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Post für dich, Papa

Luni
29. März 2025(bearbeitet)
7 Aufrufe
Noch nicht bewertet

 Bald sind es 10 Jahre, in denen du nicht mehr da bist Papa. 

10 Jahre, in denen ich unsere Gespräche immer noch in meinem Kopf widerhallen höre. 

10 Jahre, in denen ich noch immer weiß, wie sich deine Stimme anhörte.

10 Jahre, in denen du fehlst und in denen ich jeden Tag an dich gedacht habe.


Nach deinem Tod, saßen alle zusammen und erzählten lustige Geschichten über dich. Wahrscheinlich um Mama etwas zu trösten, damit sie nicht völlig in Trauer versinkt. Manche erzählten von ihrem letzten Gespräch mit dir. Dabei hörte ich viele, schöne Sätze die ihr noch austauschen konntet, dachte aber währenddessen daran, was unsere letzten Worte waren. "Morgen gibt es dein Lieblingsessen, Blumenkohlauflauf", sagte ich beiläufig zu dir. Ich konnte ja nicht ahnen, dass das unsere letzten Worte miteinannder waren. Ich hätte dir gerne schönere Worte gesagt - Welche, die ausdrückten was ich für dich empfinde. Aber so war es nun mal. Als du dann nicht mehr bei uns warst und alle sich austauschten, wünschte ich mir, ich könnte dir sagen was ich wollte. Wochen vergingen und dieser Wunsch plagte mich regelrecht. Ich war traurig darüber. 

Doch etwa 2 Wochen nach deinem Tod träumte ich nachts von dir. Wir saßen im Auto - du am Steuer, ich als Beifahrerin. Wir waren unterwegs und ich sah dich von meinem Platz aus an, als du konzentriert wie immer, am Lenkrad saßt. Sofort bemerkte ich, dass das ein Traum war. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich mir vollkommen bewusst, dass ich träume. Ich wollte gerade anfangen zu sprechen, als du mich mit ruhiger Stimme unterbrachst und mir sagtest: "Schätzjen, du weißt, wenn die Autofahrt vorbei ist, sehen wir uns nie wieder." Ich fragte dich, was du damit meintest und du sagtest: "Wenn wir angekommen sind, bin ich weg." Mir wurde bewusst, dass ich nicht viel Zeit hatte, also sagte ich dir, wie sehr ich dich liebe und das ich dich unendlich stark vermisse. Du sahst von der Fahrbahn weg zu mir und lächeltest. 

Ich wachte auf. Sämtliche Gefühle pulsierten stark in meinem Körper. Glücksgefühl, Trauer, Freude. So intensiv hatte ich schon ewig nicht mehr geträumt. Ich dachte tagelang über diesen Traum nach. War ich so verzweifelt, dass mein Unterbewusstsein mir noch einmal diese Chance geben wollte, dich zu sehen und dir zu sagen was ich dir sagen wollte?! 

Leider war das der letzte und einzige Traum, den ich von dir hatte. 10 Jahre sind nun vergangen seit du nicht mehr da bist und ich habe seitdem nie wieder von dir geträumt. Nicht mal eine Sekunde. Als wäre es ein Abschied auf anderer Ebene gewesen. Der Abschied, den ich mir gewünscht hatte. 

Manchmal hab´ich Angst zu vergessen. Dich zu vergessen. Wie deine Stimme klang, wie du dich bewegtest, wie du duftetest, einfach wie du warst. Wenn ich die letzte Generation bin die dich kannte, was passiert dann wenn ich irgendwann sterbe... wenn jeder der dich kannte nicht mehr da ist und es keine Erinnerung mehr an dich gibt, ist es so, als hättest du nie existiert. Aber...so ist der Lauf der Dinge. Das Vergessen wird irgendwann eintreten. 


P.s.: Mama macht sich gut. Sie kämpft ihre Kämpfe und hat meine Unterstützung. Mach´dir keine Sorgen, ich passe auf sie auf. 


Wir vermissen dich! 










Kommentare (3)

Fizzy Lemon
29. März 2025, 15:58
Ein sehr emotionaler Beitrag, der tatsächlich unter die Haut geht und jedem, der einmal ein enges Familienmitglied verlor sehr bekannt vorkommt. Diese und ähnliche Erfahrungen machen die Kinder normalerweise und daran reifen die einen und zerbrechen die anderen. Aber es ist gut, wenn man seine Gefühle in solche Känale packen kann und so seine Trauer und manchmal auch Zweifel (mit sich selbst) zu verarbeiten.
John Baker Sander
30. März 2025, 05:03

Hallo, liebe Luni!

Eigentlich wollte ich dir 5 Sterne geben. Aber wenn man zu schnell auf die Sterne drückt … Eigentlich hätte dieser Beitrag nicht nur 5, sondern mindestens die doppelte Anzahl verdient.

Hast du schon einmal über „Luzides Träumen“ nachgedacht?

Die Intensität und das ewige Vermissen hört man in jedem Satz heraus. Du hattest wohl eine wundervolle Beziehung zu deinem Papa – und ich kann das gut nachfühlen. Ich finde die letzten Worte rund um den „Blumenkohlauflauf“ schön. Zumindest war es etwas, das dein Papa gemocht hat.
Ich glaube, gegen diese Furcht des Vergessens kämpft man immer, oder?

Der Traum, deine guten Wünsche, deine Emotionalität, dein Mitgefühl und deine Liebe – lass dir das nie nehmen!

Ein wundervoller Eintrag, der Hoffnung gibt und hoffentlich von vielen gelesen wird.



Lieben Gruß
Schattenglut
01. Apr. 2025, 17:01
Eine ergreifende Geschichte, die sowohl das Unterbewusstsein, als auch kognitive Gedanken anspricht, die Menschen nach einem Verlust begleiten. Verluste bedeuten kleinere oder größere Krisen, die schmerzlich sind, aber durch die Bewältigung auch die Entwicklung befeuern, eine Transformation auslösen ...
Echt toll, Luni!
Was Du so offen zu Papier bringst, kann nicht nur Dir helfen, sondern auch Medizin für andere Menschen sein, die ähnlche Dinge beschäftigen. Die Worte, die Du für den Brief gefunden hast könnten nicht besser sein und auch wie Du Deine Mutter in dem Schreiben bedacht hast, hat mir sehr gut gefallen.
Von mir bekommst Du dafür auch einen Himmel voller Sterne ...
GLG Lisa
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