Mein Großvater wäre an diesem mittlerweile vergangenen Montag 100 Jahre alt geworden.
Was er wohl zum „Krieg gegen die Ukraine" gesagt hätte?
Er, der selbst Kriegsgefangener im 2. Weltkrieg in Russland war wie viele Millionen anderer auch.
Ich glaube, er wäre genauso sprachlos. Ob Großvater wohl diesen „Krieg" für möglich gehalten hätte?
Wobei meine Großeltern alle des Öfteren mahnten: „Geschichte wiederholt sich". – Bitte, Nein! … und doch nicht mehr (teilweise) zu verleugnen.
Wofür ich meinen Opa immer dankbar sein werde.
Dass er mein Interesse weckte an Politik, Nachrichten, Geschichten, über Jahre hinweg mir wöchentlich die Zeitschrift „Stern" zum Lesen mitgab. Zumindest mach ich ihn verantwortlich, dass ich hin und wieder Neugier am großen Weltgeschehen hatte.
Ebenso, dass ich eine besonders starke Abneigung gegen das Rauchen entwickelt hatte.
Allgemein, außer dass er zum Teil damit mitverantwortlich ist, dass es Vater gibt, einfach dafür, dass er mein Opa war und wir ein speziell redseliges und vertrauensvolles Verhältnis hatten.
Vor allem zwischen meinem vierzehnten und fünfundzwanzigsten Lebensjahr hockten wir bestimmt fast täglich am Küchentisch von Oma und Opa zusammen.
Wer sich fragt, wie das möglich war, der Weg von Zuhause zu den Großeltern väterlicherseits dauerte kaum eine Minute.
Mit Begeisterung hörte ich über einen Podcast „Andreas Fröhlich" zu.
Wie dieser zur Stimme u.a. von „Bob Andrews" von der bekannten Hörspielreihe: „Drei Fragezeichen" wurde.
„Fröhlichs" Anekdoten sind wunderbar erzählt, dass ich ewig weiterlauschen könnte.
Rosenmontag fand nicht wirklich in diesem Jahr statt.
Es gab keine öffentlichen Fastnachtspartys in meiner Nähe. Keine Fotoaufträge, aufeinandertreffen mit neuen und bekannten Menschen, neue Geschichten und dieses Gemeinschaftsgefühl, das es für mich ausgeprägter nur in Kreise der Familie oder im Sport gibt.
Eltern, Bruder und ich saßen am Abend rund um den Küchentisch.
Vater hatte zahlreiche Kreppel (Berliner, Krapfen) besorgt. Mit Schokoladenfüllung und Smarties verziert, die normalen in Zucker gewälzt und mit Marmeladenfüllung, Monster-Kreppel mit blauen Streuseln und Puddingfüllung.
Wir schafften es für über eine Stunde die Welt, Welt sein zu lassen.
Stattdessen unsere Familie kraftvoll in den Mittelpunkt zu stellen. Was nicht so leicht ist bei den Nachrichten die von außerhalb auf einen in diesen Tagen einstürmen.
Ich würde behaupten, wir lachten dabei weitaus mehr als auf mancher Narrenveranstaltung; wenn sie den stattgefunden hätte.
Gibt's etwas Schöneres wie innerhalb der Familie zu Scherzen und miteinander zu reden?
Sich zu wundern wieso der Nachbar schon in Sommerklamotten herumläuft oder Erinnerungen über die Eltern bzw. Großeltern auszutauschen?
Dabei gemütlich Kreppel sich einzuverleiben und zu spüren, dass man eine Familie ist und bleiben wird, sich immer aufeinander verlassen werden wird können.
„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!
