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„Taschenstück“

John Baker Sander
22. Oktober 2022(bearbeitet)
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Mir fehlt derzeit ein bisschen dieses hin und wieder um halb Zehn mit einem Buch im Bett zu liegen.
Morgens mit dieser weltumarmenden Stimmung aufzuwachen.
Netter, schlagfertiger und hilfsbereiter (wie ich das zu Zeit bin) zu sein.
Stattdessen bin ich wieder mehr in meiner Gedankenwelt unterwegs und warte darauf, dass der Abend herbeikommt und der Alltag mit allem, was ihm ausmacht, aus mir verschwindet.
Ich sollte mich mal wieder auf den Prüfstand stellen!


Ausnahmsweise trug ich keinen Rucksack, sondern meine im Sommer erworbene schwarz, glänzende Wohlfühltragetasche lässig auf der Seite hängend.
Darin Foto, Blitz, Notizbuch, Buch zum Lesen (noch immer Gottschalk), Kaugummi, Energiedrink, mein zusammenfaltbares Sitzkissen (sollte die Bank im Adenauerring nass sein, ich Laune und Lust haben mich niederzulassen, dass ich trotzdem einen trockenen Hintern behalte) und einiges mehr.

Dazu gesellte sich der neue „Nicolas Barreau" Roman: „Tausend Lichter über der Seine". – Das war wohl etwas zu viel Ballast für die Tasche. Denn der Träger riss mir auf Höhe des Luther-Denkmal von der Schulter. „Ob mir je ein lauteres „Scheiße" entfuhr? Ich hatte es eilig, wollte zu meinem Fototermin.

Zu meiner Verwunderung klappte es, das gerissene Trägerstück wieder mit einem Knoten Behelfs-dürftig zu reparieren.


Ich fand mich pünktlich vor der Halle zum Fototermin ein. … und wartete auf die Laientheaterschauspielgruppe, da der Halleneingang verschlossen war. Seltsam dachte ich; dass niemand eine halbe Stunde vor Probenbeginn da zu sein scheint? Die müssen sich doch in die Kostüme werfen, die Technik starten etc.

Deshalb lief ich mehrmals um die Halle.
Hatte Glück, aus einen mir unbekannten Seiteingang tauchte ein bekanntes Gesicht auf. Die mir erzählte, den Haupteingang der Halle hätte man bewusst geschlossen gehalten. Man wäre durch den Seiteneingang in die Halle gelangt. „Wäre nett gewesen mich auch darüber zu informieren", murmelte ich vor mich her.

In der Halle werde ich von der Theatergruppe erstmal fürsorglich umsorgt.
Essen, trinken etc. Die Darsteller sind bereits im Kostüm. Man merkt ihnen die Anspannung an. Neben mir gibt es einige Gastzuschauer und einen Mann mit kleiner Kamera, der filmen sollte, sich jedoch auf den von mir ausgelugten und markierten Platz stellte. Was ich nicht leiden mochte und deshalb ihn – vielleicht etwas zu schroff? – auf einen anderen Platz verwies. Mit der Begründung, dass ich nur zur Generalprobe da wäre.

Leider konnte ich mich nicht so frei bewegen aufgrund der Zuschauer, wie ich mir das bei einer Generalprobe gewünscht hätte. So stand ich mittig auf Höhe der ersten Reihe und schaut mir meist durch die Kamera das Stück an.

Die Mitwirkenden waren alle extrem bemüht. Vor dem Stück kündigte man an, man hätte sich dafür entschieden, nur zwei Akte, statt drei Akte aufzuführen. Aufgrund von Corona und Co.
Mir schien es so, das ist nur (m) ein Gedanke nach Begutachtung des Stückes, dass die Probezeit knapp wurde und man die Geschichte auf das Nötigste zusammengestrichen hatte.

Die im Stück erzählte Geschichte war insgesamt rund und schlüssig.
Hatte durchaus drei, vier großartige Momente. Richtig gelacht hatte ich zweimal.
Dazu gab es mit einem „Udo Lindenberg", der zu seinem Hit: „Sonderzug nach Pankow" durch einen ICE läuft, einen optisch lustigen Gag.
Dass dieser Lindenberg keine 1 m 60" groß ist und statt Gertenschlank einen kleinen Bierbauch vor sich herträgt" macht diese Szene zu einem optischen Höhepunkt im Theaterstück.

Das Stück lebt von der tollen Leistung der Darsteller. Die wirklich geradezu sich den Teufel aus dem Leib spielen. Ansonsten gehe ich mit einer Meinung konform, die von den Zuschauerrängen kam. „Ein Schenkelklopfer ist es nicht gerade, jedoch unterhaltsam.

Die Lauflänge liegt trotz nur zwei statt Dreiakter bei etwas mehr wie einer Stunde. Ob ich ein Ticket dafür kaufen würde?
Für das Stück ehrlicherweise nicht. Für die Menschen, die ich größtenteils seit Jahren kenne, immer.

Ich hatte natürlich Freude beim Bilder machen.
Nicht an der Hektik und an der gefühlten Angespanntheit, auch nicht so an der erzählten Geschichte. Jedoch an den liebevoll gestalteten Kulissen, an den Menschen, die das Stück mit Herzblut aufführen und sich in ein sehenswertes Overacting hineinsteigern.

Nach der Probe. Mochte ich trotz aller Sympathie für die Darsteller, den Techniker und die Gastzuschauer schnell nachhause. Offenbar ging es nicht nur mir so, kurz einige nette Worte und ein „Bis morgen" und Zack, war die Hälfte der Theatercrew verschwunden.


Seltsamerweise, hatte ich heute mehrmals den „Rudi-Carell-Song" „Lass dich überraschen im Ohr", wo der wohl jetzt gerade herkommt?



„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!


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