Lunaria-Galaxie
Blog Übersicht»beruhigt und gefestigt - und die mit der Schweigepflicht, bei der bleib ich dann mal ganz
Zurück

beruhigt und gefestigt - und die mit der Schweigepflicht, bei der bleib ich dann mal ganz

G
Gelöschter User
26. April 2022(bearbeitet)
14 Aufrufe
Noch nicht bewertet

 "Mit Karte bitte", entgegnete ich der Dame an der Rewe Kasse heute. Ich brauchte Ablenkung und etwas Schönes nach den Stunden am Morgen. Mich zog es mit meinem Einkaufswagen zuvor durch die Gänge und mir stand nur der Sinn nach Obst, Gemüse und Salaten. Auch Katerchen Miro sollte mal wieder eingedeckt werden mit dem, was der kleine adipöse(übergewichtige) Kerl so sehr begehrt - Futter. Ich kaufte wieder mal mehr wie nötig und vorgesehen ein. Aber egal, ich kann es mir leisten.

Erst vor einigen Monaten hatte ich gelernt, das Leben in so vielen Atemzügen wie ich kann zu genießen. Da flogen heute fast schon gewohnt und gedankenlos Küchentücher in den Karren, einfach nur wegen der Aufschrift - "Just breathe..." - "Life, Laugh and Love." - "be mindfull"- als limitierte Sonderauflage. Zwei leckere Mixery Cola für später folgende anstrengende Feierabende und die schönsten Rosen die ich an dem Tag sah. Ich kam Zuhause an, immer noch perplex von den Ereignissen der letzten Wochen und Tage. Mir fiel halt nichts anderes als Reaktion auf das, was da ablief ein, außer mir schönes und gutes zu tun. Mich mit Schönem zu umgeben. Die frischen Erdbeeren verschwanden im Kühlschrank nebst dem Saft. Die Haarfarbe zog ins Bad ein, für bald, zusammen mit meiner heiligen Mittelklasse teuren Haarpflegeserie, auf die ich sogar schwören würde, ging es um einiges und dann sah ich mich im Spiegel an...

Ein Lächeln huschte mir übers Gesicht und zig Gedanken zu meinem Aussehen, nicht wegen des Aussehens wegen. Nichts positives oder negatives zu meiner Optik so wie sie ist. Ich mag mich mittlerweile sehr gerne ansehen, finde das Gesicht, das zurücklächelt toll. Auch die Figur mit allen Ecken, Kanten und Makeln sowie Narben.  Nein es drängten sich eher Gedanken zu den wunderschönen Blumen und daran wie herrlich sie da stehen und mich an meinen liebsten Menschen erinnern, wenn ich auf dem Sofa liege und lese auf. Diese tolle eine Person, die ich schon seit bald 2 Jahren liebe und die mein kleines Single-Geheimnis ist. 

Kurze Momente der Freude in mir, zum Mai-Urlaub mit Mama, die sich auch schon extra freigeben ließ und sich beruhigt äußerte bezüglich der jüngsten Ergebnisse bei den Ärzten. Meine Freunde Real und Online, die Jugendweihe meiner großen (leih-)Tochter und die Kleider, die wir shoppen würden und ihre Party an ihrem besonderen Tag. Die Blogs und Chats in denen ich rum streife, Nachrichtenseiten und die zwei Bücher die ich derzeit lese. Die vielen Menschen an der Anderen Seite des PC'S, an ihren Tastaturen und die tollen langen Gespräche einfach zum blödeln, zum flirten, zur Musik, Kunst, zur Welt, dem Tag an sich selbst und was man einfach vorhabe, das wetter, was man kocht uvm..Ja ich quassel sehr gerne ehrlich gesagt, solange das von allein fließt das Gespräch.

Meine Arbeit ging mir durch den Kopf und die Sorge der Mitmenschen. Ja, so blass sah mich die Menschheit noch nie, aber es brachte mir keinerlei negative Mine, wenn ich im Bad stand und wir uns musterten, mein Körper und ich. Es war gerade mal 1 Tage her, dass meine Kollegin mich zu quatschte, mit ihren lieb gemeinten Neckereien und ernsten Sorgen nachdem ich Samstags kollabierte. "Weil du nichts isst, guck doch mal wie wenig an dir dran ist! Weil du es nicht abklären lässt! Weil du dir nicht helfen lässt!" 

Meine Reaktion war ein wenig deutlich ausgefallen, vielleicht auch etwas heftig? Zuerst begann ich mit einem "Ich bin eben ne skninny Bitch?", nun ja meine 53 Kilo gegen ihre schätzungsweise 100 Kilo wirken eben so. Ich hielt einfach gegen und neckte zurück. Bis mir das Gelabber zu viel wurde, in Anbetracht der Kochereien und Süßigkeiten- sowie Kuchenvernichtungen, die ich Zuhause und auf der Arbeit vor aller Leute Augen betreibe. "Das ist mein Körper, mein Bereich, ich mache das schon wie ich denke! Und nicht mal meine Familie weis irgendwas ansatzweise, weil es gut so ist. Und, auch jeder Arzt immer nur die notwendige Hälfte! Da geht keiner ran und auch, nur wenn ich will, derjenige Mensch der darf, so weit wie ich es möchte! Ich hab schon noch Verstand und Vernunft und werde eingreifen und mir helfen lassen, wenn ich es brauch!". Ich knallte ihr das mit einer eher heiter aufgelegten, wenn auch innerlich Sorgen und Ängste zerfressenen Haltung an den Kopf, aber es wirkte. Jetzt konnte man frei weiterarbeiten und sich konzentrieren, abschalten und auf das achten, was wichtig war, die Patienten.

Zurück zu jetzt und hier im Bad vor dem Spiegel. Der Blick war beendet und er verlief gut. Die Rosen standen dann auch mal endlich im Wasser und ich lag auf meinem Sofa. Beruhigt und gefestigt ist das Gefühl, das mir heute zuteilwurde. Ich spürte es nach Wochen endlich mal wieder. Man lehrte mich immer, Eigenschutz sei wichtig. Sich schützen, sich eine Rüstung anlegen. Ich lernte es von anderen Einzelgängerinnen. Am Ende schützt man sich dann sogar vor den guten, die helfen, kam es dann in die samtig weichen dahin flanierenden Gedanken. Es wurde getan, was notwendig war und Verstand und Vernunft griffen ein. Glücklicherweise. 


Der erste Fachbereich war abgedeckt auf außergewöhnlich sympathische und empathische Art und Weise ohne Anmeldung von einer jungen Ärztin sowie ihrer Praxis. Sie behandelten mich nach nur wenigen Fragen und kurzen einsilbigen Antworten. Sie Verstanden - Gott sei dank- genau worum es ging, was auf dem Spiel stand und was ich bereit bin mitzumachen und zu sagen. "Wenn sie doch schon einen Arzt haben, der gerade Sprechzeit hat, dann müssen sie dahin oder sie wechseln zu uns.", fing es an. "Ich will zu IHNEN, sie wurden mir empfohlen und ich warte egal wie lange!". Die Empfehlung war Gold Wert und ab da nahm alles seinen mich Perplex machenden Lauf. Bei meinem alten Arzt war ich Jahre nicht mehr und hier ging es um etwas. Um mich und mehr, und nicht nur um mal eben da gewesen sein, Hauptsache es war abgehandelt und ich erhalte mein Rezept oder meinen Krankenschein. Noch nie fühlte ich mich so wohl, noch nie hörte jemand so genau zu, erklärte alles 5-mal. Sie schrieb alles mit mir auf, damit ich es nach dieser Stresssituation "Ein Arztbesuch und jemand kommt mir nahe, fasst mich an", nach dem verlassen der Praxis nicht vergesse. "Sie sind eine starke Frau so viel wie sie alleine geschafft haben, aber auch starke Frauen schaffen nicht alles ohne Hilfe!", lächelten mich warme braune Augen an. Ich wurde respektiert, erhielt Verständnis, meine Zeit, die ich brauche, mein Tempo und Anerkennung für das, was ich schaffte, mit mir alleine auszumachen. Noch nie brachte mich jemand vertrauensvoll zu allen Untersuchungen und kriegte mich dazu direkt danach zum nächsten Facharzt zu gehen und diese dann miteinander korrespondieren zu lassen. Ja, ich war und bin wie gesagt noch etwas positiv Perplex, meist gehe ich schon nach einem Arztbesuch fertig mit den Nerven nach Hause und verstecke mich vor der Welt. Und ja, da saß ich dann tatsächlich mit einer Blutdruckmanschette direkt beim nächsten, um mit ihm in Ruhe zu reden, abzuklären wie es wohl weiter gehe und was wir machen. "Faxen sie dann alles bitte an ihre Kollegin?" - "Ja das machen wir so, schön das sie da waren!".

(Warum auch immer ich alles niederschreibe? Mir ist danach..)

Morgen geht es wieder zum nächsten Arzt für einen weiteren Fachbereich. Was los ist, dass weiß ich immer noch nicht. Ursachen wurden noch nicht gefunden, aber ich habe ein gutes Gefühl und auch gute Gefühle helfen nebst Medizin und Tee. Ich weiß auch, dass ich die Angst davor nie zu erleben, wie es ist "kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen" los geworden bin. Und, dass ich heute Vertrauen und Sicherheit zugewonnen habe in Momenten, in denen ich mich mal nicht schütze, mal schwach bin und aufmache, Dinge nicht allein regle und mich mal vertrauensvoll in andere Hände begebe. Momente in denen ich mal nicht die starke Frau bin, obwohl ich stark bleiben durfte bei allem, was ich Tat in den Sprechzimmern.


Du solltest den Teufel nicht an die Wand malen <- zum Glück hörst du meist auf dich.





Kommentare (0)

Bisher keine Kommentare. Schreibe den ersten!

Einloggen um zu kommentieren.