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Jenny Holmes: Abenteuer aus 1001 Nacht

Fizzy Lemon
17. Januar 2023(bearbeitet)
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Noch nicht bewertet

Oman

Wir schreiben das Jahr 1860. Emsige Betriebsamkeit herrscht im Hafen von Sohar. Dem größten Hafen des Landes und Heimat des legendären Sindbad, des Seefahrers. Die vielen weißen Segel schillerten mit der Wasseroberfläche im Sonnenglanz um die Wette. Die Waren wurden aus den Bäuchen der zahlreichen Schiffe entladen, wieder andere wurde beladen und manch Karren flitzte vom Hafen aus in Richtung Markt, wo die Güter gleich feilgeboten wurden. Diesmal versprach man sich höhere Umsätze, denn der berühmte Kamel- und Sklavenmarkt lockte wieder Käufer aus anderen Regionen an. So reiste selbst Scheich al-Ralfi aus dem fernen Raffgieristan an um mit seinem Getreuen Mahmud ein gutes Geschäft zu machen. Den sportlichen Ehrgeiz beim Feilschen sollte man auch nicht außer Acht lassen. Der Scheich brachte einige Kamele mit, die er nur zu gerne gegen den einen oder anderen Sklaven eintauschen würde.

Mit bunten Tüchern waren die Gassen, die zum Marktplatz führten geschmückt und Mahmud hatte alle Hände voll zu tun, mit seiner kleinen Peitsche seinem Scheich genug Platz im Gedrängel zu verschaffen, so dass dieser unberührt von fremden Händen - oder gar Dieben - bis zu der hölzernen Loge am Markt gelangen konnte, die eigens für wichtige Besucher wie ihn errichtet wurde. Dort konnte er sich bequem im Schatten eines Baldachin niederlassen, Tee trinken und dem Schauspiel der Marktschreier und des Versteigerers beiwohnen. Seine Aufmerksamkeit wurde geweckt, als man die Sklaven auf das Podest führte, die es am heutigen Tage zu ersteigern gab. Unter den Unglückseligen erblickte er eine kleine Frau, die ihm recht exotisch wirkte. Keine Araberin, keine Afrikanerin oder was man sonst so anbot. Sie hatte etwas gänzlich anderes an sich, was er bis dato noch nicht kannte und ihn faszinierte. Scheich al-Ralfi schickte Mahmud los zu Farid, dem Auktionator, den er schon lange bestens kannte. Mahmud solle ihm sagen, dass er, der große al-Ralfi, an dieser Frau interessiert war und sie gerne genauer begutachten würde. Damit al-Ralfi diesen Vorzug auch bekam, durfte Mahmud Farid 3 Goldstücke in die Hand drücken.

Farid sagte sofort zu und winkte lächelnd in Richtung al-Ralfi, als Zeichen seines Einverständnisses. Dieser verstand, erhob sich und ging zu dem Platz hinter dem Podest, auf dem die anderen Sklaven bereits standen. Farid hielt die junge Frau am Arm fest und lüftete den Schleier just in dem Moment, als al-Ralfi und Mahmud vor ihr standen.

„Effendi, schauen Sie. Ganz neue Ware. Eine Blüte, so schön. Schauen Sie nur das Haar. So lang und so gepflegt.", säuselte Farid und drehte die kleine Frau dabei im Kreise, dass der Kunde auch die langen brünetten Haare sehen konnte, die bis weit unter die Pobacken reichten.

„Nun ja, der erste Blick mag täuschen", sagte al-Ralfi mit Kennermiene, „und deswegen erlaube mir sie näher zu betrachten."

„Aber natürlich, Effendi, bittesehr. Ganz wie sie belieben.", sagte Farid und machte einen sehr untertänigen Diener.

In den Augen der kleinen Frau sah man pure Angst, da sie mit dem Schlimmsten rechnete und diese Angst lähmte ihre Glieder. Wie in Trance ließ sie die Begutachtung durch al-Ralfi über sich ergehen. Ließ sich von ihm in den Hintern kneifen, den Bauch streicheln und sich sogar in den Mund schauen.

„Sieht doch ganz gut aus, oder?", murmelte Mahmud.

„Etwas ganz besonders, Effendi. Frisch aus dem fernen Nimsã**. Fast ungebraucht. Ja, ja...", flötete Farid weiter. (**Arabischer Name für Deutschland)

„Hmmm... also, etwas klein und dünn ist sie schon geraten. Einzig ihr Hinterteil ist reich an Speck.", begann al-Ralfi seine Expertise, „Jedoch ist sie oben rum ein bisschen zu mager. Ich frage mich, ob da jemals Milch kommen soll. Also, ich weiß nicht, das ist doch eine 6 ... oder eine 5..."

„Effendi! Das ist eine ganz Besondere. Sowas bekommen sie nicht nochmal so schnell!", wollte Farid einwenden, doch Mahmud schnitt ihm mit einer knappen Geste das Wort ab, nahm die Hand der Sklavin und hob sie al-Ralfi vor die Nase.

„Ja, was soll das Mahmud? Soll ich an ihr schnüffeln?!", fuhr al-Ralfi gereizt auf.

„Nein, sieh ihre Finger!", sagte Mahmud.

„Die sind steif? Gelähmt! Oh ... beim Barte des Propheten! Nein, dann isses doch nur eine 4!", rief al-Ralfi aus und wollte sich zum Gehen wenden.

Da rief ihm Farid nach: „Effendi! Edler Scheich al-Ralfi! Diese Gelegenheit bietet sich Dir nie wieder. Kaufe jetzt oder nie, sonst wird sie ein Anderer nehmen."

Farid wusste um den Stolz des Scheichs und in der Tat war die Eigenschaft eine deutsche Sklavin zu haben nicht ohne Reiz. Andere Scheichs konnten das nicht von sich behaupten und eventuell ließe sich daraus auch eine gute Partie machen, wenn man sie teuer weiterverkaufen könnte.

„Also gut, mein lieber Farid.", sagte Scheich al-Ralfi jovial und drehte sich zu dem Sklavenhändler um, „Du hast mich überzeugt. Mahmud?! Schau mal bitte nach, was wir für eine 4 zu zahlen bereit sind?"

Mahmud blätterte in einem kleinen Heft, welches er aus seinem Kummerbund zog und sagte dann zögernd: „Ähm... ein halbes Kamel."

„Ein halbes Kamel?", fragte al-Ralfi verdutzt.

„Ein halbes Kamel.", erwiderte Mahmud achselzuckend.

„Auha... das wird dem Kamel nicht gefallen.", sagte al-Ralfi und prustete vor Lachen los. „Na, alter Farid. Hast Du geglaubt, wir zahlen Dir nur ein halbes Kamel? Haha, nein mein Freund. Du bekommst ein ganzes von mir. Dafür möchte ich aber, dass Du mir die Deutsche so schnell wie möglich auf mein Schiff lieferst. Ohne dass sie jemand zu Gesicht bekommt! Hörst Du?"

„Jawohl Effendi. Habt Dank, o gütiger Scheich.", sagte Farid und verbeugte sich dabei so tief, dass seine Nasenspitze den Boden berührte.

„Sollen wir das kümmerliche Weibchen wirklich kaufen, Scheich? Eine Ungläubige?", raunte Mahmud.

„Nun, gewiss... sie kann ja den Stall ausmisten oder sowas. Hoffe ich zumindest.", sagte Scheich al-Ralfi und beendete damit jegliche weitere Diskussion diesbezüglich.




London

An die schwere Holztüre in der Baker Street klopfte ungehalten ein junger Mann. Sein vehementes Geklopfe ließ Jenny Holmes schon nichts Gutes ahnen und so öffnete sie die Tür und schaute einem aufgelösten Mann entgegen, der sie bittend aus verweinten Augen ansah.

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?", fragte Jenny.

„Sind Sie die berühmte Detektivin Holmes? Ich brauche dringend Ihre Hilfe.", sagte der Mann beinahe flehend und drehte dabei nervös seine Mütze in den Händen.

Jenny Holmes musterte ihn und erkannte seine Verzweiflung. Es konnte ja nichts schaden, sich einmal sein Anliegen anzuhören.

„Kommen Sie herein. Bei einer Tasse Tee lässt es sich besser reden als hier zwischen Tür und Angel.", sagte sie, trat etwas zur Seite und gab mit einladender Geste dem jungen Mann die Richtung vor.

In Jennys Büro saß der junge Mann versunken in den Polstern eines schweren Ohrensessels aus braunem Leder. Die Meisterdetektivin kam mit einem silbernen Tablet in den Raum, auf dem sie eine Teekanne und zwei Tassen balancierte. Dieses dann auf den kleinen Tisch vor dem Sessel abstellte, die Kanne ergriff, mit dem Zeigefinger den Deckel festhielt und die dampfende orangerote Flüssigkeit in die Tassen goß. Der Duft des Tees erfüllte den Raum und ließ augenblicklich eine Behaglichkeit verströmen, die den jungen Mann sichtlich entspannter werden ließ. Jenny Holmes setzte sich ihm gegenüber in den zweiten Ohrensessel, nippte an ihrer Tasse, über deren Rand hinweg sie ihn mit ihren blauen Augen ansah und fragte dann: „Nun, warum haben Sie mich aufgesucht?"

„Oh entschuldigen Sie...", begann der junge Mann stammelnd, „mein Name ist Julian Fuhseson. Und ich bin auf der Suche nach meiner Verlobten. Sie ist seit unserer Verlobungsreise nach Ägypten spurlos verschwunden... bitte Ms Holmes... helfen Sie mir!"..

Jenny dachte einen kurzen Augenblick darüber nach, ob sie dem jungen Mann überhaupt helfen konnte, denn Ägypten ist nun einmal nicht London. Eine Dienstreise ins Land der Pharaonen könnte sich Julian Fuhseson bestimmt nicht leisten. Darüber hinaus würde Jenny niemanden in Ägypten kennen, der ihr bei der Suche behilflich sein könnte und ohne Dolmetscher und gewisse Beziehungen war in dem Land auch kaum was auszurichten. Als Frau schon gar nicht.

„Ich weiß gar nicht, ob ich Ihnen behilflich sein kann, Mr Fuhseson. Wäre Ihre Verlobte hier in London verschwunden könnte ich gewiss etwas tun, aber nicht in Ägypten.", sagte sie dann zu Julian Fuhseson.

„Aber...", stammelte dieser, während sich in seinen Augen Tränen der Verzweiflung sammelten, „....vielleicht kennen Sie jemanden, der mir helfen kann oder ..."

Jenny grübelte weiter. Bei Scotland Yard könnte er sich zwar melden, aber die könnten auch nicht viel ausrichten, außer in Ägypten um Hilfe zu bitten. Bis diese gewährt wurde, konnten Monate vergehen und in der Zwischenzeit wäre mit der Entführten alles Mögliche geschehen.

„Ich verstehe die Dringlichkeit und würde Ihnen gerne helfen, nur fällt mir beim besten Willen nicht ein, wie!", sagte Jenny und zuckte mit den Schultern. „Erzählen Sie mir erst einmal in Ruhe, was denn auf Ihrer Verlobungsreise geschah. Vielleicht ergibt sich alleine daraus ein Hinweis?"

Die mütterliche Art der Detektivin ließ Julian Vertrauen fassen und er atmete erst einmal tief durch, bevor er mit seiner Erzählung begann.

„Also, wir kamen in Alexandria vom Schiff. Die Fahrt durch die Tore des Herkules und das Mittelmeer verlief ruhig. Wir hatten durchaus unser Vergnügen. In Alexandria verbrachten wir ganze zwei Tage bevor wir dann auf einen kleinen Dampfer, der den Nil befuhr, umstiegen." Die Worte sprudelten plötzlich nur so aus dem jungen Mann heraus. „Die Passagiere waren allesamt unbescholtene Bürger. Meist solvente Briten oder gar Adlige. Übrigens auch ein hervorragendes Essen. Sollte man auf so einem Schiff nicht für möglich halten. Unbeschwerte Tage verbrachten wir auf dem Fluß, hielten hier und da und bestaunten alte Tempel und vieles mehr. Ja, sogar auf Kamelen ritten wir bis zu den Pyramiden. Miss Holmes, sie sollten diese Bauwerke einmal mit eigenen Augen sehen! Kolossal!"

„Das glaube ich Ihnen gerne, Mr Fuhseson. Aber bitte, erzählen Sie weiter.", forderte Jenny ihn auf.

„Nun, als wir schlußendlich in Kairo das Ägyptische Museum besichtigt hatten, wollten wir nicht mehr weiter Mumien und dergleichen sehen. Vielmehr stand mir - und natürlich auch meiner Verlobten - der Sinn nach dem fabelhaften Roten Meer. Wir hörten so viel darüber und erkundigten uns, ob man sich gefahrlos dort aufhalten könne. Man versicherte uns, dass wir am nördlichen Meereszipfel, dort wo der Sinai beginnt, sicher nächtigen könnten. Wir sagten zu und organisierten eine Reise dorthin. In der Tat erlebten wir ein paar wunderbare Tage dort in einem kleinen Dorf, das uns prächtig beherbergte. Wir fühlten uns sicher und schlugen die Bedenken der Beduinen wegen meiner Verlobten, die sich weigerte einen Schleier zu tragen, aus. Als uns der große Basar in Sharm-el-Sheik als sehenswert empfohlen wurde, wollten wir diesen unbedingt besuchen."

Julian Fuhseson nahm einen Schluck Tee, ließ sich danach seufzend in den Sessel fallen und fuhr mit verminderter Lautstärke fort: „Doch dann passierte es! In dem dichten Gedränge der Menschen, die diesen Basar wie einen Ameisenhaufen wirken ließen, verlor ich die Hand meiner Maja. Ich versuchte sie zu erkennen, doch man schob und drängte mich. Ich fühlte mich wie ein Stück Treibholz in tosender See. Meine Rufe nach ihr gingen im Stimmengewirr des Marktes unter und in mir breitete sich panische Angst aus. Mein Herz schlug wie wild. Ich schwitzte, nicht der Hitze wegen. Angestrengt suchten meine Augen die Masse an Leibern ab, doch von meiner Maja war keine Spur zu sehen. Völlig außer mir vor Angst begab ich mich zurück ins unser Quartier, sprach mit unserem Führer, der für mich bei den Beduinen übersetzte. Aber alle zuckten nur hilflos mit den Schultern und verwiesen uns an Behören in Kairo."

Die letzten Worte flüsterte der junge Fuhseson nur noch. Jenny Holmes standen beinahe Tränen in den Augen. Die gefühlvolle Schilderung rührte sie tief im Herzen und am gernsten wäre sie sofort nach Ägypten gereist, doch wusste sie, dass das nicht möglich sein würde. Plötzlich kam ihr ein Gedanke.

„Mr Fuhseson, haben Sie eine Unterkunft für ein paar Tage, wo man sich um sie kümmert? Eltern? Geschwister?", fragte Jenny.

„Mamsi... äh... meine Frau Mutter weilt derzeit bei ihrer Freundin Adriana of Romanescu auf deren Landsitz in Devonshire. Da könnte ich kurzzeitig Quartier beziehen.", meinte Julian.

„Oh, Devonshire. Sehr schön, vor allem die Küste.", sagte Jenny Holmes.

„Ja, der Landsitz ist mit Meerblick. Sehr idyllisch.", sagte Julian.

„Fahren Sie dorthin, entspannen Sie ein paar Tage und lassen Sie mich mal meine Fühler ausfahren. Vielleicht kann ich Ihnen doch in der einen oder anderen Weise helfen. Wenn Sie mir bitte hier", Jenny reichte Julian einen Notizblock mit einem Bleistift, „notieren könnten, wo der Landsitz sich befindet, werde ich mich bei Ihnen melden, sobald ich was weiß."

Julian schrieb die Adresse auf, erhob sich aus dem Sessel, nahm Jennys Hand und hauchte einen galanten Handkuss darauf.

„Haben Sie vielen Dank, Ms Holmes. Ich weiß das zu schätzen und wenn Ihnen Unkosten entstehen, werde ich dafür aufkommen. Ich erwarte Sie dann in Devonshire. Wünsche einen schönen Tag, Ms Holmes."

„Den wünsche ich Ihnen auch, Mr Fuhseson."

Jenny Holmes begleitete den jungen Mann hinaus und sah der Kutsche, mit der er davon fuhr, nach.



Oman

Zwei kräftige dunkelhäutige Burschen, vermutlich afrikanische Sklaven, brachten auf das Schiff von al-Ralfi ein gut verschnürtes Paket, das nicht von ungefähr die Form eines weiblichen Körpers hatte. Das Gemurmel daraus ließ auch keinen Zweifel daran, dass hier eine Frau vom Sklavenmarkt fachmännisch und blicksicher verpackt geliefert wurde. Alleine deshalb nahm niemand Anstoss an diesem Schauspiel. Der Kapitän des Schiffes winkte den beiden zu, dass sie an Bord kommen sollten. Sobald sie die Planke emporgestiegen waren, wies der Kapitän sie zu einer Tür, die in den dunklen Bauch des Schiffes führte, wo normalerweise der Stauraum war. Dort befand sich eine kleine fensterlose Kammer, die man abschließen konnte und eben dort sollten die Lieferanten ihr Paket abladen. Nach getaner Arbeit erhielten sie ein kleines Handgeld aus ein paar Rial und zogen davon. Der Kapitän öffnete den Stoff, in den die Unfreiwillige verpackt war, damit ihr Kopf frei war und sie ungehindert atmen konnte. Die Augenbinde ließ man ihr aber, auch wenn das nun wirklich überflüssig war, denn bei geschlossener Tür war es in der Kammer dunkler als in einem Bärenarsch. Immer noch am Leib gefesselt saß Maja da wie eine Made und schnaufte angsterfüllt vor sich hin. Da fiel die Tür der Kammer ins Schloss, der Schlüssel drehte sich und jedes Klacken des Riegels hämmerte in Majas Ohren wie Donnerschläge. Absolute Finsternis umhüllte Maja. Die leiser werdenden Schritte gaben ihr Gewissheit nun alleine zu sein. Was sollte sie tun? Um Hilfe schreien würde ihr nichts nützen und die Sprache konnte sie nicht. Ihr blieb vorerst nichts weiter übrig als sich in ihr Schicksal zu fügen.


London

Jenny Holmes sputete sich, nachdem sie mit einer eiligen Depesche Lord Lemon ihren Besuch ankündigte, hinaus zu Lemonshire zu fahren. Seit einer ihrer Ermittlungen hatte sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden entwickelt und auch Lord Lemons zweite Frau Lady Biberly war Jenny wie eine Schwester. Schon deswegen war sie gerne und oft bei den beiden, doch seit Lord Lemon ein altes verwahrlostes Anwesen außerhalb Londons kaufte, wurden Besuche eher selten. Wann immer es die Zeit zuließ, machte sich Jenny aber auf den Weg und er lohnte sich immer, denn egal, was Jenny für Sorgen hatte, sie konnte sich auf die Hilfe der beiden immer verlassen.

Freudig wurde sie vom Personal, die Jenny natürlich auch lange kannten, begrüßt und ohne lange warten zu müssen, kamen Lord Lemon und Lady Biberly in den Salon. Überschwänglich begrüßte man sich, gab sich Küsschen und strahlte vor Freude. Selbstverständlich tauschte man zunächst die üblichen Floskeln über das Wohlergehen aus, bevor man sich mit einem Getränk hinsetzte und auf den eigentlichen Grund des Besuchs zu sprechen kam.

„Warum ich heute hier bin", fing Jenny an, „ist der Besuch eines jungen Mannes, der mich heute vormittag aufsuchte."

Jenny erzählte von dieser Begegnung und gab alle Einzelheiten an. Lord Lemon und Lady Biberly hörten aufmerksam zu, nickten mit den Köpfen und ließen die Detektivin zu Ende erzählen.

„Ja, sehr interessant, meine Liebe", sagte dann Lord Lemon, „Aber wie sollen wir denn nun helfen?"

„Das frage ich mich eben auch.", warf Lady Biberly ein.

„Hmm.... ich denke, ich ....", grübelte Lemon laut, „... mir fällt ein, dass ich einen entfernten Verwandten habe, der in Ägypten sein Glück sucht. Ein etwas seltsamer Kauz, der zwar hochintelligent und nicht minder gebildet ist, aber diese Fähigkeiten lieber für kindische Abenteuer und angebliche Schatzsuchen vertut. Dennoch ist er in gewissen Kreisen von Kairo zugange und damit meine ich nicht nur die bekannten Kreise an der Oberfläche der Gesellschaft. Wir pflegen sporadischen Kontakt. Nun ja, so einmal im Jahr. Höchstens."

„Ach, den willst Du wirklich...? Also ich weiß ja nicht.", sagte Lady Biberly augenverdrehend.

„Es wäre doch immerhin einen Versuch wert, oder?", meinte Jenny.

Lord Lemon stellte sein Glas ab, nahm Lady Biberly an der Hand und stand von der Chaiselongue, auf der sie saßen. auf. Jenny erhob sich ebenso aus ihrem Sessel und wusste, dass Lord Lemon es nun eilig hatte, seine Hilfe leisten zu können.

„Meine liebe Jenny", begann der Lord, während er Lady Biberly liebevoll um die Hüfte fasste, „ich werde ihm gleich drahten. Sobald ich eine Antwort erhalten habe, werde ich es Dich wissen lassen und dann sehen wir weiter, wie wir diesem jungen Mann und seiner Verlobten helfen können."

„Autsch!", gab Lady Biberly plötzlich mit zusammengezogenen Augenbrauen von sich, „Seit wann drahtest Du mit meinem Hintern?!"

„Immer, meine Teuerste, immer!", sagte Lord Lemon dann schelmisch lächelnd und zwickte seine geliebte Frau erneut in den Po.

Jenny lachte, als sie die beiden so sah. Der frivole Witz, der auch Kleister ihrer Beziehung war, hatte ihr schon immer gefallen und insgeheim wünschte sie sich, auch einmal das Detektivspiel sein zu lassen und sich irgendwohin mit einem netten Mann zurückzuziehen. Doch bis es soweit war, sollten noch Jahre voller Abenteuer vergehen.

„Danke ihr Zwei. Ich weiß eure Hilfe zu schätzen. Dann werde ich mal abwarten, welch Wunder ihr vollbringen mögt. Bis dahin...", sagte Jenny lächelnd und gab Lady Biberly zum Abschied Küsschen auf die Wange und Lord Lemon die Hand.



Kommentare (6)

Hasal
17. Jan. 2023, 17:11
Oh was neues und ich denke , es könnte eine spannende längere Geschichte werden. Sehr gut geschrieben ;), bin gespannt wie es weiter geht;)
Jenny
18. Jan. 2023, 07:33
Hm, ob Jenny da helfen sollte. Zufällig kenne ich die Schwiegermama gut und die möchte sie doch lieber los werden. :p
Marcus
18. Jan. 2023, 13:40
Laaaach....Fizzy und Jenny,ihr beiden nun wieder ♥.Ich musste so lachen.Bitte liebe Jenny,vllt.kannst du dem jungen
Julian Fuhseson ein bisschen helfen bei der Suche.Die Frau Schwiegermama hält derweil mal die Füßchen still:D
Hasal
22. Jan. 2023, 17:18
Es wird ein Happy End kommen , nur wie lange brauchen sie dazu wohl :(. Dem jungen Mann muß unbedingt geholfen werden . Bitte mehr davon ;)
Fizzy Lemon
22. Jan. 2023, 21:08
Das mit dem Happy End lasse ich mir durch den Kopf gehen^^
Marcus
23. Jan. 2023, 11:28
Laaach....man schreib mal weiter Fizzy:D ich finde die Geschichte so wunderbar und toll erzählt.
Lord Lemon und Julian Fuhseson auf der Suche...Die arme Jenny Holmes sage ich nur ;)
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