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„Ehrlich sein“

John Baker Sander
12. Januar 2023(bearbeitet)
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In ganz speziellen Fällen ist vielleicht Ehrlichkeit doch nicht immer das Beste?

Manchmal sollte man vielleicht auch einfach bereit sein für nette bekannte Zeit zu opfern. Auch wenn man selbst nur – sieht man vom Gefühl ab, etwas Gutes getan zu haben – wenig bis gar keinen Nutzen daraus zieht.
Damit aber die Bekannte zufriedenstellt und glücklich macht.

Heute lief mir wieder meine türkische, bekannte „F" über den Weg.
Die wie immer bestens gelaunt und mit enormer Fröhlichkeit als sie mich erspähte, mich begrüßte.

Sie kann unglaublich schnell reden, nicht immer verstehe ich alles, aber ich mag ihre Lebensweisheiten wie: „Wer nur jammert und weint hat keine Zeit zum Lachen." „Was braucht man mehr wie Kind und Mann, um glücklich zu sein, alles andere ist nicht so wichtig".

Wenn wir uns über den Weg laufen, spielt das Fotografieren meist für sie eine übergeordnete Rolle.
Ist sie doch gerade zu süchtig danach, Bilder in den verschiedensten Outfits zu posten. Überhaupt liebt sie das Posieren vor der Kamera mehr wie jeden anderen Menschen, denn ich kenne.

Ich habe „F" noch nie nach ihrem Alter gefragt, würde sie jedoch so auf Ende 40 bis Anfang 50 schätzen.

Natürlich ist auch ihr bekannt, dass ich des Öfteren mein Mobilphone in der Jackentasche und manchmal sogar den Fotoapparat in meiner Tragetasche mitführe.
Sie fragte mich auch bereits nach zwei Minuten, ob ich sie nicht kurz in ihrem neuen Wintermantel fotografieren könnte?


Ich hatte überhaupt keine Lust, sie zu fotografieren. … und übrigens auch keinen anderen Menschen auf dieser Welt.
Es nieselte, ich hatte Hunger, Durst, mir war sogar ein wenig kalt.

Mit ihr zu reden natürlich.
Sie von ihrem Termin auf dem Konsulat in Mainz erzählen zu hören, richtig gerne. Sie hat gute Chancen, nach vielen Jahren mit einer Aufenthaltserlaubnis endlich den deutschen Pass zu bekommen. Für sie ist die Sache schon geritzt.
Ich hoffe so sehr, sie wird nicht doch noch in letzter Minute enttäusch!

Aber es „F" abschlagen und „Nein" sagen brachte ich nicht über das Herz.
Dafür hat sie mir auch schon viel zu oft bei unserem bisherigen Aufeinandertreffen mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit und positiven Art ein gutes Gefühl mit auf den Weg mitgegeben.


So knipste ich sie dann.
Sie war wie immer mit Begeisterung dabei. Alleine das war es wert, über den eigenen Schatten zu springen.
Zugegeben, ich schauspielerte etwas hinter dem Mobilphone, zumindest so gut, dass sie mir wohl meine tatsächliche Unlust zum Fotografieren nicht anmerkte.

Erst heute Abend zwickten mich die Gewissensbisse, hätte ich ehrlich sein müssen (und sollen)?



„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!


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