtig und änderte meine Meinung.
Ich hatte mich schon Trauerfein gemacht und war abfahrbereit.
Wir würden nicht selbst fahren. Sondern wir würden mit Vaters Schwager – meiner Patenonkel und Tante – fahren. So der Plan …
Durch einen Telefonanruf wurde bei uns angefragt, ob noch Platz im Auto wäre, eine ältere Frau wollte gerne mit zur Beerdigung. Ihr lag offenbar mehr daran wie mir. … und so räumte ich meinen Mitfahrerplatz.
Bruder oder sonst jemanden den Platz zu rauben, denen der Bruder Opas deutlich mehr bedeutete, schien mir nicht richtig. – So blieb ich daheim.
Ich legte mich ins Bett, schaltete alles aus, Computer, Mobilphone und alles andere. Um 12 Uhr mittags – an einem Werktag – schälte ich mich aus dem Bett.
Ein herzliches Dankeschön an die Frau, die ich nicht kenne, aber die diesen Tag, in dem sie meinen vorgesehenen Platz einnahm, möglich gemacht hatte.
In mir herrscht Aufbruchstimmung.
5 Dinge, die mich faszinierten & interessierten innerhalb der vergangenen Woche (nicht zwingend in dieser Reihenfolge):
- Tage, die anders verlaufen als man sie geplant hat
- Mit Bruder wortkarg im Eiscafé sitzen und sich trotzdem aneinander nahe fühlen
- Mit Vater, die TV-Show: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" (2022) zu verfolgen
- Lebensgeschichten aus der Vergangenheit einen positiven Abschluss geben
- Meine Menschen 2022 – Ich bin dankbar, dass es Euch gibt!
Auf einem sozialen Netzwerk, in das ich seit Monaten kaum hereingeschaut hatte, wurde mich ein Foto eines ehemaligen Freundes in die News gespielt. Dass obwohl wir dort nicht miteinander befreundet sind, noch wusste ich das er auch dort angemeldet ist, zumal mit unbekannten Nachnamen. Wahrscheinlich dem Namen seiner Ehefrau?
Wir waren von 1992 bis nach dem gemeinsamen Besuch der BBS III Wirtschaft befreundet.
Wir waren richtige „Buddies" gewesen, schauten Sportsendungen und Filme, joggten, spielten Fußball und Basketball in der Freizeit, besuchten dies gleichen Schulklassen und unterstützten uns.
Zudem wohnten wir keine 400 m auseinander.
Obwohl wir uns zunehmend schwerer taten, befreundet zu bleiben.
Bereits im zweiten Jahr auf der Wirtschaftsschule des Öfteren unseren eigenen Wegen gingen, blieben wir sogar noch bis nach dem Umzug des Freundes im Kontakt.
Ich besuchte ihn sogar auf Einladung von ihm dort.
Wir waren allerdings schon andere Menschen und hatte uns in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt. So, dass es bei diesem einmaligen Besuch blieb.
Irgendwann trafen wir nochmals zufällig in Worms aufeinander.
Er war in weiblicher Begleitung, konnte gar nicht – nachdem er mir seine „Flamme" vorgestellt hatte - schnell genug das weite mit ihr von mir suchen. Mir war es auch nicht unrecht so.
Anfang der 2000er fragt mich seine Tante, die mich von Geburtstagen des Freundes u.a. kannte, im selben Ort wohnte, auf der Straße, ob ich mir nicht die Hochzeitsbilder „des Freundes" ansehen wollte.
Ich fand diese Idee damals nur verrückt (trotz einiger Neugier). Natürlich lehnte ich dieses Angebot aber ab.
Zurück zu den News und Bildern im sozialen Netzwerk.
Das Bild zeigt ihn, Frau und zwei Hunde. Im Hintergrund stand ein Weihnachtsbaum vor einem großen Fenster. In seiner Nachricht bedankte er sich, dass es ihm, Frau und seinen Liebsten gutginge.
Früher dachte ich ja - bis in meine frühen zwanziger hinein - dieser Mensch wäre mir nur noch egal.
Ich muss auch zugeben, seit I. hatte ich kaum an diese jahrelange Freundschaft zurückgedacht.
Aber das absolute Gegenteil ist der Fall. Ich gönne ihm alles.
Ich hatte mich sofort nach Ansicht des Bildes für ihn gefreut. Seiner Frau und ihm scheint es gutzugehen. Er wirkt auf dem Foto glücklich und sehr zufrieden.
Mittlerweile ist der ehemalige Freund übrigens in Sachsen gelandet.
Über zwei Dinge amüsierte ich mich besonders.
Zu einem das er zum Hundefreund mutiert ist, denn er mochte wohl Hunde damals noch viel, viel weniger als ich. Zum zweiten, dass er auch, seinen Bildern zufolge zur Fotografie gefunden hat.
„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!
