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„Sommer Zeitgleich (analog)“

John Baker Sander
2. Juni 2023(bearbeitet)
1 Aufrufe
Noch nicht bewertet

Zeit: 17 Uhr 23
Ort: Adenauerring, Worms

Sommer!
Nicht nur sichtbar. Auch hörbar. Die Perfekte, sommerliche Geräuschkulisse.
Vögel singen. Lärm von Baumaschinen. Autos, aus denen Musik dröhnt.
Kindergeplapper, Freundinnen Gegacker, Männergebabbel.
Blätterrauschen. Schritte auf Stufen, die erklommen werden. Absätze, die auf hartem Steinpflaster hallen. Fahrradreifen, die sich drehen. Öffnen von Getränkedosen. Hektisches wühlen in Taschen. Öffnen von Getränkedosen. Roller über den Asphalt. Ordnungsrufe. Lachen. Kramen im Abfalleimer. Motorräder. Busse an der Haltestelle mit laufendem Motor. Flügelschlägen von Tauben. Aufgeregte Schreie. Kirchenglocken. Bälle, die geprellt werden. Stimmengewirr. – Alles Zeitgleich.

Zuvor:
Hinter dem Wormser Rathaus gibt es eine kleine Grünanlage.
Die ich aufsuchte, um einige Bilder darin zu fotografieren.
Ein älterer Mann sprach mich – kaum hatte ich mit dem fotografieren angefangen - an: „Sind sie Hobbyfotograf?"
Ich betrachtete den Mann einige Sekunden skeptisch. Raffte mich dann jedoch dazu auf, abwartend zu antworten: „Ja, genau."
Der ältere Mann war überaus freundlich. Erzählte mir, er habe zu Hause noch eine analoge Kamera aus den 80er Jahren. Mit Stativ und viel Zubehör, dass er nur zu gerne loswerden möchte.
Ich glaubte schon zu wissen, dass er mir die alte Kamera, fast ein Museumsstück, teuer verkaufen wollte.

Im Nachhinein schäme ich mich etwas. So misstrauisch gegenüber Menschen zu sein, so vorzuverurteilen, das passt eigentlich nicht zu mir.

Der Mann fragte weiter: „Kennen sie einen Verein oder eine Person, die Freude daran hätte? Ich möchte die Kamera mit sämtlichem Zubehör verschenken."

Ich bekundete Interesse.
Der ältere Mann, der mich entfernt an „Doc Brown" aus der „Zurück in die Zukunft" Trilogie erinnerte, bekam meine E-Mail-Adressen auf einen Zettel notiert und versprach sich in den nächsten Tagen bei mir zu melden.
Er würde die Kamera und Zubehör, wenn es sein müsste, auch persönlich mir bis vor die Haustüre bringen, Hauptsache die Kamera lande in guten Händen und er wäre sie endgültig los.

Wir stießen mit der Faust zum Abschied (Coronagruß) an.
Er und ich gingen beschwingt unserer Wege.

Am Analogen fotografieren könnte ich durchaus wieder Begeisterung finden.
Wen ich auch ganz sicher, das Digitale fotografieren auch in Zukunft weiterhin bevorzugen werde.



„Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! – Wer immer Ihr auch seid?!


*Blog wurde bereits am Donnerstag, 1. Juni 2023 verfasst*





Kommentare (3)

Fizzy Lemon
03. Juni 2023, 08:53
(...) Fahrradreifen, die sich drehen. Öffnen von Getränkedosen. Hektisches wühlen in Taschen. Öffnen von Getränkedosen. Roller über den Asphalt. Ordnungsrufe. (...)


Da müssen aber durstige Menschen sein, wenn die so oft ihre umweltschädlichen Weißblech-Getränkedosen öffnen. :D

Nun aber wieder ernsthaft: Es kann nicht schaden, den Menschen mit einer gesunden Portion Misstrauen gegenüber zu stehen. Vertrauen ist etwas, das man sich verdienen muss und nicht geschenkt bekommt. Allerdings heißt Misstrauen nicht, sein Gegenüber mit Vorurteilen zu bedenken. Mir persönlich passierte es aber auch schon, dass ich sehr unfreundlich angeblafft wurde... selbstverständlich ohne jeden Grund, nur weil ich die Begrünung einer Mülltonnengarage fotografierte. Zumal die ja nicht irgendwo stand, sondern vorne am Gehweg, auf dem ich stand. Wie gesagt, hatte ich kein Problem damit, wenn nachgefragt wird, was ich da tue. Interessierten gebe ich gerne Auskunft, aber der Ton macht die Musik. Ich wurde angeblafft und zum Schluss bekam ich auch noch abwertend an den Kopf geworfen, dass ich nichts klauen solle! Als ob ich die Pflänzchen stehlen würde!
Die Menschen sind seltsam geworden und es macht immer weniger Spaß, sich in so einer Gesellschaft zu bewegen.Beweise dafür, dass das nicht so ist, finde ich leider auch immer seltener.
John Baker Sander
03. Juni 2023, 23:10
Hallo, Fizzy Lemon!

Ja, das Öffnen von Getränkedosen war wiederholt zu hören.

Es gibt seltsame Menschen. Wobei seltsam ja jeder anders definiert. - Die Mehrzahl der Menschen ist freundlich und hilfsbereit. Deshalb stört es mich ja so ungemein, dass ich so misstrauisch war. Es gab keinen Grund, den Mann böse Vorsätze zu unterstellen. Deshalb tut mir das leid.

Viele Grüße und dir ein dickes danke für deine Kommentare. Die meine Blogs immer extreme aufwerten.


Jenny
06. Juni 2023, 12:41
Ich hoffe du bekommst deine Kamera, oder war der ältere Herr schon bei dir gewesen.:D
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