Silvester war insgesamt in diesem Jahr eine ungewohnt herzlose Veranstaltung.
Nimmt man andere Silvesterabende aus den letzten Jahren hierfür als Grundlage.
Eigentlich ist Raclette bei uns am letzten Abend des Jahres Tradition.
Doch uns allen in der Familie fehlte die Lust, einen größeren Aufwand hierfür zu betreiben.
Wir einigten uns auf Rippchen und gekauften Kartoffelsalat.
Am Tisch kamen wir nur schwer in die Gänge. Keine größeren Gespräche und Austausch fanden untereinander statt.
Dafür waren Rippchen und Kartoffelsalat hervorragend.
Offenbar hatte uns eine Jahresendmüdigkeit fest in ihren Griff.
Im Wohnzimmer begleitet von einer Musikshow im Fernsehen - die ein angenehmes, unterhaltsames Rauschen aus dem Hintergrund bot – wurden wir zumindest erzähltechnisch munterer.
Dennoch das ganz große Gefühl fehlte. Das fühlte sich nicht an wie ein gewohnter Silvesterabend mit meiner Familie an.
Auch dass, das Neue Jahr unmittelbar bevorstand, ließ sich für mich nicht greifen.
So in sich gekehrt, wie Vater und Mutter anfangs lustlos auf der Couch saßen, ging es ihnen auch nicht anders.
Ich hätte natürlich woanders feiern gehen können. Aber das hätte es nicht besser gemacht.
Silvester ist für mich eigentlich ein Familienabend. Der Familienabend schlechthin.
Vielleicht steht der Silvesterabend in meiner Gunst sogar noch höher als das Weihnachtsfest?
Die Stunden verronnen zu langsam.
Ein Abwarten, absitzen auf Mitternacht.
Erst nach und nach wurde es leicht besser. Als unerwartet Kindheitserinnerungen der Eltern, das Wohnzimmer, wie auch mich innerlich erwärmten, da ich viele dieser Lebensgeschichten nicht kannte.
Um Mitternacht stießen wir an. Sprachen uns die besten Wünsche aus.
Vater und mich zog es auch nach draußen.
Zuerst fotografierten wir Feuerwerk, das massenweise den Himmel erleuchtete, uns begeisterten Hobbyfotografen durchaus Freude bereiteten.
Im Anschluss wünschten wir den Nachbarn und weiteren Bekannten aus unserer Straße ein frohes neues Jahr.
Wobei auch hier schon deutlich mehr Leute um kurz nach Mitternacht in unserer Straße anzutreffen waren. – Vielleicht waren Vater und ich aber auch einfach nur zu spät?
Insgesamt darf der Silvesterabend 2022 als Enttäuschung verbucht werden.
Mir fehlte einfach diese Lockerheit in der Familie und diese innere überschäumende Aufbruchsstimmung: „Jetzt packen wir es an, machen alles noch besser als zuvor, ab morgen geht's damit los, ich werde alle meine Ziele 2023 verwirklichen!
„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!
