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„Scheinwelt ist Seinwelt“

John Baker Sander
24. September 2023(bearbeitet)
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Zeit:16 Uhr 49

Ort: Adenauerring, Worms

Willkommen im Herbst!
Seit 8 Uhr 49 befinden wir uns nun nicht mehr nur im meteorologischen, sondern auch kalendarisch im offiziellen Herbstanfang.


Die Kerb wurde bei uns eröffnet.
Wenn auch eine halbe Stunde später als geplant.
Die Kerbeprinzessin und ihre Hofdamen saßen aufgrund eines heftigen Regenschauers auf ihrem Empfang fest.

„Die drei Kerbe-Mädels" vertreten unser Dorf auf sympathische Art und Weise. Was ihnen so gut gefallen hat, dass sie ihre Amtszeit um ein weiteres Jahr verlängern.

Noch nie hat unser Dorf so viele Orts-Repräsentanten beim Empfang oder bei der Kerberöffnung begrüßen.
Ich würde darauf wetten, beim noch ausstehenden Umzug wird es nicht anders sein.

Beim Empfang – ausgetragen von der Familie der Kerb-Prinzessin – der in einer großen Traktorhalle stattfand.
Traditionell gab es Würstchen im Brötchen und das kleine 1x1 der Getränkelisten (Softdrinks, Wein und Bier).

Fotos wurden zahlreich gemacht.
Von den Familien, der Kerwe-Hoheiten, Gästen und auch von mir.

Das Blasorchester spielte – nachdem es sich ausreichend gestärkt hatte – zwei Musikstücke, dabei trotze es einem stürmischen Wind. Umso lebhafter wurden die musikalischen Darbietungen beklatscht.

Die Feuerwehr hatte sich auch eingefunden.
Bilde die Feuerwehr doch den Geleitschutz für die Kerbe-Prinzessin und Hofdamen und sperrt die Straßen ab.

Der Regen hatte nachdem Blasorchester seinen großen Auftritt.
Während alle Empfangsbesucher und besonders Kerbe-Mädels und der Bürgermeister besorgt und unter Zeitdruck stehend in der Traktorhalle darauf warteten, dass der Regen nachließ.

Eine halbe Stunde hielt der Regen alle Empfangsbesucher in Schach.
Beim Verlassen der Traktorhalle gab es ein laustarkes, wie aus einer Kehle, staunendes „OHHHH" von allen Empfangsbesuchern – darunter ich - zu hören.
Ein leuchtender, riesiger Regenbogen von der Ortsmitte bis scheinbar genau zur Empfangsstätte war der Grund hierfür.
Schön, dass ein Naturschauspiel wie ein Regenbogen den Menschen noch Freude und Faszination schenken kann.
Von wegen, die Menschheit ist total abgestumpft.

Feuerwehr vorneweg. Danach folgte das gut aufgelegte und muszierende Blasorchester. Es folgte ein Kleintransporter mit Ladefläche auf der die Kerbe-Prinzessin, die Hoheiten und Bürgermeister standen. Dahinter fuhr ein Traktor, der eine Rolle zog, mit den Fremd-Majestäten.

Schade nur, wie wenig Menschen auf den Straßen dem Miniumzug ihre Aufmerksamkeit schenkte.

Der Platz vor dem Rathaus war proppenvoll mit Schaulustigen und Kerb-Besucher.

Auf dem Rathausplatz gab es eine kleine Begrüßungsansprache des Bürgermeisters.
Das Blasorchester spielte.
Die kleinsten Tänzer - aus dem Verein, bei dem auch ich als Übungsleiter tätig bin, zu dem übrigens auch erwähntes Blasorchester gehört – bekamen für ihre Showeinlage donnernden Applaus.
Die Hofdamen berichteten über ihre Erlebnisse aus den vergangenen zwölf Monaten.
Zu guter Letzt eröffnete die Kerbe-Prinzessin nach einem heiteren Trinkspruch offiziell die Kerb.

Ich begleitete die Kerbe-Prinzessin und Gefolge zum Fußball.
Wo die Kerbe-Prinzessin – wenn auch erst zur 2. Hälfte, verspätet – traditionell den Anstoß vornahm.

Im Anschluss ging es durch mehrere Gaststätten.
Bei denen nicht nur die Kerbe-Hoheiten, sondern auch der Fotograf mitverpflegt wurde.

Danach ging es zurück zum Kerbeplatz.
Auf dem ein Festzelt steht und ein DJ mit einem gelungenen Mix, die größten Hits aus den 80er, 90er und frühen 2000er einheizte.

Außerdem auffindbar auf dem Festplatz.
Dosenwerfen, Pizzabude, Getränkestände, Fischbrötchenstand, Bratwurst plus Pommes, Plastikenten angeln und ein Karussell für die kleinsten.

Die Altersgruppe 9 bis 99 wurde bei den Fahrgeschäften vergessen.
Im letzten Jahr gab es keine DJs in einem Festzelt, dafür ein Fahrgeschäft „Himmelsstürmer", mit dem sich kleinere und größere Gäste, neben dem erwähnten Karussell anfreundeten.


Das war ein erfüllender Abend.
Ich war die Stunden darauf fokussiert, dass es den Hoheiten (ihren Familien und anderen gutgeht), das kümmern und ablichten während des Programm-Marathons hat mir Freude bereitet.

Dazu machte es mir ungewohnten Spaß, zwei Minuten hier und dort „Hallo" zu sagen. Einige Schulterklopfer einzustecken und auch auszuteilen.
Mich zu wundern, dass auch die ein oder andere Person die in der Versenkung für mich verschwunden war, doch noch quicklebendig über den Festplatz, Sportplatz trudelte oder in den Gaststätten mit Anhang saß.

Viele der Kinder und Jugendliche die ich in den letzten 20 Jahren betreute, mittlerweile Erwachsen sind, beruflich erfolgreich, teilweise sogar schon verlobt und an Familiengründung und mehr denken. – Unfassbar gut.
Was mich immer wieder aufs Neue rührt, wenn speziell diese Menschen sagen: „Das war eine gute Zeit mit dir als Übungsleiter, das war toll, ich habe so gerne bei dir – bzw. euch (mit meinem Bruder früher – trainiert. Das hat mir was gegeben".

Ich vernahm kein einziges böses Wort.
Nur Zustimmung und ein Miteinander, wie ich es seit Jahren nicht mehr in der Dorfgemeinschaft erlebt hatte.
Auf dem Kerbeplatz herrschte eine wunderbare Festatmosphäre, wie zuvor schon beim Empfang und der Kerb-Eröffnung.

Ich war so weit weg vom Alltag und Sport. Was mir vorübergehend guttat.
Ich bin auch in den nächsten Tagen nur zu gerne Gefangener dieser launigen Scheinwelt.

In der jedoch viel mehr von der „Seinwelt" steckt (und stecken kann) wie man glaubt, davon bin ich felsenfest überzeugt.



Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! Wer immer Ihr auch seid?!


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