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„Gegockelt wird nachdem Backfischfest“

John Baker Sander
27. August 2023(bearbeitet)
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Verspätet, dennoch vor Veranstaltungsbeginn der Eröffnung des 90. Backfischfestes traf ich auf dem Marktplatz ein.
Normalerweise bin ich gerne eine Stunde vorher bereits anwesend, um mir einen einigermaßen vernünftigen Platz zum Fotografieren zu sichern.

Alle Sitzgelegenheiten waren bereits besetzt.
An einen Zuschauersitzplatz in den ersten fünf bis sieben Reihen, die mit Stühlen ausgestattet waren, war nicht zu denken.

So sortierte ich mich hinter den Stuhlreihen zwischen einem älteren Ehepaar auf der einen und einer rothaarigen Frau auf der anderen Seite ein, die mehrmals mit starken englischen Akzent – zu wem auch immer – sagte: „Ich freue mich besonders auf die Ledertänzer, ob die wohl dabei sind?"
Das wiederholte sie so oft, dass ich irgendwann nicht mehr an mich halten konnte, ihr freundlich antwortete: „Machen sie sich keine Sorgen, die sind bestimmt dabei, die sind jedes Jahr dabei".

Die Backfischfesteröffnung startete wie üblich mit dem „Fanfarencorps Nibelungenstadt Worms".
Fanfaren und Trommeln erklangen. Augenblicklich macht sich Festatmosphäre auf dem Marktplatz breit.
Der Fanfarencorps bestiegen die Bühne.
Spielte einige schöne Märsche, während vor der Bühne Fahnenschwenker aus dem Fanfarencorps Flaggen mit Wormser Motiven schwangen.

Solche Uniformen machen doch schwer etwas her.
Mich beeindrucken diese Uniformen immer wieder aufs Neue.

Die Zunftgesellen (Männer des Turnverein 1846 Worms) führten einen traditionellen Tanz auf. Der schon seit Jahrhunderten zum Stadtpfeifermarsch aufgeführt wird.
Unter musikalischer Begleitung des Barockbläserensembles.

Der Bürgermeister sprach Grußworte. Ehrte Menschen, die sich um das Backfischfest verdient gemacht hatten. Übergab für die neun Tage seine Amtsgeschäfte an den „dem Bojemääaschter vun de Fischerwääd".

Der Bojemääaschter sprach im Anschluss Grußworte und seine Backfischbraut natürlich auch.

Danach durfte „Malu Dreyer" grüßen und wirken.
Ich mag diese Politikerin und Ministerpräsidentin aus Rheinland-Pfalz für ihren Berufsstand ausgesprochen gerne.

Wobei ich bei den gesamten Grußworten ein kleines Problem hatte.
Die Grußworte wirkten alle gleich.
Wobei vielleicht das genauso richtig wahr?
Dass man immer und immer und immer wieder betonte, dass das Backfischfest ein Miteinander alle Generationen, Religionen und Hautfarben ist.
Das ist eindeutig besser als vom Krieg und Verwüstung zu hören.

Auch der Mensch vom Verband der Schausteller klang in meinen Ohren nicht viel anders als seine Grußwortsprechvorgänger.
Bei ihm fand ich noch am spannendsten, dass er den Besuchern auf dem Marktplatz (darunter natürlich auch ich) erzählte, dass die Schausteller derzeit zufrieden seien, denn die Volksfeste, ob groß oder klein, würden die Menschen in ganz Deutschland wunderbar annehmen.

Backfischfestbräute aus den letzten Jahren wurden auf die Bühne gebeten. Darunter eine Frau Trapp, die bereits 1955 dieses spezielle Amt in Würden begleitete.

Auch die Wein-, Gurken, Sonnen, Kerwe und was sonst auch immer welche Majestäten wurden dann von einem gut aufgelegten Moderator vorgestellt.

Danach sprach die Rheinhessische Weinkönigin weiter Grußworte zu den Besuchern.

Der Moderator durfte noch den Backfischfesthit singen: „Das Backfischfest ist unser Monopol".
Besonders die Zielgruppe 50 plus war hier sensationell Textsicher.
Im Anschluss, sorgte noch das Traditionspaar, bestehend aus Bäuerin und Bauer, mit einem lustigen Streitgespräch auf der Bühne für einige Lacher.

Es folgt eine sehr moderne Version von Schülerinnen des Gauß-Gymnasium Worms von dem „Tanz der Fischmarktweiber", bevor man zu den bekannten Elementen und der vertrauten Melodie des Tanzes wechselte, durften die jungen Frauen zu Musik von „Michael Jackson" („Beat it") performen und ihr tänzerisches Können zeigen.

Den Abschluss bildeten die „Ledertänzer" ebenso Schüler aus dem Gauß-Gymnasium Worms, die das Leder kraftvoll schwangen.
Ich musste mir immer wieder eine Lücke suchen zum Fotografieren.
Neben meinem Fotoapparat filmten und fotografierten gefühlt auch alle anderen mit dem Mobilphone mit. … und vor der Bühne machte sich die Presse breit, um ihre Schnappschüsse für die Print und digitalen Medien einzufangen.

Dennoch hat mir das Fotografieren der Eröffnung des 90. Backfischfestes auch in diesem Jahr besonders Spaß gemacht.

Das Lückensuchen und Fotografieren waren manchmal zugegeben schon sehr mühsam, jedoch wo ein Wille da ein Weg.
Auch wenn ich gerne fotografiere, bin ich der Meinung, dass so eine Eröffnung ein Fest für Menschen ist und nicht für Fotoapparate.

Von solchen Ereignissen kann es nicht genug Bilder geben!

Auch später für das (eigene) Archiv eine tolle Sache, wenn man in der Zeit zurückblicken kann.

Jedoch sollte man einsehen, dass man nicht alleine auf dieser Welt ist. … auch die Herren und Damen von der Presse! … dass dies vor allem ein Festakt für die Besucher ist.

Es gab während der Backfischfest-Eröffnung nicht ein einziges unfreundliches Wort.
Zumindest vernahm ich keines, weder gegen andere noch gegen mich.
Man lächelte sich an, tauschte Blicke, schwitzte zusammen in der Sonne, beklatschte Grußworte, Ehrungen und Vorführungen.

Wenn nötig machte man sich auch einmal – gerne - klein für jemand anders.
Es geht doch noch hin und wieder generationenübergreifend gesittet zu.


Nach der Eröffnungsfeier machten sich Fanfarencorps, Zunftgesellen, sämtliche Majestäten, Bürgermeistern und Backfischbräute, sowie zahlreiche Besucher der Eröffnung auf dem Weg – durch die Innenstadt – zum Festplatz auf.

Ich folgte allerdings nicht auf den Festplatz.
Sondern verweilte noch kurz in der Innenstadt. Wobei ich sicher auch noch mir den Festplatz im Verlauf der nächsten neun Tage ansehen werde.

Es gibt Dinge, über die können wahrscheinlich nur Vater und ich zusammen lachen. ; Die Betonung lieg auf zusammen (und vielleicht auch Situationsbedingt?).
Wir schauten „das aktuelle Sportstudio" und kamen irgendwie dabei auf den „Gockel" (Hahn) zu sprechen.
Dabei suchte ich Wortringend den Begriff „krähen", der mir nicht einfallen wollte. Wie das Wort „krähen" wäre aus meinem Gehirn verbannt worden.

Stattdessen krähte der Hahn nicht bei mir, sondern: „Gockelte der Gockel". Woraufhin erst Vater einen Lachanfall bekam und dann direkt ich – in Vaters Lachanfall unfreiwillig einstimmte – minutenlang liefen uns Lachtränen über die Wangen.



Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! Wer immer Ihr auch seid?!



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