Was mich heute schwerstens beeindruckte, da sitzt eine Frau ebenso mittig wie bettelnd in der Wormser Fußgängerzone.
Stundelang! Um den ein oder anderen Euro zu erhaschen.
Menschen, die um eine milde Gabe bitten, gibt es in Worms wie Sand am Meer. Jedoch habe ich oft, wenn ich die vermeidlich armen Teufel anschaue, das Gefühl, den allermeisten geht's nur die Hälfte so dreckig wie sie tun?
Bettler mit Markenklamotten mag es geben. Es gibt ja bekanntlich nichts was es nicht gibt!
Vielleicht tu ich den armen Menschen extreme unrecht – GROSSES SORRY!! - aber da bin ich im mit Tausenden von Klischeebildern innerlich behaftet.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich diese Abziehbildchen je aus meinem Kopf bekomme!?!
Da ich mehrmals die Ampel an der Fußgängerzone überqueren musste, kam ich entsprechend oft an der Bettlerin vorbei.
Sie trug einen langen Lila Rock, einen braunen Kapuzenpulli. Die Kapuze über den Kopf gezogen. Ich steckte ihr mehrmals im vorrübergehen Klimpergeld zu.
Vor allem alte Menschen zeigten ein Herz für die südländisch, verarmt wirkende Bettelfrau. Was mich - warum auch immer? - doch arg erstaunte.
Wobei ich mir nicht völlig sicher bin, ob ich Geld gab, da sie mir leidtat oder für ihren Mut dort öffentlich zu betteln, wo Ordnungsamt und Polizei regelmäßig patrouillieren?
Was mir besonders ins Auge stach, meist waren die anderen Freigeber selbst mit Krücke, Verband oder sichtbar körperlich gehandicapt.
Wann ich zuvor zuletzt einen Bettler freiwillig etwas zugesteckt hatte?
Ab und an habe ich den Weihnachtsblues, das habe ich das Gefühl, ich muss was geben, sei es nur für mein eigenes Seelenheil. … ja Schande über mein Haupt.
In ihrer rechten Hand hielt die Frau - die ich zwischen 30-40 Jahre alt schätze -fest einen Plastikbecher umschlossen. Zwischendurch immer, wenn sie 4-5-6 Münzen eingesammelt hatte, verstaute sie diese schnellstens in ihren abgenutzten Minirucksack.
Extremst beeindruckte mich diese total unterwürfige Haltung.
Sie lag fast auf den Knien, den Katzenbuckel in die Höhe gereckt, der Kopf fast Grotesk nach unten gesenkt.
Das – dieses extravagante Bild - war vielleicht mehr Kunst wie alles was ich bisher gesehen habe? - … auch wenn ich wahrscheinlich bisher im Gegensatz zu anderen nicht allzu viel davon gesehen habe, noch irgendeine Form von Kunstverständnis nachweisen kann. … auf alle Fälle brachte mich dieses Szenario in der Fußgängerzone zum Grübeln.
Ich bete Inständig darum das ich niemals in die Lage komme,
selbst Mal auf der Straße betteln zu müssen.
Ich bin mir sicher, dass man in Deutschland nicht betteln muss?!!
Jedoch vielleicht aus Gründen von Sucht und Not man sich manchmal gar nicht anders helfen kann?
Ich nehme mir vor - hin und wieder - in die unschönen dunkleren Ecken zu schauen und mich wenigstens ab und zu mit der Wirklichkeit in meiner unmittelbaren Nähe zu konfrontieren.

Ich denke mal , dass wünscht sich niemand , mal so zu enden. Aber es wird ja alles immer schlechter, mit den Jahren. Hätte es nie so erwartet.