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„Ausrufezeichen“

John Baker Sander
8. Dezember 2023(bearbeitet)
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Vor einigen Wochen berichtete ich über einen Onkel, dem es von jetzt auf gleich körperlich schlecht ging und der von jetzt auf gleich auch einige Aussetzer hatte.
So zum Beispiel wusste er nicht mehr, wie Arbeitsvorgänge, die er zuvor über Jahrzehnten hunderttausendfach ausgeführt hatte, bewerkstelligen wollte.

Außerdem befielen ihn mehrmalige Herzattacken.
Weswegen er für über einen Monat in die Uniklinik zu Untersuchungen musste. Was ein untypisch langer Aufenthalt dort ist. In der Uniklinik sprach man: „Von einem ganz besonderen Patienten".

Vor einigen Tagen erst durfte der Onkel nachhause.
Körperlich hatte er in der Zeit stark abgenommen und die Kräfte waren geschwunden.
Dennoch waren wir alle zuversichtlich – nachdem man mutmaßlich herausgefunden hatte, was mit dem Onkel los war – dass er sich wieder fangen würde und bald schon gesunden würde.

Dem Onkel ging es leider unerwartet noch schlechter.
Er wurde ins Krankenhaus eingewiesen. Dort geröntgt. Kollabierte und verstarb kurz darauf.

Für Mamas Schwester und ihre Familie das schlimmste Szenario überhaupt.
Zweifelsohne traf das auch Mama und Bruder doppelt hart.
Die eine andere Beziehung zu dem besagten Onkel pflegten wie ich.
Sie waren eben näher an dem Menschen (dem Onkel) dran.

Ich kann nur schwer beschreiben, wie mich der sichtbare Schmerz von Mama und das vollkommene Mitgefühl für die Familie ihrer Schwester traf.
Auch die leidenden, andauernden steinernen Gesichtszüge meines Bruders taten einfach nur weh.

Papas Operation begann verspätet.

Wir (Mama, Bruder (ich kam etwas später aus dem Alltag hinzu) warteten auf Papa in einem der Aufenthaltsräume des Krankenhauses.
Man hat sich viel Mühe gegeben, ein weihnachtliches Flair für die Patienten und Personal entstehen zu lassen.
Die Weihnachtsbäumchen sind mit Liebe geschmückt und die bunten Lichterketten mit warmen Farben wirken einladend.


Ich versuchte Mama und Bruder ein Lächeln auf das Gesicht zu stehlen, was jedoch vorerst nur mittelmäßig gelang.

Nach Stunden des Wartens und mehrmaligen nachfragen, was denn mit Papa sei, wurde uns endlich mitgeteilt, dass er – es war kurz nach halb sieben – vom Wachraum in sein Krankenzimmer überführt werden wird.

Ob ich je erleichterter war, als in diesem Moment, wie eine Krankenschwester vorne am Krankenbett zog, eine andere von hinten das Bett auf Rollen anschob und Papa uns beidhändig zuwinkte, vermag ich nicht zu beantworten.
Gefühlt, direkt aus dem Bauch heraus, würde ich behaupten: „Nein!"


Laut Krankenhauspersonal verlief die Operation völlig reibungslos und sehr gut. Auch befanden sie Vaters Zustand für einen Mann seines Alters (nach einer Operation) als außerordentlich.

Papa war so klar, wie man nach einer Operation nur sein konnte. Auch wenn mir hier Vergleichsmöglichkeiten zugegeben fehlen.

Vater scherzte mit uns.
Seine Sprache war klar. Der Mund trocken. – Trinken sollte Papa jedoch noch nicht, sondern erst nach ungefähr einer Stunde, nachdem er in sein Krankenzimmer zurückverlegt worden war.

Dennoch merkte man Vater an, dass so eine Operation alles andere als ein Zuckerschlecken ist.

Die Szene des Tages für mich.
Als die Finger meiner Eltern sich suchten und fanden und minutenlang nicht losließen. Verbundenheit pur.
Hoffentlich für viele weitere glückliche Jahre (nur Ausrufezeichen, kein Fragzeichen)!

Unser Papa hat einen sehr netten Bettnachbar. Ich würde schätzen 30 Jahre jünger als Vater. Ungefähr mein Alter.
Der Mann hat eine Körpergröße von 2 Meter vorzuweisen.
Vaters polnischer Zimmergenosse versprach nach Papa zu sehen und zu helfen.
Wir – da ist sich die Familie einig - mögen ihn.

Mein Bruder brachte Mama und mich gut und sicher mit dem Auto nachhause.

Eigentlich hatte ich ja die Vorstandssitzung meines Vereines für den Donnerstagabend abgesagt. Es wäre die erste gewesen, nach über Eineinhalbjahrzehnten.
Entschloss mich jedoch aufgrund viel zu vieler Gefühle jeglicher Art – Verlust des Onkels, Sorge um Mama und Bruder und Papas gut überstandener Operation – doch hinzugehen, um von meinem Gefühlschaos Abstand zu gewinnen.

Mein Bruder konnte Mama überreden, mit ihm TV zu schauen, um sich – wenn überhaupt das an so einem Tag möglich ist? – sich abzulenken.


Wieder zu Hause räumte ich über zwei Stunden meine Schlafzimmer auf.
Natürlich duftet es nun nach Möbelspray.
Ich hoffe, nicht nur ich, sondern meine Familie und der Rest der Welt fühlt sich in diesem Augenblick auch insgesamt ganz okay?



Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! Wer immer Ihr auch seid?!


Kommentare (2)

Jenny
08. Dez. 2023, 22:49
Lieber John, das mit deinem Onkel tut mir sehr leid, mein Beileid. Dafür freue ich mich umso mehr, das es Deinem Papa wieder gut geht und er die OP gut überstanden hat.
John Baker Sander
08. Dez. 2023, 23:29
Danke liebe Jenny!

Fühle dich umärmelt!


Liebe Grüße
John
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