Der Mix aus Dirndl, Lederhosen und lauter Stimmungsmusik mochte ich verdammt gerne. – Noch mehr die Menschen, die in diesen Lederhosen und Dirndl steckten, ebenso der DJ, der einen ausgezeichneten Job machte, die Leute über fünf Stunden mit Stimmungshits aus den unterschiedlichsten Genres beschallte.
Vielleicht kann man es schon erraten?
Ich war mit dem Fotoapparat auf einem kleinen, feinen Oktoberfest unterwegs. Der Auftrag wurde mir von einem Bekannten vor einigen Tagen vermittelt. Spieß-Fleischkäsebrötchen und freie Getränke waren eine tolle Prämie.
Speziell dieses Oktoberfest hatte es mir angetan.
Zwei Ausgaben durfte ich schon in der Vergangenheit begleiten. Die letzte Oktoberfestausgabe 2019.
2020, 2021fielen dem Virus – der hoffentlich und bitteschön nicht mehr verstärkt zurückkehrt – zum Opfer.
Ich fiel mit meinem Outfit leicht aus dem Rahmen. Dachte einfach nicht daran, zumindest in ein Kariertes Hemd zu schlüpfen. Stattdessen trug ich meine beste Jeans, T-Shirt und eine blaue Weste.
Für die Festbesucher hatte es den Vorteil, dass ich erkennbar herausstach und so schnell ausfindig zu machen war, um Erinnerungsbildchen zu knipsen.
Durch die engen Reihen mit den Festbänken und Festtischen zu laufen war wie immer ein Erlebnis. Die Halle hoch, die Halle runter und wieder von vorne. Da wurden „Sepplhüte" geschwenkt, Dirndl im Takt geschwungen und gedreht, auf den Tischen getanzt, lauthals zu den populären Partyhits gegrölt.
Alle, bis auf einen Mann mittleren alters, ließen sich problemlos auf Fotos verewigen. Der besagte Mann bat darum, nicht fotografiert zu werden, sei er doch noch bis Mittwoch in einer Woche krankgeschrieben. – Absolutes Verständnis hierfür.
Die anderen Festbesucher wirkten fröhlich mit.
Posierten mit Biergläsern und in ihrer Oktoberfestkleidung, machte es mir somit besonders einfach aussagekräftige Bilder zu fotografieren.
Eine Frau, mit nicht nur auffallend hübschen schwarzen Locken, im knappen weißen Rosen-Dirndl umarmte mich, gab mir dabei gleichzeitig einen angenehmen Schmatzer auf die Wange.
Über so viel unerwartete, urplötzliche Zuneigung war ich natürlich überrascht.
Danach entfuhr es ihr – aufgrund der fast alles übertönenden Musik- wahrscheinlich viel lauter als geplant: „Kennst du mich noch?"
„Rissa!" – „Richtig!"
Eine Frau, mit der ich schon etliche Veranstaltungen in den letzten Jahren zusammen bestritten hatte. Sie als Gast, ich wie gewohnt, zumeist, hinter dem Auslösebutton der Kamera.
Wir besorgten uns jeder eine Cola und ein Spießbratenbrötchen, gesellten uns damit nach draußen, wo die Raucherschar sich versammelt hatte, an ihren Glimmstängel zog und in hörbar heitere Gespräche vertieft war.
Während „Rissa" und ich aßen und tranken, hielten wir einen kleinen, nicht minder heiteren zünftigen Schwatz rund um Alltag, wie lange sie brauchte um sich für ein Dirndl zu entscheiden, Ballermann-Musik und Familie.
Zwanzig Minuten, die wahnsinnig schnell vergingen.
Genauso wie sie mich begrüßt hatte, verabschiedete „Rissa" mich auch. Mit einem Kuss auf die Wange und einer innigen Umarmung.
Nicht ohne die Bitte, ihr doch bitte alle Fotos mit ihrer Beteiligung wie gewohnt zuzusenden.
Kurz vor Mitternacht stellte ich das Fotografieren ein.
Da ich deutlich mehr glasige wie wachen Augen wahrnahm.
Die Stimmung war leicht am Abkühlen und die Veranstaltungshalle verlor nun Festbesucher in Rekordzeit.
Es wurde geschwankt und gewankt, das leider weiterhin auch auf Tischen und Bänken. Zweimal stürzten Männer von den Bänken, offenbar, ohne sich was zu tun?
Zu einem reichten mir die fünf Stunden aus, um genug Bilder einzufangen, zum anderen hatte ich keine Lust Zeuge zu werden, wie sich vielleicht doch noch ein Partybesucher bei diesem friedlichen Fest aus grober Fahrlässigkeit verletzt. Denn sonst wäre ich sicher mit einem unguten Gefühl aus der Veranstaltung herausgegangen.
So aber … war das …
Ein starkes Erlebnis!
Vielleicht sind solche friedliche Feste gerade jetzt wichtiger denn je, um für einige Stunden von den schlimmen Nachrichten weltweit abzulenken? – Mir tat das kleine Oktoberfest auf jeden Fall wieder enorm gut und ich freue mich bereits jetzt auf den nächsten Fotoeinsatz mit Menschen, die nur eines im Sinn habe, wunderschöne friedliche, fröhliche Stunden miteinander zu verleben!
„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!
