Für mich stand fest, man lässt Papa mit den Untersuchungsergebnissen warten, gibt ihm drei Monate später erst einen Termin zu Besprechung also kann (und darf) dass nichts Wildes sein.
Thema für mich abgehakt.
Hu! Denkste!
Noch vor Weihnachten soll Papa unbedingt operiert werden.
Es wäre wirklich dringend.
Der Doktor meinte – so erzählte Vater; Mama durfte nicht einmal zur Besprechung der Ergebnisse mit ins Ärztezimmer – Papa müsse schnellstens anrufen im Krankenhaus und einen Termin zu Vorgesprächen ausmachen und dann bitte umgehend operiert werden.
Wir – die Familie – sind alle perplex.
Wieso lässt man dann jemanden drei Monate warten? Wenn es doch angeblich so dringend ist? Die Frage rotiert in mir.
Widerholt sich nicht nur in diesen Blog, sondern auch in mir immer und immer wieder!
Weil ich es nicht nachvollziehen und verstehen kann und vermutlich auch gar nicht will?
Vater, der normalerweise nicht verlegen ist, musste natürlich erst mal die Diagnose verdauen und stellte deshalb verständlicherweise kaum gezielte Gegenfragen.
Papa selbst hat den Befund äußerlich gut weggesteckt und witzelt bereits mit mir darüber.
Sowohl in Vater – da bin ich sicher – als auch in mir sieht es in Wahrheit anders aus.
Dennoch ziehen wir aus unseren (Galgen-)Humor Kraft und Zuversicht für diese anstehenden unvermeidbare Dinge.
Seine Ehefrau – Mama – hingegen hat das unbestreitbar mitgenommen.
Wie angespannt Mama ist, kann man ihr deutlich am Gesicht ablesen.
Vater ist wie ein Baum.
Hat unglaubliche starke Wurzeln und ist (eigentlich) unerschütterlich.
Möglicherweise sogar erstmals, frage ich mich - obwohl ich ja normalerweise vor Zuversicht strotzen – was ist los, wenn Vater die Operation nicht so übersteht, wie er sollte, er ist über siebzig, das lässt sich nicht wegdiskutieren? Welche Auswirkungen das auf Papas, unser Leben, vor allem aber auf Mamas hätte?
Vater ist der Mensch, auf den wir uns alle in der Familie ohne – oder nur mit ganz wenigen - ausnahmslos einigen können.
Der Fixpunkt.
Ich bin sicher in einigen Stunden bin ich ruhiger und mein Optimismus vollständig zu mir zurückgekehrt.
Bis dahin allerdings wird mein Kopf sicher noch einige Schreckensszenarios als auch die glücklichsten durchspielen.
Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! Wer immer Ihr auch seid?!
