Die vergangenen zwei Wochen gehörten sicherlich, zu den unglücklichsten überhaupt, seit ich Blogs schreibe. Viel kam bedauerlicherweise nicht an Ertrag (sprich Blogs) dabei heraus.
Der Juli bringt Besserung. (Ganz sicher!)
Spontanität war lange nicht mein Ding!
Desto mehr staunte ich, dass ich mir meines 9-Euro-Tickets bewusstwurde und Minuten später im Zug nach Ludwigshafen saß.
Der Zug zu Dreiviertel gefüllt. Schulgeflüster, Politikgeschrei, Handy-Gezocke. Zeitungsgeraschel. Alles unübersehbar unüberhörbar.
Ich relativ angespannt. Wartend darauf, dass die Computerstimme meine Haltestelle nennt.
Warum angespannt? Wann war ich denn zuletzt in einer fremden Stadt unterwegs? Dann auch nur für mich? Kein Fotoauftrag. Einfach etwas anschauen, staunen, sehen und den Sommer in der Nase haben. Umher jaulende Gedanken zum Alltag und Sport dabei loswerden.
Sogar etwas gehetzt stieg ich aus dem Zug aus, wie die Computerstimme endlich mitteilte: „Wir erreichen gleich Ludwigshafen Hauptbahnhof".
Kaum aus dem Bahnhof heraus; der übrigens für einen Hauptbahnhof düster und wenig zuvorkommend auf mich wirkte.
Ein bisschen wie ein Labyrinth aus einem drittklassigen Horrorfilm.
Mir kam dieser Bahnhof auch nicht ansatzweise bekannt vor. Null Anhaltspunkte. Keine Erinnerung. Kein Erkennen von irgendetwas. Ich bettelte mein Gehirn an, sich zu erinnern. Doch da kam nichts.
Kaum aus dem Bahnhof heraus. Kam ich an grottigen Blumen und Pflanzenbeeten vorbei. Definitiv noch nie gesehen. „Kerle, reiß dich zusammen, du warst doch schon mal hier, auch wenn es lange, lange her war." – Schimpfte ich mich selbst.
Irgendwann stand ich in der Mitte von einer gut befahrenen Straße und langsam gewann zumindest die Stadt sauberer, viel freundlicher und aufgeräumter zu wirken.
Mein Gedächtnis schwieg allerdings weiter hartnäckig.
Irgendwann entdeckte ich – 200 Meter vor mir - eine Gruppe junger Leute. So klar wie Kloßbrühe. Die ziehts garantiert in die Stadt. Einfach hinterherlaufen. – Denkste! – Die liefen nämlich schnurstracks zu einem Bowlingcenter.An dessen Parkplatz auch ich mich dann wiederfand.
Ich folge der Straße und irgendwann nahm ich eine Kneipe nach der anderen wahr, ein Dönerstand jagte den nächsten, zwischendurch gab es zur Abwechslung auch mal eine Pizzeria oder einen kleineren Supermarkt oder Laden zu sehen.
Wo Lokale in so einer Häufigkeit zu finden sind, da ist auch Leben.Damit – auch wenn mir weiterhin die Gegend total unbekannt vorkam – behielt ich recht.
Erleichterung. Immer mehr sommerlich gekleidete Menschen tauchten in meinem Blickfeld auf. Irgendwann stand ich sogar kurzzeitig auf „S-Bahn-Schienen".
Da ein Stück weiter, die Post und das Rathaus-Center, das ich erkannte.
Aber in meiner Erinnerung war das Rathaus-Center nicht so verlassen.
Auch wenn sich auf dem Vorplatz zahlreich Leute tummelten und in der Straße zuvor mit belebten Geschäften natürlich auch.
Jedoch war der Blickfang dieses Rathaus-Center, in dem viele Shops und Stände beheimatet sind? Man so schön nach Herzenslust bummeln gehen konnte?
In meiner Erinnerung waren hier gleich einige Cafés und weitere Lokale auch zu finden. Auch ein Rheinbesuch war möglich, da noch keinen Katzensprung vom Rathaus-Center entfernt
Ich lief in das Center hinein und fand dort nur wieder zuerst Düsternis und dann einen S-Bahn-Bahnhof vor. Deshalb schnell zurück in die Sonne.
Bin ich wirklich so beknackt?… Glücklicherweise nur teilweise!!!
Ich lief kopfschüttelnd weiter und fand die „Rheingalerie" vor.
Die ich mit dem Rathauscenter verwechselt hatte. Hier waren die Stände, die Cafés und alles, was ich schon fast für eine Fantasie gehalten hatte.
Ich durchwanderte neugierig das Shoppingcenter. Picobello alles. Sauber. Freundlich. Einladend. Ich erkannte auch das meiste wieder. Außer einer Cola-Light und einem Päckchen Zitronen-Zahnpflege-Kaugummi erstand ich dort nichts.
Wusste sogar noch exakt, wie man zum nahegelegen Rhein gelangte.
Blieb dort über eine Stunde sitzen und ab and betätigte ich den Auslöser des Fotoapparates. Sah Schiffe hin und her fahren. Freute mich an dem Außenbereich eines Cafés, dem schattigen Plätzchen, das ich gefunden hatte und nicht nur meiner besonders guten Laune.
Kopf, Seele und Herz ließen sich beeindruckt gefangen nehmen von dem schönen Fremden wie neuen Eindrücken.
Plätscherndes Wasser im Zusammenspiel mit den Geräuschen einer Einkaufswütigen jedoch gut aufgelegten Meute, die unzweifelhaft nicht anders als meine Person den Sommer in vollen Zügen genossen.
Wenn es nicht schon nach 18 Uhr gewesen wäre, ich hätte dort noch ewig verweilen können.
Für einen Augenblick kam auch der Bammel in mir zurück. Aufbruch bedeutet in diesem Fall auch den Weg zurückfinden zum „Horror-Bahnhof".
Ich fragte die ersten Passanten, die mir über den Weg liefen. In diesem Fall zwei vom Typ südländische junge Männer.
„Welchen meinen sie denn?
Denn Hauptbahnhof oder den Bahnhof Mitte. Der Hauptbahnhof ist sicher weit mehr als einen Km entfernt?" - Ich bedankte mich für die Auskunft.
*Kopfklatsch* Des Rätsels Lösung: Es gibt zwei Bahnhöfe!!!
Ich erkannte den „Bahnhof (Rhein) Mitte" sofort als ich davorstand.Aufgeräumt, ordentlich im Herzen des Stadtzentrums mit angesiedelt.
Soviel besser als das düstere Loch, das sich Hauptbahnhof nennt.
Vielleicht tue ich Ludwigshafen und insbesondere dem Hauptbahnhof (und seinen Betreibern) damit schrecklich unrecht? ; es fühlte sich dennoch so an.
Gerade, weil die Ecken, die ich sonst vom Ludwigshafen zu sehen bekam, so herausstachen.
Ich mich so frei und wohlfühlte.
Es mochte, dass sich so überhaupt niemand um mich scherte und ich das Leben und mich zufrieden beobachten konnte.
Auf der Rückfahrt bewunderte ich das Fingerspitzengefühl der Bahnmitarbeiter. Viele behaupten ja gerade diese verfügten über so etwas nicht. Schwerer Irrtum.
Die Schaffnerin wurde mit zwei Problemen konfrontiert.
Zuerst musste sie sich mit einem angetrunkenen Pärchen, das eine Fahrkarte hatte, aber der Name stand falsch herum auf dem Fahrschein auseinandersetzen.
Was der Freund der Frau damit erklärte, dass der Ex-Ehemann seiner Freundin Analphabet sei. Man nächstes aber selbst die Fahrkarten kaufen würde, damit so etwas in Zukunft nicht mehr vorkäme.
Die Frau, davon bin ich überzeugt, wäre in ihrem Zustand zu keiner Stellungnahme fähig gewesen.
Die Schaffnerin verwarnte freundlich, sagte aber, da es der letzte Tag des 9-Euro-Tickets für Juni sei kneife sie ein Auge zu.
Nur eine gute Minute später, bat sie zwei Herren mit nur halbem Fahrschein auszusteigen, sonst müsse sie – die Schaffnerin – sie aufschreiben, anzeigen und verwarnen.
Zuerst diskutierten die Männer lebhaft und wortreich mit dem Zugpersonal.Die Schaffnerin hatte klar die besseren Argumente und plötzlich verstanden die Herren gar nichts mehr. Von jetzt auf gleich, nicht das geringste Wörtchen.
Die Schaffnerin setzt sich durch und die Männer mit halbem Fahrschein an der nächsten Haltestelle aus.
Ich spüre diesen Donnerstag gerade deutlich in mir.
Auch dass ich viel zu lange trotz aller Bemühungen mich im Schatten zu halten in der immerzu brennenden Sonne unterwegs war.
Dennoch fühle ich mich gerade federleicht. Ausgeruht. Stark und frei wie seit Ewigkeiten nicht mehr.
Danke Sommer, danke Ludwigshafen!

Nach Hause hast aber schon wieder gefunden,?
Dein kurzfristiger Ausflug war ja eine richtige abenteuer Reise. Ist aber cool das so eine spontane Aktion gemacht hast. Aber ich glaube so würde es mir auch etwas gehen wenn man wo lange nicht war. Vor allem die Veränderungen die mit der Zeit dazu kamen. Es gibt oft Änderungen und man kann erst garnicht mehr an diese Orte zurück oder nur aus der Ferne sehen.
Mach weiter so und geh net verloren in fremden Städten ?