Am Samstagabend war es mir wichtig, die Sitzung fĂŒr meinen Fastnachtsverein festzuhalten. Vertraute Gesichter, nette Schulterklopfer, eine gute AtmosphĂ€re â manchmal braucht es eben nicht mehr.
Prinzessin und Kinderpaar waren gutgelaunt. Die âBĂŒhnen-Schubser" zuverlĂ€ssig. Irgendwie war es seltsam, dass bei der Fastnacht zwei Mitglieder des Fastnachtsvorstands durchgehend moderierten.
Es gab keinen Elferrat auf der BĂŒhne. Man erklĂ€rte mir, dass die âJungen Fastnachter" das nicht wollten.
Zwei der Ă€lteren Fastnachter â und ehemalige SitzungsprĂ€sidenten â Ă€uĂerten sich, dass das der Grund fĂŒr den RĂŒckgang der TicketverkĂ€ufe war. Es sei eineinhalb Reihen weniger Tische aufgestellt worden als ĂŒblich. Dass man von der traditionellen Fastnacht abweiche, hĂ€tte sich bereits im Vorfeld im Ort herumgesprochen und sei mit ausschlaggebend fĂŒr den RĂŒckgang der Besucherzahlen gewesen.
Die Halle war dennoch gut gefĂŒllt. Vielleicht mit weniger Zuschauern, aber dafĂŒr mit einem Publikum, das richtig Lust auf Fastnacht hatte. Seit Jahren war es nicht mehr so ruhig wĂ€hrend der VortrĂ€ge der Akteure. Es wurde zugehört, gelacht, und niemand plapperte ungehörig dazwischen. Geschunkelt, gesungen und gemeinsam viel Blödsinn gemacht. Bis auf den fehlenden Elferrat â sonst war meiner Meinung nach nichts groĂ anders als in den Jahren zuvor. AuĂer dass, wie schon erwĂ€hnt, den Akteuren wieder die BĂŒhne gehörte und es keine unliebsamen, lauten NebenschauplĂ€tze gab.
Ich habe in der Vergangenheit sicher schon stĂ€rkere Sitzungen erlebt. Dennoch war diese Sitzung vom ersten bis zum letzten Beitrag gelungen. Hin und wieder hĂ€tte das Publikum vielleicht noch etwas mehr aus sich rausgehen dĂŒrfen. Aber das war â und ist â mehr als verschmerzbar.
Einmal im Jahr tut mir mein BĂ€uchlein weh, wenn ich in die âFutterkammer" komme und vor und nach der Fastnachtsitzung die ungewöhnlichsten Essenskombinationen in mich hineinstopfe. Nudelsalat, dann GummibĂ€rchen, gefolgt von Frikadellen, dann Marmorkuchen, Schokolade, spĂ€ter noch ein Fleischwurstbrötchen. Bei den GetrĂ€nken wandle ich zwischen Wasser und verschiedenen Cola-Varianten (light, zuckerhaltig, Zero, Koffeinfrei).
Die âFutterkammer" ist fĂŒr die Helfer und Helfenden meines Fastnachtsvereins gedacht â der eigentlich gar nicht mein Fastnachtsverein ist, weil ich ja kein Mitglied bin, sondern schon seit 16 Jahren alles fĂŒr diesen Fastnachtsverein in Bildern festhalte. Die Leute waren bei den KostĂŒmen sehr einfallsreich: Trolle trollten in Rosa und GrĂŒn durch die Halle, Vampire, Frauen in Lederröcken, Prinzessinnen, noch nie habe ich so viele verkleidete Polizistinnen gesehen, dazu Clowns, Gefangene, Rocker und sogar Erdbeeren gab es zu bestaunen.
Kurz vor Mitternacht ging die Sitzung zu Ende. Ich nahm noch gut und gerne zwei Stunden Aftershow-Party mit, bis ich der Meinung war, dass sich die Bilder wiederholten.
Die meisten Fotos habe ich bequem mit dem gröĂeren, neuen Objektiv gemacht, das ich zu Weihnachten bekam. Besonders bei den TanzvorfĂŒhrungen liefen mir viele Eltern, Geschwister und andere Mitglieder der Tanzgruppen vor der BĂŒhne herum, die ebenfalls Fotos machen wollten oder mit dem Handy den Tanzvortrag festhalten wollten.
Am Sonntagmorgen fiel ich nach dem Herunterladen der Bilder und einer Foto-Putzaktion in mein Bett und schlief bis in den frĂŒhen Nachmittag hinein. Am Nachmittag ging es wĂ€hlen mit den Eltern. Mein Bruder wollte erst mit uns zusammen ins Wahllokal gehen, entschied sich aber dann, frĂŒher zu gehen, da er am Nachmittag mit einer sehr guten Freundin verabredet war.
Ich war erstaunt. Was ich mir in den Letzten 48 Stunden zurechtgelegt hatte, stand teilweise dann nicht auf meinem Wahlzettel. Nein, die âSchlumpf-Partei" hat natĂŒrlich immer noch keine Stimme von mir eingesackt. Dennoch staune ich ĂŒber meine Impulswahl und finde sie rĂŒckblickend sogar noch besser.
Der Abend gehörte der Berichterstattung ĂŒber die Wahlen auf der ARD.
Ich lauschte dem Ganzen, wÀhrend ich hier vor dem Computer versuchte, meine Fastnachtsbilder zu bearbeiten.
Ausblick auf die Woche: SpĂ€testens ab Donnerstag wird die Fastnacht von mir vollstĂ€ndig Besitz ergreifen. Ich freue mich auf die kommenden EinsĂ€tze und Veranstaltungen und noch mehr â wenn die UmzĂŒge durch die StraĂen rollen. Hoffentlich setzt auch dieses Jahr wieder das generationenĂŒbergreifende Miteinander-Feiern ein. Einfach die âtollen Tage" genieĂen, abschalten von all dem bösen Unsinn, der die Welt manchmal so viel grausamer macht, als sie sein mĂŒsste. Aber dafĂŒr den eigenen Schabernack freien Lauf lassen, ohne dass er jemanden verletzt und vielleicht anderen eine Freude bereitet und ein LĂ€cheln aufs Gesicht zaubert.
Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?
