Bald sind es 10 Jahre, in denen du nicht mehr da bist Papa.
10 Jahre, in denen ich unsere Gespräche immer noch in meinem Kopf widerhallen höre.
10 Jahre, in denen ich noch immer weiß, wie sich deine Stimme anhörte.
10 Jahre, in denen du fehlst und in denen ich jeden Tag an dich gedacht habe.
Nach deinem Tod, saßen alle zusammen und erzählten lustige Geschichten über dich. Wahrscheinlich um Mama etwas zu trösten, damit sie nicht völlig in Trauer versinkt. Manche erzählten von ihrem letzten Gespräch mit dir. Dabei hörte ich viele, schöne Sätze die ihr noch austauschen konntet, dachte aber währenddessen daran, was unsere letzten Worte waren. "Morgen gibt es dein Lieblingsessen, Blumenkohlauflauf", sagte ich beiläufig zu dir. Ich konnte ja nicht ahnen, dass das unsere letzten Worte miteinannder waren. Ich hätte dir gerne schönere Worte gesagt - Welche, die ausdrückten was ich für dich empfinde. Aber so war es nun mal. Als du dann nicht mehr bei uns warst und alle sich austauschten, wünschte ich mir, ich könnte dir sagen was ich wollte. Wochen vergingen und dieser Wunsch plagte mich regelrecht. Ich war traurig darüber.
Doch etwa 2 Wochen nach deinem Tod träumte ich nachts von dir. Wir saßen im Auto - du am Steuer, ich als Beifahrerin. Wir waren unterwegs und ich sah dich von meinem Platz aus an, als du konzentriert wie immer, am Lenkrad saßt. Sofort bemerkte ich, dass das ein Traum war. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich mir vollkommen bewusst, dass ich träume. Ich wollte gerade anfangen zu sprechen, als du mich mit ruhiger Stimme unterbrachst und mir sagtest: "Schätzjen, du weißt, wenn die Autofahrt vorbei ist, sehen wir uns nie wieder." Ich fragte dich, was du damit meintest und du sagtest: "Wenn wir angekommen sind, bin ich weg." Mir wurde bewusst, dass ich nicht viel Zeit hatte, also sagte ich dir, wie sehr ich dich liebe und das ich dich unendlich stark vermisse. Du sahst von der Fahrbahn weg zu mir und lächeltest.
Ich wachte auf. Sämtliche Gefühle pulsierten stark in meinem Körper. Glücksgefühl, Trauer, Freude. So intensiv hatte ich schon ewig nicht mehr geträumt. Ich dachte tagelang über diesen Traum nach. War ich so verzweifelt, dass mein Unterbewusstsein mir noch einmal diese Chance geben wollte, dich zu sehen und dir zu sagen was ich dir sagen wollte?!
Leider war das der letzte und einzige Traum, den ich von dir hatte. 10 Jahre sind nun vergangen seit du nicht mehr da bist und ich habe seitdem nie wieder von dir geträumt. Nicht mal eine Sekunde. Als wäre es ein Abschied auf anderer Ebene gewesen. Der Abschied, den ich mir gewünscht hatte.
Manchmal hab´ich Angst zu vergessen. Dich zu vergessen. Wie deine Stimme klang, wie du dich bewegtest, wie du duftetest, einfach wie du warst. Wenn ich die letzte Generation bin die dich kannte, was passiert dann wenn ich irgendwann sterbe... wenn jeder der dich kannte nicht mehr da ist und es keine Erinnerung mehr an dich gibt, ist es so, als hättest du nie existiert. Aber...so ist der Lauf der Dinge. Das Vergessen wird irgendwann eintreten.
P.s.: Mama macht sich gut. Sie kämpft ihre Kämpfe und hat meine Unterstützung. Mach´dir keine Sorgen, ich passe auf sie auf.
Wir vermissen dich!
