Um 9 Uhr 30 stand ich im Empfangs- und Veranstaltungstraum der Katholischen Kirche. Der sich in unmittelbarer Nähe zum Pfarrhaus befindet.
Mein Ziel war es dort mich den Jubilaren vorzustellen.
Damit diese Personengruppe beim bevorstehenden Gottesdienst wusste: „Der macht nix, der will nur fotografieren". ?
Vor mir waren bereits zwei Jubilare eingetroffen.
Insgesamt sollten später sechzehn der geladenen fünfzig Personen an der Feier des Jubiläums-Gottesdienstes teilnehmen.
Was eine satte Steigerung darstellt. Im vergangenen Jahr waren es vier oder fünf.
Weit über 90 % der Leute, die, die Erstkommunion feierten, kannten mich.
Fast alle grüßten mich. Mehrere Erkundigten sich nachdem wohlergehen der Eltern. Was mich berührte.
Von mir war ich etwas entsetzt, welche Vorurteile ich noch immer gegen einen Vater eines ehemaligen Klassenkameraden; der auch zur Jubilaren-Schar zählte; hegte.
Glasklare Vorverurteilung meinerseits. Eigentlich genau das wofür ich nicht stehen möchte!
Ich kenne den Menschen nur zynisch und über alles klagend.
Dabei muss der letzte mehr als 30-sekündige Wortaustausch zwischen diesen besagten Vater des ehemaligen Schulkameraden und mir mindestens fünfundzwanzig Jahre zurückliegen. Wenn nicht sogar länger?
Wie komme ich nur dazu, ihn in einem dermaßen negativen Licht zu sehen? Auch wenn ich mir noch sehr einbilde(n) (möchte), dass diesen besagten Herren – was ich ihm an der Mimik ablas – gar nicht passte, dass ich die Kirche zu meinem Fotorevier vorübergehend erklärte.
Wie dem auch sei, der Vater des ehemaligen Klassenkameraden trägt keine Schuld und ich sollte mir mal kräftig selbst in den Hintern treten für meine Verdächtigungen und besonders dieses unnötige Vorverurteilen.
An diesem Sonntag war ich in Sachen Mensch in sämtliche belangen stark ausbaufähig.
Der Gottesdienst war kurzweilig.
Unterhaltsam. – Der Kirchenchor sang erstaunlich gut.
Der Pfarrer routiniert. Die Predigt dauerte keine fünf Minuten. Die Fürbitten übernahmen einige der Jubilare selbst.
Dazu hüpfte, besonders wenn gesungen wurde, ein kleines Mädchen, höchstens zwei Jahre, fröhlich um die Kirchenbänke herum.
Was alle Besucher des Gottesdienstes irgendwie gut fanden. Die Kleine machte keinen Lärm, erfreute sich an der Musik und bekam von allen – ob Frau oder Mann, junger oder älterer Kirchenbesucher, Messdiener, Fotograf oder Pfarrer ein Lächeln und wohlgemeintes nicken zugeworfen.
Lebendige Kirche!
Apropos Musik. – Da war kein einziger Langweiler-Song dabei.
Es gibt Kirchenlieder, da rollen sich mir traditionell die Fußnägel auf.
Die sind so langsam und träge, dass ich mir jedes gesungene Wort herauspressen muss.
Diese „heiligen Lieder" blieben allerdings zumindest für diese Feier in der Mottenkiste. Wofür sicher nicht nur ich dankbar war?
Selbst das Abendmahl verlief reibungslos.
Da sich einige der ehemaligen Erstkommunionen-Teilnehmer nicht mehr sicher auf den Füßen fühlten, bekamen sie das Abendmahl an die Kirchenbank gebracht.
Die anderen Besucher des Gottesdienstes bildeten zwei Menschenschlangen. Eine vor dem Pfarrer, der die Hostie ausgab. Die andere vor einer Kirchenhelferin die „Wein" (wohl eher Traubensaft?) austeilte.
Zack! Keine Zehn Minuten später war die gesamte Glaubensgemeinschaft – sofern sie denn Teilnahm versorgt.
Direkt im Anschluss an den Gottesdienst machte ich einige Gruppenbilder der Jubiläumsherde mit ihrem Oberhirten, dem Herrn Pfarrer.
Danach ging es zu einem kleinen Umtrunk zurück in den Empfangsraum.
Wo sofort fröhliches und respektvolles Geherze und Geplapper einsetzte. Kaum eine Person saß an den Tischen. Die Mehrzahl stand in kleinen Gruppen beisammen und ließen Erinnerungen Revue passieren.
Die älteste Jubilarin, die am Gottesdienst teilnahm, hatte ihre Erstkommunion im Jahre 1944 empfangen.
Zu meinem Erstaunen wurde mir für meinen Einsatz, gerade als ich meine Fotosachen eingepackt hatte, ein Gutschein über 20-Euro für eine Pizzeria in der Nähe überreicht. – Worüber ich mich aufrichtig freute.
Nicht jedoch mehr als wieder einmal so viele Eindrücke gewonnen zu haben über meinen kleinen Kosmos – der mir meist genug ist – wo ich mich Zuhause fühle.Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! Wer immer ihr auch seid!?
