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Jenny Holmes: Abenteuer aus 1001 Nacht (Teil 3)

Fizzy Lemon
3. Februar 2023(bearbeitet)
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Raffgieristan

Zwischen Sanddünen in einer üppig bewachsenen Oase lag der strahlend weiße Palast von al-Ralfi. Hier schlug das Herz seines kleinen Reiches und er herrschte mit eiserner Hand darüber. Die Palmen, deren Wedel sich sanft im Wind wogten, spendeten den Menschen, die darunter ihre Dienste für Palast und al-Ralfi verrichteten, wohltuenden Schatten. Doch die idyllische Ruhe der Oase wurde jäh durch lautes Gebrüll aus al-Ralfis Thronsaal gestört.

„Hähnchen! Hähnchen! Nichts als furztrockenes Hähnchen! Und das jeden verdammten Tag! Mahmud?!", schrie al-Ralfi mit sich schier überschlagender Stimme.

„Ja?", sagte Mahmud gelassen, weil er die Wutausbrüche von al-Ralfi nur zu gut kannte und wusste, dass ihm nichts geschehen würde.

Mit zornesrotem Kopf zeigte al-Ralfi auf Maja, die in den Thronsaal zitiert wurde und wie das Elend vom Lande da stand, kein Wort dieses Gebrülls verstand und vor Angst beinahe in die Hose gemacht hätte, die sie nicht an hatte.

„Welcher Idiot kam auf die Idee dieses ungläubige deutsche Weib zum Küchendienst zu schicken?", schrie al-Ralfi außer sich.

„Du, Effendi.", sagte Mahmud ruhig.

„Ich ?!", rief al-Ralfi mit verwundert aufgerissenen Augen.

„Ja, Du.", sagte Mahmud und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Ähm.... nun gut, dann war es halt kein Idiot, aber idiotisch war es dennoch. Gebt dem Weib die Bastonade! 10 Hiebe!", befahl er zwei Dienern, die sofort Maja ergriffen und sie auf die Knie zwangen.

Man zog ihr die Sandalen aus, hielt sie fest, während man ihr einen kleinen Hocker unter die Füße schob, sodass die Sohlen nach oben frei lagen und gab ihr mit einem langen Rohrstock die geforderten Hiebe auf die Fußsohlen. Jeder Schlag explodierte auf Majas Haut und jeder Einzelne fühlte sich an, als ob glühende Eisen sich in ihr Fleisch brennen würden. Markerschütternde Schreie der Unglücklichen begleiteten das Peitschen des Rohrstocks. Als nach den 10 Hieben zumindest dieses Martyrium beendet war, lag Maja schluchzend auf dem Boden. Unfähig aufzustehen, da jeder Schritt für sie wie eine Mischung aus glühenden Kohlen, scharfen Glasscherben und spitzen Nägeln erschien. Al-Ralfi gab den beiden Dienern einen Wink, damit diese Maja, die vor Schmerz einer Ohnmacht nahe war, zurück in ihr Sklavenloch außerhalb des Palast bringen sollten. Die Diener packten die Bestrafte unsanft an den Armen und zogen sie hinter sich her aus dem Thronsaal hinaus.

„Ach, Mahmud... mein getreuer Freund... ich glaube, Du hattest Recht, als Du sagtest, es sei ein Fehler gewesen, dieses Weibchen zu kaufen. Wenn ich da nur an Fatma, die Blume in des Propheten Garten, denke. Wie die kochen konnte... dieses Schafsgedärm... lecker... oder die knackigen Hammelaugen... ein Gedicht. Sie kochte so gut und aß so viel, dass sie einen Arsch wie ein Nilpferd hatte.", sagte al-Ralfi und lachte laut, bevor er weitersprach, „Und Brüste, die bis zum Boden hingen. Da konnte man sein Gesicht drin verstecken. Ja, da hatte man was zum Anpacken! Auf einer Skala von 1 bis 10 ist Fatma eine glatte 12, mein lieber Mahmud. Nicht wie bei diesem deutschen Heimchen, wo nichts dran ist und die nur trocknenes Hühnchen auf den Teller kriegt."

Mahmud nickte nur und sagte: „Und was gedenkst Du nun zu tun, al-Ralfi? Sollen wir sie in der Oase ertränken?"

„Nein, das muss nun auch nicht sein. Aber Du hast schon recht. Hier kann sie nicht bleiben. Sollen wir sie verkaufen?"

„Weiß ich nicht. Mal ehrlich, wer will die denn? Nicht einmal Du möchtest sie noch haben.", grinste Mahmud.

„Ja, ja, da magst Du nicht Unrecht haben, aber auf eine Idee hast Du mich gebracht.", sagte al-Ralfi mit sichtbar besserer Laune.

„Ah ja, habe ich das?", forschte Mahmud und war neugierig auf al-Ralfis Einfall.

„Oh ja. Du weißt doch dieser Earl in England, dem ich neulich so viel Geld abknöpfte. Oh, ich meine, mit dem ich prächtig Geschäfte machte?"

„Ja, dieser kleine Mann... ich erinnere mich...", sagte Mahmud.

„Genau der! Ich wette, der würde jede Frau nehmen und wenn ich ihm etwas Honig ums Maul schmiere, denkt er bestimmt, er würde was ganz Besonderes bekommen.", lachte al-Ralfi. „Mahmud, bereite alles vor für eine Reise nach England. Melde uns bei dem Earl of Sabberlot an und lasse dieses Weib herrichten und hernach auf das Schiff bringen."

„Dein Wunsch ist mir Befehl, al-Ralfi.", sagte Mahmud, verbeugte sich und verließ den Thronsaal. 




Devonshire

Julians Frechheit sollte er zu büßen bekommen. Das ließ sich eine Angela in ihrem Zorn nicht gefallen. Fuchsteufelswild sattelte sie ihren Rehpinscher, klemmte sich den Grillspieß unter den Arm und führte die berittene Erdnuckelarmee mit einem lauthals gebrüllten „Attaaaaaaackeeeeeeeeeeeeee" in den Kampf gegen Julian.

„Aaaaaaaaaaaaah!"

Mit einem panischen Schrei schreckte Julian aus seinem Traum auf. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn und sein Herz schlug wie wild in seiner Brust. Heftig atmend saß er aufrecht im Bett, als sich die Tür öffnete und Adriana, Angela und Jenny zu ihm sahen.

„Was ist denn los?",fragte Angela Fuhseson und lief auf das Bett zu um ihren Sohn tröstend in den Arm zu nehmen.

„Ich habe schlecht geträumt, Mamsi.", nuschelte Julian in Angelas Brust.

Dabei verriet er ihr nicht, was er wirklich träumte.

„Das sind die Sorgen um Maja.", sagte Angela und streichelte ihrem Sohn über den Kopf.

„Julian, noch ist nicht alles verloren. Gib die Hoffnung nicht auf.", sagte Adriana mit warmer Stimme und drehte dabei in den Fingern den sonnenförmigen Anhänger ihrer Halskette herum, den ihr einst eine Wahrsagerin verkaufte und behauptete, dass immer, wenn diese Sonne heiß werden würde, etwas Schlimmes geschähe. Adriana, gutgläubig in solchen Dingen, fühlte seither immer, ob die Sonne sich kühl anfühlte. Das beruhigte sie selber und sie glaubte fest daran.

„Ich hoffe, dieser Lemonada Jones meldet sich bald.", sagte Jenny, der die Müdigkeit noch immer im Gesicht stand.

Während Angela sich zu ihrem Sohn ins Bett legte und ihn mit all ihrer mütterlichen Liebe in den Schlaf tröstete, gingen Adriana und Jenny zurück in ihre Zimmer um dort die unterbrochene Nacht schlafend fortzusetzen.



Am nächsten Morgen fanden sich Adriana, Angela, Jenny und Julian beim Frühstück auf der Terrasse ein.

„Na, konntest Du noch weiterschlafen?", fragte Adriana Julian.

„Irgendwie schon...", murmelte der junge Fuhseson.

Adriana fielen die dunklen Ringe unter seinen Augen genauso auf wie Angela und beide sorgten sich ernsthaft um Julian. Diese Situation war er nicht gewöhnt, etwas völlig Neues in seinem jungen Leben und offenbar überforderte es ihn. Es tat den beiden Damen unendlich leid ihn so gequält zu sehen, aber sie konnten nichts dagegen tun und diese Hilflosigkeit ihrerseits machte ihnen zu schaffen.

„So will man oft und kann doch nicht und leistet dann recht gern Verzicht.", sagte Jenny lächelnd und griff sich ein Würstchen zu den noch heißen gebackenen Bohnen.

„Das ist gut, Ms Holmes. Das sollten sie aufschreiben.", meinte Julian zu der blonden Detektivin.

„Finden Sie?", sagte Jenny.

„Oh ja, Sie sind bestimmt eine.....", fing Julian einen Satz an, der aber von dem kleinen Diener abgeschnitten wurde, der auf die Terrasse kam und einen Umschlag auf einem silbernen Tablett vor Jenny Holmes abstellte.

„Ein Telegramm für mich?", fragte sie mehr so dahin, ergriff das Kuvert und öffnete es.

Ihre blauen Augen überflogen geschwind die Zeilen:

„Sehr geehrte Ms. Holmes,

im Oman musste ich erst neue Kontakte knüpfen und ordentlich Bakshish unter die Leute bringen um endlich an brauchbare Erkenntnisse zu gelangen. So war es mir vergönnt, den Händler zu finden, der die Gesuchte veräußerte und mir nach einer horrenden Geldsumme und dem Versprechen eines Ehrenmannes zu verschweigen wer ihm den Namen des Käufers verriet. Unglücklicherweise hat dieser das Land bereits verlassen und mit ihm wohl auch die verschwunde Frau. Da al-Ralfi, der berühmte Scheich von Raffgieristan, kein Unbekannter ist und ich unlängst auch mit ihm zu tun hatte, kann ich Ihnen von Glück sagen, dass ich in Raffgieristan einen Vertrauten habe. Diesen werde ich noch diese Woche aufsuchen und, wenn Gott will, auch Maja finden.

So verbleibe ich mit den freundlichsten Grüßen,

Ihr Lemonada Jones

Abenteurer und Schatzsucher"

Jenny las das Telegramm laut vor und Julian verschluckte sich beinahe an seinem Toast mit bitterer Orangenmarmelade, als er erfuhr, dass Maja wohl noch am Leben sei.

„Aber, aber... das will noch nichts heißen.", beruhigte Jenny ihn, „Noch weiß man nur, wer sie kaufte und wo sie vermutlich ist. Nicht mehr. So leid es mir tut, aber ich muss sie auf eine weitere Nachricht vertrösten."

„Ja, das verstehe ich.", seufzte Julian.

„Sie dürfen gerne hier bleiben, wenn Sie möchten, Ms Holmes.", sagte Adriana.

„Das ist sehr freundlich, aber ich sollte zurück nach London. Dort werde ich bestimmt mehr bewirken können als hier. Deshalb reise ich nach dem Frühstück ab.", sagte Jenny.

„Das ist aber schade.", meinte Angela, „Aber Sie werden sich gleich melden, sobald es etwas Neues gibt, ja?"

„Naürlich werde ich das.", versicherte Jenny und goß sich eine zweite Tasse Tee ein.



Kommentare (3)

Hasal
04. Feb. 2023, 08:47
Wow, jetzt bin ich gespannt, was Maja noch alles erlebt, bis Sie wieder Ihren Julian in die Arme nehmen kann.
Aber Lemon echt wieder super geschrieben :D, bitte mehr davon
Hasal
04. Feb. 2023, 08:49
Sehr schöne Geschichte , bitte bitte mehr davon:(super)
Jenny
07. Feb. 2023, 07:33
Hier in diesem Teil kommt ein wenig die sadistische Ader des gelben Schreiberlings zur Geltung. Das er die Sohlen auspeitschen ließ hatte wohl den Grund, das wenn sie 10 Hiebe auf den Hintern bekommen hätte, diese wohl kaum gespürt hätte, wegen der Größe des selbigen. :D
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