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„Einstellungssache“

John Baker Sander
10. Juni 2024(bearbeitet)
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Am Samstag tauchte leider kein Bus auf. Weder direkt nach Worms, noch in die entgegengesetzte Fahrtrichtung zum Bahnhof.
Zwei Stunden Lebens- und Wartezeit kostete mich das.
Wobei ich es mir zwischendurch bequem auf einer der Bänke auf dem Friedhof machte. Der sich in unmittelbarer Nähe zu einer von mehreren Haltestellen im Ort befindet.

Dass der Bus nicht kam, lag wohl weniger am Streik, sondern eher an einer mangelnden Absprache zwischen altem und neuen Busbetreiber?
Der neue Fahrdienstbetreiber übernimmt ab 9. Juni 2024 die allermeisten Busstrecken bei uns und in der näheren Umgebung. Offenbar meinte der alte Betreiber seinen Dienst einfach verfrüht einstellen zu können?

Ein Mann mit Halbglatze, kleinem Bäuchlein und sympathisch wirkenden Gesichtszügen hielt mit seinem dunkelgrünen Wagen neben der Haltestelle: „Hallo, wisst ihr, ob heute Busse fahren? Ich bin Busfahrer, fahre ab Montag Bus auf dieser Strecke, klappere die Fahrstrecke ab, weil die mir keine Einführung gegeben haben"
Andere und ich informierten den Busfahrer über unseren Kenntnisstand zu Bussen, Streik und neuem Anbieter.

Woraufhin sich der Mann bedankte und mit seinem dunkelgrünen Wagen durchs Sonnenlicht, vermeidlich zur nächsten Bushaltestelle auf der Strecke, die bald unter anderem auch seine sein wird, verschwand?


Man schimpfte gemeinsam und nicht wenig – mit den anderen wartenden - auf alles, was nur im Entferntesten mit dem Transportgeschäft von Personen zu tun hatte.
Außerdem auf Unternehmen, die ihren Busfahrer keine Einführung über deren zu befahrende Wegstrecken geben.
Das musste ausgesprochen heraus und tat offenbar der Seele gut, sich ordentlich Luft zu machen?

Viele der Wartenden gingen nach einigen Minuten des unruhigen Wartens.
Ich suchte den nahen Friedhof auf. Zückte ein Buch aus meiner Tasche und las endlich die Geschichte rund um „Die Geschichtensammlerin" zu Ende. Ein Buch, das vor menschlicher Wärme knistert. Gerade, weil es in dem Buch auch den ein oder anderen raffgierigen Charakter gibt, bei dem die Schattenanteile über christliche Werte triumphieren. Selbst die Protagonisten haben – wie im echten Leben – alle ihre Hochs und Tiefs im Menschsein.

Das Sitzen auf einer der Friedhofsbänke mochte ich sehr.
Trotz nur weniger Besucher war es auf dem Friedhof alles andere als Grabesstille.
Vöglein zwitscherten. Ein warmer, angenehmer Wind umspielte meinen Körper. Die Sonne schien mit Wucht hinab, konnte mir jedoch, der im Schatten saß, mit Getränken aus der Tasche ausgestattet, kaum zusetzen.
Die Gräber wirkten im Sonnenlicht eher wie aneinandergereihte Ausstellungsstücke, als wie Trauerplätze, die vom Leben, Erinnerungen, Sterben und Liebe erzählen.

So gegen 15 Uhr 40 trudelte ich gemächlich wieder Zuhause ein.
Brachte mein Zimmer auf Vordermann. Was bei weitem derzeit nicht die Wirkung auf mich hat, wie von Oktober bis April, wo der Geruch von Möbelspray und der Anblick eines aufgeräumten Schlafzimmers heftige Glücksgefühle immer wieder aufs Neue in mir auslösen.


Für knappe zwei Stunden schaute ich auch in meinem Stammchat vorbei.
Was normalerweise samstags selten bis nie geschieht. Meine festen Tage, wenn man diese so nennen möchte, sind eigentlich dienstags und sonntags.

Mein Eindruck, denen geht's nicht anders als mir? Die leben auch ordentlich ihr Leben und sind gerne als Mensch hier auf unseren Planeten Erde unterwegs.

Die Europameisterschaften der Leichtathleten verfolge ich aufmerksam im TV. So auch am Samstagabend und sicher noch bis zu ihrem Ende am Mittwoch.


Trotz des vermaledeiten warten auf den Bus war das ein durchweg leichter, sonnendurchfluteter, energievoller, seichter Samstag, den ich genauso immer wieder ohne allzu viel dabei an anderen oder mir herumzumäkeln genauso verleben könnte.



Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! Wer immer ihr auch seid!?




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