Verwundert bin ich darüber, dass man mittlerweile Dinge die für die eigene Operation benötig und von Ärzten verwendet werden, selbst bei der Apotheke einkaufen muss.
So geschehen und gesehen bei Bruder.
Der eine Kiste mit Verbänden, Schere, Spritzen und weiterem Zeugs für 45 Euro zur Verwendung bei der Lymphknotenoperation und zur Nachbehandlung bezahlte.
Die Operation dauerte keine dreieinhalb Stunden.
Sondern lediglich knapp zwei. Was meiner Meinung aber auch völlig ausreicht.
Soweit ich das mitbekam sind nur der Fuß betäubt worden, bei dem man den Fußnagel – den Verursacher für den Knubbel im Oberschenkel – entfernte.
Bruders Fuß ist nun in einen Verband gepackt, darüber ist nochmal zum Schutz eine Art durchsichtige blaue Mülltüte darübergestülpt.
Bruder hat die Operation prima überstanden.
In den nächsten Tagen sollen die Fäden gezogen werden, danach wird er wohl weitere 14-Tage krankgeschrieben, bevor er wieder munter, schmerzfrei und ohne Handicap durch den Alltag stampfen kann.
Auch die Kerberöffnung liegt mittlerweile hinter mir.
Bedauerlicherweise waren meine Eltern in diesem Jahr hierfür nicht zu begeistern. Die waren verständlicherweise müde und mitgenommen von den Geschehnissen rund um den Lymphknoten ihres ältesten Sohnes.
Eltern hören eben nie auf Eltern zu sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Sohn bereits das 50. Lebensjahr erreicht hat oder auch nicht
Umso mehr mochte ich es, in diesen vertrauten Rhythmus und Geschehnisse der Eröffnung, der seit zwei Jahrzehnten nahezu gleich ist – ich, solange schon fotografisch begleiten darf – einzutauchen.
Die Prinzessin und ihre Hofdame werden nach zuvor einen kleinen Umtrunk und Essen (Häppchen, Würstchen, Brezeln, Leberwurstbrote), denn die Familie der ins Amt eingeführte Prinzessin ausrichtet zum Rathaus gefahren, begleitet von der Feuerwehr, die auch den Kerbebaum zum Rathaus transportiert, dem Blasorchester das musizierend vorneweg marschiert.
Plus einen Fotografen der von der rechten Straßenseite auf die Linke wechselt und schnaufend versucht alles in Bild einzufangen. 😉
Außerdem, das ist wohl der neue Trend, laufen auch seit einigen Jahren zahlreiche Repräsentanten von der Sonnenbotschafterin bis zu Weinmajestäten aus anderen Ortschaften mit zum Rathaus. Die natürlich auch schon zum „Umtrunk" im Zuhause der Prinzessin eingeladen waren.
Ich mag das, verleiht es der Zentralen Veranstaltung im Ort nochmals mehr Glanz.
Am Rathaus werden dann alle Anwesenden ob Besucher oder Amtsträger vom Bürgermeister begrüßt. Danach werden die alten Majestäten verabschiedet, die neue und ihre Hofdame eingeführt.
Dazwischen Beiträge vom Blasorchester. Meistens – das lockt natürlich auch viele, Eltern und Großeltern vor das Rathaus – dürfen noch die kleinsten und jüngsten aus den Tanzgruppen auftreten.
Auch wird der Kerbebaum durch die Feuerwehr zu den klängen des A-Teams aufgestellt.
Danach werden die heimische Prinzessin und Hofdame von Freunden, Bekannten, Neugierenden-Besuchern, Verwandten und den anderen Majestäten von nah und fern beglückwünscht und es werden zahlreiche Erinnerungsbilder gemacht.
Die nun in ihr Amt eingeführte Prinzessin und ihre Hofdame bewältigten die Herausforderung Eröffnung gut und die verabschiedeten Majestäten nahmen Tränenreich Abschied.
In den vergangenen Jahren nahm das Interesse an der Kerb wieder zu.
Dieses Jahr jedoch war der gesamte Kerbeplatz von Menschen ausgefüllt. Ein toller und wertschätzender Anblick.
Es gibt ein Festzelt, in dem ein DJ spielt und in den nächsten Tagen auch einige Bands. Ein Karussell für die kleinsten Kerbbesucher. Einen „Stardancer" für junggebliebene und Jugendliche; ein Fahrgeschäft, das aussieht als würde man auf einer überdimensionalen Couch sitzen, dann wird man von rechts nach links, wieder zurück und in Himmelshöhe geschleudert.
Ein Schussstand. Entenfangen. Bratwurstständchen. Pizzastand. Eine Bude an den Fischspeisen verkauft werden. Süßwarenstand. Crêpes und Kaffeelädchen. Bier- und weitere Getränkestände. Dosenwerfen. – Also die Ortsgemeinde hat wirklich alles getan, um ihren Bürgern etwas anzubieten.
Ein großes Lob auch an alle die Freiwilligen Helfer, die so ein Fest in langer Vorbereitung möglich machen.
Unter anderem stehen auch mehrere Gruppen aus dem Verein, für den ich als Übungsleiter tätig sein darf bis teilweise halb drei Uhr nachts am Getränkestand am Festzelt.
Überall sagte man sich „Hallo". Darunter auch Menschen, die normalerweise nie „Hallo" sagen – obwohl man sich vom Sehen und flüchtigen Floskelaustausch aus der Vergangenheit durchaus kennt.
Umso schöner und besser.
Alkohol – und eine gute Festatmosphäre lösen durchaus versteinerte Zungen. Was ich zwar nicht durch Alkohol aber durch die Wirkung der Stimmung auch bei mir (einmal mehr) feststellte.
Das war ein durchaus gelungener und schöner Abend.
Heute, Samstag.
Mamas Geburtstag wirft seinen Schatten voraus.
Dazu will ich die Zeit nutzen, um neben Geburtstagsgeschenken zu besorgen, auch noch ein wenig Lesezeit für mich im Adenauerring abzuknapsen.
Der Abend. Ein weiterer Kerbbesuch? Oder ein ruhiger Abend Zuhause.
Bilder zum Bearbeiten liegen hier auf der Festplatte auch noch tausende herum, es kommt mir vor als würden es täglich mehr.
Mit geht's gut.
Seid nett zueinander und passt gut auf Euch auf! Wer immer ihr auch seid!?"
