Zu Wochenbeginn bekamen die Teilnehmer meiner Übungsstunden und ich erwarteten Trainingsbesuch.
Angekündigt wurde die Ukrainerin uns schon vor einigen Wochen.
Etwas verschüchtern und verloren wirkte sie anfangs.
Auch wenn sie Mama zur moralischen Unterstützung mitbrachte.
Wer das nicht verstehen kann, der ist wohl kaum Mensch?
Zumal ich vorgewarnt wurde, dass hinter der Neueinsteigerin leider eine verdammt harte Zeit liegt, es ihr sehr schwerfällt sich einzugewöhnen.
Manchmal spekuliere ich ja gerne über das Schicksal von Menschen.
In diesem speziellen Fall beteilige selbst ich mich nicht daran, was sie und Familie möglicherweise durchmachen mussten?
Meine Trainingsteilnehmer integrierten die Ukrainerin vorbildlich.
Offenbar fasste sie auch umgehend zu zwei gleichaltrigen ein bisschen mehr vertrauen?
Die drei harmonierten prächtig als zusammengewürfeltes Team in den Übungsstunden.
Was mich doch zugegeben einigermaßen erleichtert durchatmen ließ.
Ich richtete meine Anweisungen in Schulenglisch an die Ukrainerin.
Was meine Trainingsteilnehmer viel mehr amüsierte, wie es sollte. Minutenlang konnten alle Beteiligten sich darüber beömmeln.
So hatten zumindest alle etwas von meinen Verständigungsversuchen. Der Stimmung in der Turnhalle tat es zusätzlich gut.
Unsere Newcomerin verstand mich trotz aller Frotzelei hervorragend.
Ob es an meinem Schulenglisch oder mehr an meiner Mimik und dem wilden gestikulieren mit Händen und Füßen lag, vermag ich im Nachhinein nicht zu rekapitulieren.
Zum Schluss der Trainingsstunde wirkte unser Neuzugang weniger Scheu wie zu Beginn. Sie hatte in einer der Trinkpausen auf einen kleinen Zettel einen Teilnehmer*in der Übungsstunde gezeichnet.
Sie signierte das kleine gelungene Kunstwerk mit einem Herzchen und den Worten: „Love u all". – Eine wundervolle Geste an ihre Trainingsgruppe.
Außerdem wurden die zwei gleichaltrigen weiblichen Trainingsteilnehmerinnen, mit denen sie die Gruppenübungen bewältigte zum Abschluss der Stunde mit einer herzlichen Umarmung bedacht.
Die Mutter von unserer Trainingsdebütantin bedankte sich beim Team in hervorragenden englisch.
Je älter ich werde, desto aufrichtiger und mehr kann ich mich für andere Menschen freuen oder einfach nur bedingungslos stolz sein.
Wie in diesem besonderen Fall auf meine Trainingsteilnehmer und die verschüchterte Ukrainerin.
Die so viel Lust hatte Teil der Menge zu sein und mit ihren kleinen Gesten (hervorragenden mitmachen in den Sportstunden, die liebevolle Zeichnung mit Widmung ans Team, herzliche Umarmungen für andere Trainingsteilnehmer) allen zeigte, dass sie gerne dazuzugehören mochte. – Herausragend. Fabelhaft. Leben.
