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„Shisha-Tascha“

John Baker Sander
8. Juli 2022(bearbeitet)
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Wisst ihr was ein „Headshop" ist, ich wusste es bis gestern Abend nicht?

Vor der „Kaiserpassage" sah ich eine zierliche Frau stehen. Umringt von mehreren Jungen Männer, die in einer Art Halbkreis um sie herumstanden.

Die Situation für die Frau schien nicht gefährlich.
Dennoch positionierte ich mich in unmittelbarer Nähe von der Frau und den Jugendlichen.

Nicht, dass ich im Ernstfall gegen fünf junge Männer ansatzweise etwas hätte ausrichten können. Aber es fühlte sich für mich richtig an, ein Auge auf die Situation zu haben.

Die Frau fragte die Männer höflich, aber in einem sympathischen schnoddrigen Ton, nach einem „Headshop" in Worms.

Zuerst dachte ich ja, sie meine mit „Headshop" einen Laden in dem man Hüte erstehen könnte.
Erst als sie weiter ausführte: „Wo man Wasserpfeifen usw. kaufen kann", hatte ich eine Vorstellung, was sie meinte.

Als ambitionierter Nichtraucher hatte ich bisher eher selten mit Rauchutensilien und Zubehör zu tun.


Nachdem die Jugendlichen, der Suchenden nicht weiterhelfen konnten, geriet ich nun in ihr Blickfeld.

„Können Sie mir vielleicht helfen? Wissen Sie, wo man hier einen „Headshop" findet? – „Ich kenne hier in der Nähe einige Raucherläden", antwortete ich.

Kurz darauf führte ich sie zum ersten der mir bekannten Läden.

Der Laden stellte sie jedoch nicht zufrieden. „So etwas meine ich nicht, da bekommt man keine Wasserpfeifen und so etwas". r

Nun war ich endgültig beim Ehrgeiz und Ehre gepackt.
Beschloss ihr so lange zu helfen, wie es nötig sei, damit sie ihre Krempel bekäme.

Ich nahm mir jetzt auch mehr Zeit, die Frau richtig anzuschauen.
Sie trug Jeansshorts. Ein verwaschenes graues Top, eine rote Baseballkappe auf dem Kopf. Meiner Meinung ist sie keine 1 m 60 groß. Sportlich. Lange braune Haare. Ein Gesicht mit einem leicht vorstehenden Kinn. Am meisten stachen für mich allerdings diese verblassten Tattoos an Schultern und Beinen heraus. Solch verblasste Tattoos hatte ich noch nie gesehen.


Da wir uns immer mit „Sie" ansprachen. Schlug ich vor, da ich überhaupt kein Fan von dieser doofen Siezerei bin zum „Du" überzugehen.
Sie willige sofort ein. Stellte sich mir als „Tascha" vor. *Handschütteln*.

Auf den Metern zum nächsten Raucherladen erzählte „Tascha", sie wäre alles andere als die typische Durchschnittsfrau.

Durchschnittsfrau ist eigentlich ein bekloppter Begriff!
Sicher ein Begriff, denn man sich vor allem als Mann verkneifen sollte, so eine Frau zu bezeichnen?

Wobei ich denn Begriff „Durchschnitt" eigentlich gerne mag.
Ich behaupte ja oft genug von mir, „Guter Durchschnitt" zu sein.

Wer das Wort „Durchschnittsfrau" in die Suchmaschine eingibt, bekommt wirklich meist beleidigende Antworten angezeigt.

Zurück zu „Tascha".
Sie hasse es, Klamotten zu shoppen. Sich zu schminken und all den anderen Weiberkram.

Zwischendurch kamen wir an Laden zwei vorbei. Denn sie jedoch noch weniger als den ersten mochte.


„Tascha informierte, sie arbeite bei „McDonald" im Schichtbetrieb. Sie nehme so viele Schichten mit, wie sie nur könnte. Genau dieser Job fülle sie aus. Ein Job, nachdem sie direkt ins Bett fallen könne, sie wäre nämlich extremst hyperaktiv.

Sie sei 40 Jahre alt. Hätte in den vergangene zwanzig Jahren drei Kinder in der Nähe von Grünstadt großgezogen, wo sie auch noch immer lebe.

Nicht im Traum ist daran zu denken, dass ich bei einem ersten Aufeinandertreffen mit einer unbekannten Person dermaßen offen und locker, leicht aus meinem Leben und von meinem bisherigen Werdegang berichten würde.

Geschäft Nummer drei fand auch nur mäßigen Anklang bei „Tascha".

Wen mir etwas überhaupt nicht an „Tascha" gefiel, dann das ständige Geschimpfe auf ihre Geschlechtsgenossinnen. – Meinen Einwand, wie viele tolle Frauen ich kenne, wurde mit einem „da hast du aber Glück" zur Seite gewischt. - … um mit ihr zu diskutieren, hatte ich schlichtweg null Lust.


Mein Blick kehrte immer wieder zu ihren verblassten Tattoos zurück.
Zumal ich auch nur wenige ihrer Körperkunstwerke klar enträtseln konnte.


Nach Laden vier war ich mit meinem Raucherlatein am Ende.
„Tascha" hingegen fiel nun unerwartet ein, dass ein Freund ihr den Hinweis auf den „Wormser, Headshop" gegeben hatte.

Dieser „Headshop" müsse einfach „hier" (ganz in der Nähe der Fußgängerzone) zu finden sein.


Wir sprachen alle Personen an, die uns über den Weg liefen.
Dabei erhielten wir den Tipp, nahe der Pauluskirche, nachdem „Headshop" zu suchen.

Was wir dann fast eine halbe Stunde taten, allerdings ohne dabei ein vernünftiges Resultat zu erzielen.

Den entscheidenden Tipp erhielten wir von einem älteren Mann. Der uns auf die „Römerstraße" brachte. Zwei Minuten später standen wir endlich vor dem gesuchten Raucherladen. – Es hatte sich ausgezahlt, nicht aufzugeben.

Einen flüchtigen Augenblick dachte ich, „Tascha" fiele mir gleich vor lauter überschäumender Freude und Energie um den Hals. Was mich doch vorsichtshalber zwei große Schritte zurücktreten ließ.

„Tascha" verschwand im „Headshop".

Ich blieb vor dem Shop stehen. Betrachtete mir in der Zwischenzeit die Kulisse.
Ich tue dem Geschäft, seinen Besitzern und Gästen sicherlich unrecht, in meinem Kopf taucht immer wieder der Begriff auf: „Kiffer-Shop". – Jedoch kann ich auch beim Thema Rauchen so gar nicht mitreden.

So viele Klischees aus Filmen wurden eindrucksvoll bestätigt. Ich fand es herrlich.
An der Tür hing die Zeichnung einer Cannabispflanze.
Die Leute die aus dem „Headshop" kamen und eintraten waren meist Männer im fortgeschrittenen Alter. Mit Cowboy-Sonnenhut. Viele davon wären glatt als „Konnie Reimann"-Double durchgegangen.
Einige führten auffällig große Hunde mit sich. Vorzugsweise in der Farbe Weiß.

„Tascha" kam nach ungefähr zwanzig Minuten – sichtbar glücklich – wieder aus dem „Headshop" heraus, mit zwei bis oben hin gefüllten Tüten.
Sie ließ mich wissen, in Mannheim hätte sie bisher stets das 4-Fache für die gleichen Produkte bezahlt.

Mit „Tascha" zusammen lief ich zum Bahnhof.
Alleine schon, weil es mir vorkam als verfüge sie nicht über den besten Orientierungssinn.
Denn habe ich ganz sicher auch nicht, aber in Worms zum Bahnhof finde ich (natürlich) immer.


Vor dem Bahnhofsgebäude bedankte sich „Tascha" nochmals für meine Geduld und Hilfe.
Wir reichten uns erneut die Hände. Währenddessen verwies sie darauf, sollten wir uns je wieder begegnen, möchte ich sie doch unbedingt ansprechen, damit sie mir etwas ausgeben könne, um sich für die Hilfe zu revanchieren.

Dann verschwand sie im Bahnhofsgebäude, Richtung Gleise.
Mich trieb es direkt zu meiner Haltestelle am Busbahnhof.


Wieder einmal stellte ich fest.
Dass ich Menschen mag, wie unterschiedlich wir doch alle sind.
Man wirklich aus jeder einzelnen Begegnung etwas mitnehmen kann.
Immer lernt man dazu. Nicht nur über den anderen Menschen, sondern auch stets ein bisserl über sich selbst.




„
Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!



Kommentare (6)

Fizzy Lemon
09. Juli 2022, 07:42
Hieß das Geschäft etwa Headshop? Wenn ja, dann hätte es sicher genügt, das ins Smartphone einzugeben und man hätte sich Stunden gespart.

Edit: Ich suchte mal Headshop Worms und fand bei cannazin fast sofort den Smi2le Headshop in der Römerstraße unweit der Kaiserpassage.
Fizzy Lemon
09. Juli 2022, 07:48
Als Headshop (oder Head Shop) bezeichnet man meist kleine Läden, die Zubehörteile für den Konsumption von Cannabis verkaufen.

Verkauft werden etwa Bongs, Vaporizer, Wasserpfeifen oder Longpapes (langes Zigarettenpapier) zum Drehen von Jointzigaretten, aber auch normale Tabakspfeifen. Außerdem werden häufig Aschenbecher, Feuerzeuge, Pfeifenreiniger, psychedelische Poster sowie mit Hanfblatt., Rastafari- oder mittelalterlich-mythologischen Motiven, gelegentlich auch analog bedruckte Bekleidung und Reggae-Musik angeboten.
John Baker Sander
09. Juli 2022, 09:01
Danke für deinen tollen Kommentar!

Genau, aber mir war der Begriff: "Headshop" im Vorfeld überhaupt kein begriff.

Aber den "Headshop" in der Römerstraße kannte ich bis dahin leider nicht. Aber vier andere Läden für Rauchzubehör.


Danke Fizzy!
Fizzy Lemon
10. Juli 2022, 08:05
Solche Tabakstühle sind rar geworden. Wir hatten hier eins, das gleichzeitig auch Lottostelle war. Weil da mein Vater immer seine Scheine ausfüllte und dabei gleich Zigaretten kaufte, war ich öfters da drin und verbinde heute immer noch den würzigen Duft von Zigarren und anderem mit rötlichen Lottoscheinen. Damals noch mit Durchschlag auf den blauen Schein darunter.^^

Tja ... auch da gab es Stammkundschaft, die zur Verkostung neuer Zigarren da waren und am Tischchen was wegpafften. "Blue in the face - Alles blauer Dunst", eine Liebeserklärung ans Tabakstühle oder für Österreicher "die Trafik".
John Baker Sander
11. Juli 2022, 07:27
Du solltest dringen ein Buch über deine Anekdoten Schreiben um sie alle festzuhalten.

Einfach großartig, wie du es schaffst den Blog mit deinen Kommentaren auf eine zwei Stufen höhere Ebenen zu hieven :)


DatSchoof
24. Aug. 2022, 11:49
Nein vor deinem Blog hier hätte ich nicht gewusst was ein Headshop. Ich hätte mindestens genauso ratlos dagestanden. Allerdings hätte ich wohl nachgefragt und dann wahrscheinlich ähnlich wie Du eine Lösung für Tascha gefunden. Ob ich so weit mit ihr durch die Stadt geschlendert wäre, weiß ich eher nicht. Aber immerhin hinterfragen, was sie eigentlich wirklich sucht.

Das machen glaube ich mittlerweile die wenigsten. Headshop, ne kenne ich nicht und weiter geht's. Das Du Dir dann noch die Zeit nimmst, sie durch die halbe Stadt lenkst und sogar noch auf sie wartest, bis sie den Einkauf erledigt hat. Krass. Wer macht das heute denn noch? Habt Ihr nicht mal Handynummern getauscht? :D

Schön über deine Hilfsbereitschaft zu lesen. Noch schöner, dass Du dazu einen Beitrag verfasst hast. Mehr davon.
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