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„Schwach gechattet oder keine Angst vorm anecken“

John Baker Sander
10. Oktober 2019(bearbeitet)
1 Aufrufe
Noch nicht bewertet

Heute war ich im Chat unterwegs. 8 User waren neben mir Online. Ein Stelldichein von geschätztem und gemochtem Plaudrer. Sogar einige neue Charaktere sind im Chat aufgetaucht.
Frisches Blut ist immer gut. Solange es nicht arg ausfallend wird. Danach sieht es nach dem ersten Eindruck nicht aus.
Unsere Schwächen sehen wir uns im Chaträumchen alle Gegenseitig großzügig nach. Rücksicht und Respekt können auch in der Onlinewelt (über)leben.
Ja, darüber staune (nicht nur) ich, liest man in den Medien meist nur: „Böses, böses Internet das Jung & Alt entsetzlich verdirbt."

Viel sinnvolles habe ich heute allerdings nicht zum Chat beigetragen. Sondern ich hatte großen Spaß an unsinniger Dampfplauderei. Ich weiß nicht, wenn ich zuletzt in einem Chatraum in solchem Maße überdreht habe? – Keine bösartigen Zeilen sind mir herausgerutscht, einfach purer Schabernack. Die anderen haben teilweise mitgelacht oder zumindest so getan. Dennoch muss ich das zurückfahren. Einmal ist Keinmal. – Dennoch war das schwach.

Schon beim ausloggen, war ich mit mir nicht zufrieden.
Normalerweise verlasse ich den Chat mit einem guten Gefühl, bin dann mit meinen Schreibpartnern und mir zufrieden. … denke im Normalfall bis zu der nächsten Anmeldung nicht mehr darüber nach. – Das war vor einigen Stunden eben anders.


Mit meinen Eltern sah ich das Länderspiel, Deutschland vs. Argentinien (2:2).
Heißeste Suppe und Wiener Würstchen gabs zum Vorspiel. Die Suppe hat mich fast (aber wirklich nur fast) so gewärmt, wie die Nähe zu meinen Eltern, die ich mindestens genauso in Augenschein nahm wie die Übertragung des Länderspiels.
Ich finde die Vorstellung, dass meine Eltern eines Tages nicht mehr greifbar sind, selbst in meinem fortgeschrittenen Alter, unvorstellbar.
Vielleicht auch nicht?
Könnte es nicht sein, dass mich dieses Szenario innerlich so schreckt, dass ich deshalb mehr denn je darauf aus bin mit ihnen Zeit zu verbringen???


Das Beste an dieser Wochenmitte, die Angst, dass ich was Falsches in meinen Blogeinträgen schreiben könnte, Leben, Phantasien, Gefühle oder Gedanken bei anderen anecken könnten, ist total, ich meine wirklich komplett weg.



Kommentare (2)

Fizzy Lemon
10. Okt. 2019, 09:08
Man chattet nicht immer stark, aber das muss auch nicht immer sein. Oft ist schlichte, belanglose Alberei auch nicht schlecht, um sich einfach vom Alltag zu lösen. Damals gab es bei mir öfters Momente, als ich im Chat saß und mich selbst fragte: "Was mache ich hier?" Doch kaum gingen mir diese Gedanken durch den Kopf, ergab sich ein nettes Gespräch und prompt wusste ich wieder, warum ich eigentlich so gerne da war. Natürlich gab es daneben auch einige Negativerfahrungen, aber wo im Leben ist das nicht so?

Zu den Negativerfahrungen gehört auch das Ableben eines Familienmitglieds. Es sollte aber jedem klar sein, dass der Tod nunmal zum Leben gehört und er jeden von uns heimsuchen wird. Früher oder später. Ich persönlich verlor kurz hintereinander Oma und Mutter, steckte es jedoch relativ einfach weg, da die Großmutter mit 86 Jahren durchaus ein Alter erreichte, in dem man von der Bühne des Lebens abtreten darf. Angesichts ihrer starken Demenz, die sie glücklicherweise erst in den letzten Jahren ihres Daseins heimsuchte, war es vielleicht auch besser so, denn oft glitt sie in eine absolute Verwirrung, so dass man das eigentlich nicht mehr als Leben bezeichnen konnte und ich dieses Häuflein Elend gar nicht mehr als meine lebenslustige Oma - die sie davor war - wahrnahm.

Meine Mutter verlor ich hingegen an den Krebs. Sie wurde nur 72 Jahre alt. Aber auch hier verdaute ich den Verlust deswegen so schnell, da ich mehr oder weniger Zeit hatte, mich auf diese Situation vorzubereiten. Es war kein Siechtum, wie bei vielen, die diese Krankheit haben, sondern noch ein relativ entspannter Krankheitsverlauf. Sie hatte keine Schmerzen, lediglich Lähmungserscheinungen, was sie zwar einschränkte, aber nicht quälte. Und trotzdem war man im Gespräch mit Ärzten, Pflegern und Sozialdiensten über eine Unterbringung in einem Hospiz, da selbst die "Koryphäen" im Krebs-Zentrum nur mit den Schultern zuckten und ratlos fragten: "Was sollen wir denn tun?" - Eigentlich ein deprimierendes Erlebnis, wenn man extra Einrichtungen schafft, die als Kompetenzzentrum gelten und Dir Wundertätigkeiten versprechen... Du aber dann merkst, dass die eigentlich auch nur auf Basis von Versuch und Irrtum agieren. Nun, nach dreimonatiger paliativer Behandlung, bekam ich den Anruf vom Krankenhaus und war nicht wirklich schockiert oder überrascht. Zwei Tage davor war mein letzter Besuch bei ihr und sie war schon so schwach, dass sie kurz nach meiner Begrüßung einschlief. Da tauschte ich die Wäsche aus und ging wieder. Man räumte mir zwar viel Zeit ein, mich von ihr zu verabschieden, wie sie da mit einem kleinen Blumengebinde auf der Brust im Bett lag, auf dem Nachttisch eine Kerze, aber davon nahm ich nicht viel, sondern packte es an und räumte das Zimmer. Diesen Moment hatte ich schließlich schon länger erwartet und in Gedanken durchgespielt.

Rückblickend kann ich dazu nur sagen, dass man sich einfach mit der Situation abfindet. Nicht nur, weil einem nichts anderes übrig bleibt, sondern weil sich schnell die Vernunft durchsetzt und man sich gewiss ist: So ist das Leben.
Hasal
10. Okt. 2019, 10:39
Johny, chatten sehe ich ich immer nur als nette Unterhaltung. Reale Leben wird immer vor gehen, zB: Familie . Aber zur Zeit haben wir echt super Stimmung am Abend und auch die Userzahlen steigen langsam an. So wie Du schreibt auch, vom Alltag abschalten;) , durchs chatten.
Negativerscheinungen hat jeder in seinem Leben. Jeder Mensch muß leider irgendwann die Erde verlassen, für manche eine echte Erlösung und andere vom Alter her. Diese Gedanken sind glaub bei jedem Menschen vorhanden , auch ich denke oft schon dran. Weil Gott sei Dank niemand vorher den Termin weiß.
Nutze die Zeit mit Deinen Eltern und sei oft mit Ihnen zusammen. Macht Euch noch viele schöne Stunden und dann sagst Du später zu Dir,, Wir haben eine sehr schöne Zeit zusammen verbracht''. Diese Erinnerungen bleiben Dir dann auch , wenn Sie mal beide nicht mehr sein sollten. Ich sehe es bei mir , meine Eltern und meine Schwiegereltern , werden ewig in meinem Herzen bleiben. So ist und bleibt auch das Leben. :(
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