Herr Freundlich freute sich, wie immer wenn er Feierabend hatte, auf sein wohlverdientes Mittagessen. Mama Freundlich kochte aber auch zu gut, besonders ihre mit Kohl gefüllten Kohlrouladen. Sie hatte ihren Sohn auf Diät gesetzt, hatte er doch in letzter Zeit arg zugenommen. Dem lieben Herrn Freundlich kam der Kohl schon aus den Ohren, aber der Hunger triebs rein. Zuhause angekommen stellte er sorgsam sein Dienstrad in den Keller und wuchtete sich die Treppen zu ihrer Wohnung hoch, wobei er das Gefühl hatte, es würde jeden Tag eine Stufe mehr. Oben angekommen schnaufte er erstmal durch bevor er die Türe öffnete und ein trat.
"Mahlzeit Mama, ich bin da" sagte er mit schwerer Stimme.
"Ich hab es gehört, mein Jung" antwortete sie.
"Wasch Dir die Hände und komm zu Tisch, Essen ist fertig"
Herr Freundlich hatte es nicht leicht, denn was Mama sagt, war Gesetz, also latschte er zu erst ins Bad, wusch sich Hände und Gesicht und begab sich dann zu Tisch. Mama Freundlich legte ihn noch ein Kleckertuch um den Hals, dann kam das Essen.
"Puh, schon wieder Kohl" maulte er.
"Guck dich mal an, wird Zeit das du abnimmst, dich schaut ja kein Mädchen an" gab sie ihm als Antwort.
"Dem Fräulein Hexe gefalle ich so, wie ich bin" sagte er.
"Das ist kein Umgang für dich, hab ich dir schon zig mal gesagt, so und nun iss, sonst wirds kalt".
Nach dem er den Teller ratzeputz leer gegessen hatte, lehnte er sich zurück und genoss Mama´s Pudding, der ausnahmsweise mal keinen Kohl enthielt. Mama Freundlich schaute zufrieden auf den leeren Teller und knallte ihm einen Brief auf den Tisch.
"Der ist für dich Junge"
"Hm, was mag das denn sein" grübelte er, doch Mama nahm ihm die Vorfreude.
"Du hast beim Preisrätsel eine Reise gewonnen" antwortete sie.
"Schon mal was vom Briefgeheimnis gehört, Mama?" sagte er verärgert.
"Ich bin deine Mutter und darf das, basta" war ihre Antwort.
Herr Freundlich holte das Schreiben heraus und las es aufmerksam durch.
"Mensch Mama ich habe eine Reise mit dem Traumschiff gewonnen" strahlte er.
"Mit dem Silbereisen als Kapitän, soweit kommts noch"
"Den Kerl mag ich nicht da gehst du mir nicht an Bord, wer weiß wo der dich hin schippert" sagte sie.
"Mensch Mama, der ist doch bloß Schauspieler, in echt ist da ein richtiger Kapitän" .
Nachdem er seiner Mama das alles Mühsam erklärt hatte und ihr damit alle Illusionen raubte, gab sie schließlich ihr ok.
"Wen nimmst du denn da so mit?" fragte sie mal vorsichtig bei ihm an.
"Ich denke, das ich das Fräulein Hexe fragen werde" sagte er.
Falsche Antwort, Mama Freundlich war den ganzen Tag schlecht gelaunt und schickte ihren Sohn ohne Abendessen ins Bett, was sowas wie die Höchststrafe für ihn war.
Am nächsten Morgen machte er sich mit knurrenden Magen auf den Weg zum Hexenhäuschen, wo die kleine DäMone gerade dabei war ihr neues Reittier aus zu testen. Die Hexe Jen hatte sich eine Katze zu gelegt und an ihrem Fell klammerte sich die DäMone fest und trieb das arme Tier kreuz und quer über das Grundstück. Gerade als Herr Freundlich das Anwesen betrat huschte sie durch seine Beine, so das er sich erstmal lang machte und den größten Teil seiner Briefe über den Rasen verteilte. Fluchend hob er sie auf und schwor der kleinen DäMone übelste Rache. Seine ganze Wut war vergessen, als die Hexe Jen aus ihrem Häuschen trat und ihn mit einem Pilzlikörchen begrüßte. Ihr strahlendes lächeln ließ alle aufgestauten Aggressionen im nu verschwinden. Sie setzten sich zu einem kleinen Plausch auf die Bank vorm Haus. Nachdem der Likör sein Inneres erwärmt hatte legte er los.
"Liebes Fräulein Hexe, ganz besonders liebes Fräulein Hexe, ich hätte da mal ein anliegen " stammelte er.
"Ich habe beim Preisrätsel eine Traumschiffreise gewonnen und wollte sie nun fragen, ob sie vielleicht, eventuell diese Reise mit mir, also wir beide"
"Ja wollen wir" fiel ihm die kleine DäMone ins Wort.
"Wer hat dich denn gefragt, du bleibst natürlich hier" sagte Herr Freundlich verärgert.
Also Herr Freundlich, das überrascht mich aber jetzt, ich wollte immer schon mal eine Schiffsreise machen" sagte die kleine Hexe ein bisschen verlegen.
"Ich würde mich sehr darüber freuen"
Herr Freundlich strahlte über das ganze Gesicht, er würde mit seiner heimlich angebeteten eine Reise über alle sieben Meer machen, nur wie bringt er das bloß Mama Freundlich bei.
