Zeit: 15 Uhr 31
Ort: Kaiserpassage (gegenĂŒber des âNew Yorker"), Worms
DrauĂen nieselt und stĂŒrmt es unangenehm.
Zeit, die ich nutzen möchte, um fĂŒr mich auf die Wochenmitte zurĂŒckzublicken und einige Gedanken festzuhalten.
Ich mag den Trubel um mich herum und die damit verbundene GerÀuschkulisse.
Die einfach nur da ist, ansonsten aber nicht das geringste mit mir zu tun hat.
Gestern Morgen hatte ich das GefĂŒhl zu ersticken.
Sowohl an Gedanken als auch an den ganzen drumherum.
Mir war alles Zuviel. Alltag, Familie, Sport, Freunde, Bekannte, Online-Community.
Dazu diese ungewohnten brodelnden Emotionen, dass sich nichts, aber auch wirklich nichts richtig anfĂŒhlte.
An Alltag war so fĂŒr mich nicht zu denken.
Der bekam fĂŒr diesen vergangenen Mittwoch eine Absage erteilt.
Ich setzte mich in den nÀchsten Bus.
Stieg am Bahnhof â nach einer okayen Fahrt â aus, marschierte schnurstracks in den âAdenauerring", wo ich mich dann geschafft; wovon auch immer? ; auf einer der zahlreichen Sitzgruppen niederlieĂ.
Dort â im âAdenauerring" â schloss ich die Augen, atmete bewusst und fĂŒhlbar frei durch, wĂ€hrend die Sonne mich wĂ€rmte und ihre Strahlen auf meiner Nasenspitze angenehm tanzten.
Augenblicklich ging es mir besser.
Auch kehrten meine vertrauten Gedanken- und GefĂŒhlswelten gegenĂŒber der Welt und âmeinen Menschen" zurĂŒck.
Ich war erleichtert.
Einige Minuten flippte ich innerlich aus.Malte mich im tiefsten Inneren aus, dass mich âBurnout" oder eine handfeste Depression erwischte. â Ich finde diese GefĂŒhle und Gedanken im Nachhinein völlig verrĂŒckt.
Ich saà auf der Bank im Wormser Adenauerring, trÀumte mit offenen Augen vor mich hin.
Bevor ich zur Biografie von âHilde Gerg" und im Anschluss zu dem Fantasieroman: âDas Buch" von âWolfgang und Heike Hohlbein" griff.
Ăber Stunden hinweg war ich in Buchseiten gefangen.
Dachte an absolut nichts. Garnichts.
Nach diesen Lesestunden ohne Gedankenfluss und zuvoriger TrĂ€umerei fĂŒhlte ich mich âNeu". Bestens wieder aufgestellt fĂŒr alle anstehenden Aufgaben in allen Lebensbereichen.
Das morgendliche Ersticken wirkte nun eigenartig fremd.
Ăberhaupt nicht nachvollziehbar und so fern.
Dabei waren kaum sechs Stunden vergangen, seit ich dachte, ich mĂŒsste âunter der Last meiner eigenen kleinen Welt" zusammenbrechen. â Irgendetwas muss mich doch stark getriggert haben, dass es bei mir zu diesem vorrĂŒbergehenden Systemausfall kam, nur was?
Ich hatte Freude, durch die FuĂgĂ€ngerzone zu wandern.
Es war auf eine einzigartige Weise an diesem Mittwochnachmittag bezaubernd.
Selten war mein Blick so stark bei und auf den anderen StadtgÀngern.
GefĂŒhlt nahm ich jeden einzelnen Sonnenstrahl und jedes einzelne LĂ€cheln auf.
Jede Geste und alles, was irgendwie fröhlich und unbeschwert wirkte, tat mir gut und berĂŒhrte mich.
Eigentlich war mir schon klar, wie ich ins KW-Center einbog - an den Filmplakaten vorbei schlenderte â dass auch ein Kinobesuch zu dieser seltsamen Wochenmitte dazugehören wĂŒrde.
Ich sah mir âMarry Me" an.
Eine romantische Komödie mit âJennifer Lopez" und âOwen Wilson"
Kurz zur Handlung. Zwei Popmusik Superstars stehen vor der Hochzeit. Die man öffentlichkeitswirksam ausschlachten möchte. Unmittelbar vor dem Event, findet die Braut heraus, dass der BrĂ€utigam sie betrogen hat, woraufhin sie aus der Zuschauermenge sich einen Mathelehrer herauspickt, dem sie dann das âJA-Wort" gibt.
Der Film ist so wunderbar weit von der RealitĂ€t entfernt, deswegen alleine schon macht die Handlung ĂŒberdurchschnittlich SpaĂ.
Die Komödie ist ein voraussehbares MĂ€rchen mit eins, zwei Ăberraschungsmomenten und einigen sehr lustigen EinfĂ€llen.
Alle auftauchenden Charaktere machen Laune und die Chemie zwischen âWilson" und âLopez" empfand ich sogar als auĂergewöhnlich gut.
Auch der Soundtrack hat ohne Zweifel â gleich bei mehreren Songs - Hitpotential.
Ich bin sicher, dass das der ideale Film fĂŒr die Vorweihnachtszeit ist. Irgendwann werde ihn sicher nochmals gerne anschauen.
Die Komödie hinterlieà durchaus Wirkung auf mich.
Einer der atmosphÀrischen Kinobesuche, die ich bisher hatte.
Ich empfand es als angenehm, dass bis auf eine Frau, die in der Reihe hinter mir saĂ, der Kinosaal leer war.
Ich verlieĂ das Kino mit einem herausragenden GefĂŒhl.
War einfach happy, dass mein kurzer Systemausfall wahrscheinlich keiner war. Alles in mir sich normal â wenn auch stark euphorisiert - anfĂŒhlte und ich dieses geglaubte Verrecken an Gedanken wieder rasch losgeworden bin.
Dennoch war mir diese Wochenmitte eine Warnung, bisschen wieder mehr und bewusster in mich hineinzuhören. â Denn das hĂ€tte sicher nicht sein mĂŒssen, ich bin auch sonst keiner der leicht in Panik gerĂ€t oder sich in solche versetzen lĂ€sst.
âSeid nett zueinander â hört ab und an auch mal in Euch hinein - und passt gut auf Euch auf! â Wer immer Ihr auch seid?!
