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Systeme und Konstrukte...oder, mir gehts immer gut, es interessiert keinen und die weißen Kittel sind gerade das sicherste..

G
Gelöschter User
30. April 2022(bearbeitet)
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Mehrere Tage sind nun vergangen, Wochenende. In der Zeit hat sich einiges getan und ich laufe weiter durchs Leben als wäre nichts. Der graue Himmel hat sich in Sonnenschein und Frühling pur verwandelt. Die Menschen gehen mehr raus und auch ich mache mal jeden Tag einen kleinen Spaziergang, frische Luft atmen und den Körper wieder auf Lunge und Ausdauer trainieren. Darauf trainieren auch mal wieder das Herzkreislaufsystem hoch zu fahren. Wann hatte ich das letzte mal richtig frei? Eine immer öfter gestellte Frage. Es ist ein Rätsel, vor lauter Termine und Ärzte füllt sich der Dienstpan zwischen den Lücken immer mehr mit nicht-ausruhen. Mein Urlaub wurde ein krank sein, meine sechs Tage frei ein krank sein, meine freien Tage ein rum vegetieren und Beine hochlegen. Blutergebnisse wanderten vom Hausarzt zum nächsten Fachgebiet, Pillen wichtelten sich in einen Medikamentenplan, den ich vorher nicht hatte und Kollegen machen charmante und uncharmante Witzchen und Bemerkungen. (Ich gehe doch eigendlich schon klassisch-legere zurecht gemacht mit frischen Tagesmake-up usw außer Haus?) Man kommt zur Arbeit, erscheint weil es an Arbeitskräften mangelt und macht halt mal LANGSAM.  "Na was kam raus?", "Und biste / haste jetzt dies oder jenes?", "Hab dich nich so!", "Bei welchem Arzt warst denn? Ach da, da war ich auch, der is gut! Was hattern gemacht?", "Mensch, iss doch mal du bist immer dürrer, wo kommst du den her ausm Keller?", Manche können ihre Neugier und Sorge scheinbar nur so äußern, oder haben nicht gelernt, zu warten, bis ein Mensch von allein redet.  "Ich bin eben ne Skinny-bitch, und nun die Übergabe bitte!", erwider ich genervt. Schlechte Idee eben, mich morgens um 5.20Uhr voll zulabbern, vor meinen ersten Kaffee. Typisch Schwester Rabbiata mit ihren 105 kg + Maskottchen. Solangsam muss ich an meiner contenoce feilen sonst gehe ich bald mit Aggression unter gegenüber den Fragen und Krankengeschichten der anderen Mitarbeiter.

Was niemand weis, zwischen all dem Alltag und den Diensten nächste Woche wieder runde zwei, aber meiner Ansicht nach, geht das echt keinen was solangsam mehr an.  Nachkontrollen und Vitalwerte, Blutziehen und Werte holen. Kleinigkeiten korrigieren und an ihnen feilen eben, Dosierungen, Uhrzeiten, Rückmeldung wiedergeben. 

Stehe zwischen den Menschen und schaue mir ihre Gestiken und Mimiken, ihre Handlungsabläufe in Ruhe an. Sie tun immer wieder dasselbe, so wie ich, so als wäre nichts, so als gäbe es Krankheit oder Leid einfach mal nicht. Sie fragen und nehmen es locker und mir raubts die Nerven bis zur Resignation. Manch ehrliche nette Worte und Sätze sind dabei, ich solle mir keine Gedanken machen, das komme wieder in Ordnung. Immer wieder höre ich mir Gespräche an über Politik, Corona, die Arbeit, die Kinder und irgendwelche Stecher und Mackeraus Sozial-Media-Plattformen. Sie führen sich auf wie ein Hühnerhaufen auf Fleischbeschauung in ihren Pausen. Mit Frauen arbeiten kann echt anstrengend sein, sie haben immer was zu quatschen und es nervt teils echt. Da sind mir Männer manchmal lieber im Dienst. 

Mein Kalender für Mai füllt sich Tag für Tag, Früh, Frei, Frei, Spät, Spät, Spät,Frei, Frei, URLAUB, ganz viel Spät. Ich pflege Termine ein, 8:30Uhr hier, an dem Tag 10:15Uhr da, am 9. hierhin fahren, am 17, zurück. Oh das ja mein URLAUB, juhu. Zwischendrin will man noch einkaufen, den Haushalt machen, das kleine Singlegeheimnis will noch Aufmerksamkeit. Kater Miro braucht einen Babysittter, mein Bruder will wissen wie weit ich in den Videogames bin, Freunde wie weit ich gelesen habe, ob ich weiterschrieb und vieles mehr. Derzeit flutet sich mein Handy und Mailfach wieder mit allem möglichen, das ich ganz platt und ermüdet oft ignoriere. Die einzigen, die sich nicht melden, meine Familie. Scheinbar habe ich umsonst die Familiengruppe gegründet. Aller paar Tage werfe ich mal ein Bild hinein, mache Morsezeichen, aber nichts. Mal ein kleines "Super" oder "Toll" und das wars. Kleine Smileys oder so eben. Irgendwie fühl ich mich nich relevant. Ich liebe sie und gebs nie auf, aber irgendwie, mag ich gerade von denen nichts mehr hören nach all den Versuchen und die Freude hinzufahren hat sich auch leicht erübrigt. Keinerlei Fragen wies mir geht, was ich tue, ob alles besser ist. Ich stehe zwischen blöden Kollegen, netten ruhigen Kollegen und einer desinteressierten Familie. Wenn wer fragt, mir gehts gut. Natürlich geht es mir GUT, herr gott nochmal.....Aber das ist eben auch menschlich, einem Freund begegnen, an ihn denken, ihn grüßen und nach seinem Befinden zu Fragen. Auf die Wahrheit hab ich relativ wenig Bock mehr mittlerweile. Weil nie die richtigen und wichtigen sich Sorgen oder Fragen. 


Wie vermisse ich es in der Sonne bei einem Kaffee zu sitzen und keine Gedanken zu haben, tiefenentspannt sein. Nichts tun müssen, keine Wecker für Gesundheit und vieles mehr. Im Moment dahin driften, die Vögelchen hören. Das Aroma meines Heißgetränks, die Tassenwärme in den Fingern und Händen, umhüllt in meiner Strickjacke und sein befriedigender Abgang die Kehle hinunter. Der einzige Mensch sein im Sonnenaufgang eben. 

Ich freunde mich langsam an mit dem allem, seh auf mein Konto und stelle fest, du musst bestellen aufhören, beim Gedanken das ich aufhören muss überkommt mich ein komplexes Konstrukt meines privaten finanzhaushaltes 2022. Ich scrolle die Liste meiner shoppingaktionen ich dachte, das würde mich alles aufmuntern, bräuchte das alles. Mir rattert vieles durch den Kopf, neue Autoreifen, Helene Fischer, Geburtstag, Tattootermin, Wohnungsabrechnung und vieles mehr. Ran an den Kalender, alle einschreiben was wann fällig ist und wann ich zu welchen Konzert fahre. Oh Gott mit der Chefin Roland Kaiser, mit dem Nachtdienst Helene Fischer, 6 Stunden Tattoovieren wieder und dann auch noch 3 Tage später Leistungscheck beim Arzt. Alles blöde Ideen, aber ich wollte dieses Jahr mehr erleben und Leben. Ich muss die nächsten Monate dringend meinen Konsum einschränken, auch wenn alles sinnvoll war.

Langsam bekomme ich wieder Farbe, wenn ich mich so ansehe im Spiegel, als Mensch im medizinischen Bereich hat man immer Haar genau EIN Problem. Man kennt sich aus! Man hat Fachwissen! Und natürlich sehe ich mich ganz genau an, später am Abend, jeden Abend. Messe wieder selbstständig alles nach und schreibe es brav auf. Keine Blässe mehr, die Augenringe gehen zurück, ein Apetitt der kommt, kein Kopfsurren mehr, die Kopfhitze ist auch weg, meine Augen strahlen wieder, die Haut wird wieder besser, normaler Blutdruck.  Was so ein Virus anrichten kann, wenn er das respiratorische System, das Herzkreislaufsystem und das Hormonsystem absolut killt. Definitionen huschen durch mich durch, alles richtig gemacht, mein letzter Gedanke vor dem Zähne putzen und wieder hinlegen. Liegen, die neue Königsdisziplin neben dösen und schlafen. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf und sehe eine kleine Geschichte vor meinem geistgen Auge, gehalten in der Zeichenoptik von "Es war einmal das Leben", kleine Zellen, Botenstoffe, Viren und Bakterien die Arbeiten und durch Nerven und Blutbahnen gehen, bis mir die Lieder zufallen.




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