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„Augenwinkelblicke“

John Baker Sander
23. Dezember 2022(bearbeitet)
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Über den Wormser Weihnachtsmarkt zu laufen, gibt mir fast immer einen persönlichen Putsch und macht was mit meinem Inneren, das sich gar so genau erklären und für mich greifen lässt.
Dort schwebt fast immer der Geist der Weihnacht.
Ich sah dort innerhalb zwei Minuten mehr Zuneigung und liebevolle Gesten von Menschen untereinander, wie sonst manchmal nur in vielen Wochen.

Auf dem Weihnachtsmarkt bleibt trotz langer Menschenschlange Zeit zum Scherzen zwischen Kunden und den zahlreichen Verkäufern.
Da klopft ein jßngerer Mann einem älteren, der im Rollstuhl sitzt, anerkennend auf die Schulter.
Hebt ein Vater sein Kind hoch, damit es besser den Weihnachtsmarkt Ăźberblicken kann.
Dort fallen sich Freunde zwanglos in die Arme und freuen sich auf eine tolle Zeit miteinander.
Da werden inbrĂźnstig Weihnachtslieder miteinander gegrĂślt.
Frauen stehen dort solidarisch zusammen und behaupten ihren Platz.
Die älteren Geschwister schauen, dass es dem Nesthäkchen an nichts mangelt.
Auf dem Weihnachtsmarkt schlendern ältere Ehepaare mit langsamen, vorsichtigen Schritten, noch immer Hand in Hand, erinnernd, neugierig und staunend an den erleuchtenden Buden vorbei.
Verzeiht man mit einer ebenso schnellen wie ehrlich gemeinten kleinen Geste, wenn einer dem anderen unabsichtlich in die Hacken tritt.
Da bekommt der Hund, unter allgemeinen Gelächtern, das heruntergefallene Fleischstßck zu fressen.
Man amßsiert sich darßber, dass der Nimmersatt an der Leine sofort seine Chance nutze, den Leckerbissen zwischen die Zähne zu bekommen, ohne auch nur irgendein Kommando seines Besitzers abzuwarten.
Man lächelt fremden Menschen ohne jeden Argwohn zu und freut sich, dass sie – die anderen Weihnachtsmarktbetreiber und Besucher - den gelebten Moment schätzen.

Unsere Welt ist schlecht, aber vielleicht doch nicht so schlecht. wie sie oft gemacht wird und wir selbst tun?!
Jeder ist mal egoistisch, benimmt sich doof, schwatzt dummes Zeug oder baut auch mal kräftig Mist, aber weitaus mehr, das stelle ich immer wieder mit Genugtun fest, macht das höchstens 5 % von einem Menschen aus und bei den anderen 95 % überzeugt doch unser guter Kern. – Hoffentlich erinnere ich mich daran noch beim nächsten Twist?

Ich habe diese viele kleinen – selbstverständlichen? – Gesten mit Wonne innerhalb weniger Minuten registriert.
Nicht nur, aber gerade wahrscheinlich, weil Weihnachten unmittelbar vor der TĂźr steht und mir noch immer bei solchen Kleinigkeiten des Menschseins das Herz aufgeht.



„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?


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