Die wirklichen schlimmen Sachen, werden abgeschottet vom freien Internet im Darknet gemacht, keine Frage. Dort werden gerne auch Identitäten von Nutzern gehandelt (s. RBA 🔗) und dergleichen mehr. Hier liegt nun die Schnittstelle zum normalen Netz, denn irgendwie muss man an diese Identitäten kommen. Da helfen seit jeher Viren, Trojaner und vieles mehr den Kriminellen.
Früher allerdings war es bedeutend schwieriger, sich einen Virus einzufangen. Man musste schon richtig was dafür tun. Meist irgendetwas herunterladen und entpacken. Zweifelsohne gab es genug Doofe, die sowas auch taten – man denke nur an den "Porndroid", der vielen Nutzern zum Verhängnis wurde. Dennoch sprach es sich auch bei diesen langsam herum, dass man eben nicht jeden Quatsch öffen oder auf den eigenen Rechner ziehen soll. Auch wenn die Masche immer noch läuft und man täglich Phishingversuche in seinem Emailfach hat, sollte dieser Weg langsam nicht mehr lukrativ in Bezug auf Adressenbeschaffung und -handel sein. Streamingangebote und Appstores waren dann der nächste Schrei als Virenschleuder. Immerhin ist da der Download von Datenpaketen, egal ob temporär oder dauerhaft, ja essentiell. Schnell waren die großen Pornoportale im Verruf, die Virenschleudern schlechthin zu sein. Setzten sie doch auf ein Prinzip, dass User Videodateien hochladen konnten, die dann schnell von vielen abgerufen wurden. Solche manipulierten Daten schwirren dann schnell durch den virtuellen Äther und Porno zieht nunmal. So erreicht man am schnellsten die meisten Leute. Aber auch hier hat sich das schon rumgesprochen. Die Portale selber wollen ihren Ruf auch irgendwie schützen und investierten in Sicherheit, scannen die Uploads auf Viren, ebenso wie die Nutzer ihre Geräte mit Antivirensoftware schützen und das zum Teil so gut, dass sich auch dieser Weg nicht mehr lohnt.
Eine neue Idee musste her und man erfand sogenannte Drive-By-Viren. Also Schadsoftware, die man nicht mehr explizit entpackt oder anfordert, sondern die bereits beim Aufruf der Seite automatisch installiert wird. Zwar erkennen Antivirenprogramme viele davon, aber sie können auch nicht alle kennen und Unbekannte rutschen gerne durch. Dank dem Einsatz von KI beschleunigte sich auch die Entwicklung solcher Malware. Ein stetes Wettrennen darum, wer wen überlistet. Ein Katz-und-Mausspiel von Entwicklern beider Seiten. Der pure Einsatz einer Antivirensoftware ist somit kein vollständiger Schutz und kann es auch nicht sein. Wie aber bringt man viele Nutzer dazu, eine bestimmte Seite aufzurufen, damit die Infektion funktioniert?
Hier kommt das SEO-Poisoning ins Spiel. SEO ist eine Abkürzung für Seach Engine Optimization, also Suchmaschinenoptimierung. Keywords spielen schon lange keine Rolle mehr; sie werden von den bekannten Suchmaschinen ignoriert. Man indiziert vielmehr die ganze(n) Seite(n) nach zig Faktoren und je besser ihr Inhalt zu einer Suchanfrage passt, umso weiter oben taucht sie in den Suchergebnissen auf. Hacker basteln also seriös wirkende Seiten, die sie extra auf bestimmte Themen auslegen und erstellen diese Seiten so, dass viele Suchanfragen genau darauf zutreffen und möglichst viele Nutzer diese aufrufen. Schon hat man sich einen veritablen Trojaner eingefangen, von dem man eigentlich gar nichts merkt. Man zieht enttäuscht weiter, weil die Seite, die man aufrief, nicht das ist, was man sich erhoffte.
Diese Suchmaschinenvergiftung hatte neulich in Australien sehr viele Rechner infiziert und diese Art von Hacking stellt zunehmend die Nutzung des Internets, wie wir es bislang kannten, infrage. Nicht zuletzt auch unter dem Aspekt der exponentiellen Entwicklung von und mit künstlichen Intelligenzen.
Das Internet hielt schon früh diverse Gefahren für die Nutzer bereit. Ein Umstand, den die Freiheit dieses neuen Mediums mit sich brachte. Jeder konnte quasi alles machen ohne dass es einer Kontrolle im Vorfeld bedurfte. Das war auf der einen Seite etwas tolles, denn nun hatte jeder die Chance, seine Ideen in die Tat umzusetzen. Auf der anderen Seite blühte damit aber auch das krumme Geschäft. Sich dazwischen zurechtzufinden, bleibt dann Aufgabe des Nutzers.
