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Der ganz normale Wahnsinn mit dem ÖPNV

Hibi
1. Dezember 2019(bearbeitet)
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Meist kann ich mich nicht entscheiden, ob ich lieber mit dem Auto fahre oder mit dem Bus, denn beides hat seine Vorteile und auch Nachteile.

So kam es, dass ich Samstag mit dem ÖPNV mit dem Bus gefahren bin – dann konnten wenigstens alle etwas Beschwipstes trinken. Die Fahrt sollte gut zwei Stunden dauern.

Den Bus, welcher uns zur Straßenbahn bringen sollte, haben wir nur knapp erwischt. Zugegeben: Hätten wir den verpasst, dann wäre es unsere eigene Schuld gewesen, aber es ist ja noch mal alles gut gegangen.

Dann kam die Straßenbahn, die Anbindung ist wirklich toll, keine vier Minuten warten und es geht weiter Richtung Hbf. Aber soweit kamen wir nicht, denn nach nicht mal dreihundert Metern hatte unsere Straßenbahn einen Unfall mit einem Auto. Zum Glück ist niemandem etwas passiert, außer dem Auto. Aber von da aus war dann kein Weiterkommen mehr. Schnell sind wir einige Alternativen durchgegangen: Warten? Zu einer anderen Haltestelle laufen? Zurück fahren? Wir sind dann mit dem Bus wieder zurück, zu einem anderen Bahnhof, gefahren.

Dort angekommen hatte unsere Bahn natürlich Verspätung … zwanzig Minuten (und das wenn die Bahn alle dreißig Minuten fahren soll). Aber das haben wir dann auch geschafft, sind in Düsseldorf umgestiegen und weiter nach M.-gladbach. Auf der Fahrt nach M.-gladbach haben wir das erste Paar kennengelernt. Ein Pärchen Ende vierzig, auf den Weg nach Holland. Beide haben einen Preis gewonnen – eine Reise nach Zypern und nächste Woche wird es losgehen, dann aber von Köln-Bonn. Der Mann ist nach eigenen Angaben ein Bauernkind, mag es immer Vollgas zu geben, mag Bäume und Natur. Er kann Fahrstühle bauen und möchte demnächst einen für das Baumhaus bauen, hundert Kilo Gegengewicht würden da schon für seine Freundin ausreichen – aber das kann er nicht berechnen. Auf jeden Fall sind die beiden jetzt nach Holland unterwegs, denn sie wollen dort Brot kaufen, aber nur das leckere bei diesem einen Bäcker, … wenn der aber schon zu hat wenn sie ankommen, dann geht's eben weiter nach Venlo. Beide haben Rucksäcke dabei, ihrer ist schwer und seiner ist mit Luft gefüllt … ihrer, zusätzlich zu dem anderen Kram, auch. Am Bahnhof stimmte dann auch wieder die Anzeigetafel nicht mit dem Zug überein, war es nun der Richtig? Ach wir steigen einfach ein – und hatten Glück, denn es war der Richtige.

Mehr habe ich von den Beiden aber auch nicht erfahren, da ich aussteigen musste. Kurz gewartet und schon ging es Richtung Aachen. An einer Haltestelle, mitten in der Walachei, meinte ich noch zu meiner Begleitung, dass wir Glück gehabt hätten, denn dort wo die Bahn den Unfall hatte, hatten wir noch einige Optionen um weiter zu reisen. Würden wir hier einen Unfall haben, dann sähe es wohl schlechter aus und wir säßen hier fest.

Der Zug stand also an diesem Bahnhof … er wirkte ziemlich verkommen, denn das Unkraut schoss nur so mitten auf dem Bahnsteig in den Himmel. Aber ich vermute, dass dieses sechshundertfünfzig Seelendorf den Klimanotstand ausgerufen hat und dort auf dem Bahnsteig nun einen Grünstreifen angelegt hat: Bessere Co²-Bilanz und keine Bodenversiegelung – Ausgezeichnet! Den Menschen blieben nur an den beiden Rändern zu den Gleisen ca. sechzig cm.

Auf jeden Fall standen wir immer noch an diesem Bahnhof. Die Sonne schien uns ins Gesicht und wir warteten. Dann endlich die Durchsage des Lockführers … Und der Zug hatte eine Panne … Manchmal ist es doch Schicksal, dass man etwas sagt und noch am gleichen Ort bewahrheitet es sich. Und wem wurde die Schuld gegeben? Mir, weil ich es doch gesagt hatte … is klar…

Naja wir standen eben immer noch da durften im Zug sitzen bleiben – zum Glück, denn es war wirklich kalt. Aber dann wurden wir eben doch rausgeschmissen. Ich glaube es standen noch nie so viele Personen auf einmal an diesem Bahnhof – für die Einwohner mussten wir wie eine Invasion der Gestrandeten vorgekommen sein. Aber wir waren friedlich und warteten. Der Zug mit der Panne konnte, nachdem er nun leer war, seine Fahrt fortsetzen…

Wir warteten und froren und nach einer gefühlten Unendlichkeit, hielt dann doch noch ein anderer Zug außerplanmäßig und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Nach vier Stunden kamen wir dann endlich an.

Hier muss ich abkürzen, da es nicht zum Titel passt, aber der Werksverkauf bei Lindt und Bahlsen war … ein Erlebnis und der Weihnachtsmarkt in Aachen ist wirklich sehr schön. Aber es geht hier um den ÖPNV also möchte ich diesen nun auch weiter thematisieren.

Die Rückfahrt dauerte nicht so lange, vielleicht kam sie mir auch nicht so lange vor, weil ich geschlafen habe. Auf jeden Fall haben wir den ersten Zug den wir nehmen wollten verpasst, weil die Begleitung noch unbedingt eine PipiPause einlegen musste. Deshalb konnten wir nicht einfach Heim fahren, sondern mussten Alternativen recherchieren. Dabei kam dann auch noch heraus, dass wir wirklich Glück gehabt haben, dass wir den Unfall mit der Bahn gehabt haben. Wäre dieser nicht gewesen, hätten wir unseren geplanten Zug bekommen, dieser fährt aber durch ein Gebiet (Öln), für das meine Begleitung kein Ticket gehabt hätte.

Wir warteten also (mal wieder) und es war wirklich super kalt. Die Bahn kam und auf der Anzeigetafel wurde angegeben, dass der Zug sowohl nach Duisburg, als auch woanders hinfahren würde … wie war das möglich? Ganz einfach: der Zug teilt sich unterwegs … wieder so ein Zaubertrick des ÖPNVs … man muss immer wachsam sein (gelernt haben wir das alle ja schon in Harry Potter).

Die Gesellschaft im Zug war wieder interessant. Erst fuhr eine Gruppe besoffener Frauen mit uns mit – ich weiß jetzt auf jeden Fall wie es um ihr nicht vorhandenes Sexleben bestellt ist. Ein anderer Fahrgast wurde auf die Frauen aufmerksam und stellte ihnen Fragen. In meinem halbdösenden Zustand habe ich nicht alles mitbekommen, aber nach kurzer Zeit sprach eben dieser Fahrgast meine Begleitung an, ob er nicht auch die Fragen beantworten möchte, da er den Frauen eh schon so aufmerksam lauschen würde. Ich glaube ich muss euch nicht erklären, wie besoffene Frauen sich unterhalten … bei deren Lautstärke muss man vielleicht aufmerksam lauschen, wenn außerhalb des Zugs wäre, aber nicht wenn man nur eine Sitzreihe dahinter sitzt.

Auf jeden Fall hatten wir ihn jetzt an der Backe. Er wollte wissen was deutsch sein bedeutet und wer wir wären. Aber warum er sowas fragt, wollte er nicht verraten. Auf jeden Fall haben wir dann bestimmt dreißig Minuten mit ihm diskutiert … er wollte von allem eine Definition wissen … Laut ihm geht es uns auch allen nur ums Geld … - Er war jedenfalls kein angenehmer Gesprächspartner … er pickte sich immer nur Argumente aus, die seiner Meinung nach passten und ignorierte alles andere. Eine andere Mitfahrerin die einen Podcast hörte fuhr er harsch an, weil sie ihm zu laut lachte. Am Ende hatte er auf einem Prospekt einer Frau „wir sind immer in ihrer Nähe" gelesen. Doch fragte er uns nur wieder, was „wir sind immer Nähe" bedeuten würde – auf unsere Antwort, dass das so keinen Sinn machen würde bekam man wieder nur die Antwort, dass er Dinge weglassen und verändern könne wie er will und dass er dann von uns doch wohl eine Definition verlangen könnte.

Diese Unterhaltung war sehr verwirrend … aber mein Hirn war schon recht müde … und zum Glück stieg er dann auch aus. Wir stiegen auch einige wenige Haltestellen später aus und warteten.

Das war der Zug, den wir in Aachen nicht nehmen durften … eben wegen des Umwegs durch Öln … aber jetzt im wunderschönen Duisburg durften wir einsteigen. Aber kurz vor der Ankunft wurde sein Gleis noch mal verändert … also wieder Treppe runter und Treppe hoch … Ach und er kam natürlich gut zwanzig Minuten zu spät – deswegen haben wir auch unseren Nachtexpress verpasst, d. h. auch bei uns mussten wir noch mal dreißig Minuten extra warten, aber um kurz nach eins mitten in der Nacht waren wir dann doch endlich daheim.

Mein Fazit nach gut sieben Stunden Zugfahrt ist: Der Tag war sehr schön, wir haben viel gelacht, auch wegen der Panne, Menschen getroffen und gefühlt eine halbe Weltreise erlebt. 



Kommentare (6)

Freundchen
02. Dez. 2019, 14:24
Naja immerhin hat sich der Ausflug ja gelohnt :D
Aber man fragt sich schon, wie die Deutsche Bahn noch mehr Kunden befördern will? Sie kriegen es ja jetzt schon nicht wirklich gut hin.
Hibi
02. Dez. 2019, 14:45
Da sagst du was ... wenn man sowas jeden Tag durchlebt, weil man pendeln muss ... dann finde ich das schon hart. Für uns war es jetzt noch okay, immerhin waren wir zu zweit und haben haben das Beste daraus gemacht und viel gelacht und wir hatten auch keinen Zeitdruck ... abgesehen von den verpassten Anschlüssen aber gut ...

Hätte alles geklappt, dann würde man sich nicht so daran erinnern - so bleibt die Fahrt einem auf jeden Fall im Gedächtnis :D
Jenny
02. Dez. 2019, 15:16
Bin früher auch oft gependelt,selten das bei der Bahn mal was pünktlich geklappt hat,von wegen deutsche Pünktlichkeit,pffff :o , aber was liebe Hibi ist an Duisburg wunderschön :D
Hasal
02. Dez. 2019, 19:06
Hibi, dann hast mal was anderes gesehen;), das mit den Verkehrsmitteln und der Bahn, ist natürlich nicht schön. Aber hoffe, dass ansonsten der Tag gut verlaufen ist. Ja , im Zug lernt man schon einige Menschen kennen, durch Unterhaltung :D:D
Hibi
03. Dez. 2019, 15:26
Das war ironisch :D
Wobei ich den Zoo in Duisburg und den Binnenhafen und den Landschaftspark echt schön finde.
Hibi
03. Dez. 2019, 15:28
Ja, oft ja auch sehr nette Menschen :)
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