Letzten Samstag war ich mal wieder dran Brötchen zu holen. Meistens machen wir das gemeinsam, aber heute war so eben so ein Tag, an welchem ich alleine gehen musste. Die Brötchen hatte ich also in der Tüte, als ich Richtung Heimat gegangen bin. Ja – sie sind noch in der Tüte, erst am Nachmittag, habe ich mir meinen ersehnten Brötchenbeutel gekauft. Endlich kein überflüssiger Müll mehr, denn nur bei der Brötchentasche blieb es natürlich nicht.
Der Weg führt mich am Rand eines Parkplatzes vorbei, von welchem ein Weg ab Richtung meine Wohnung geht. Auf einmal huschte von rechts nach links ein weißes Häschen meinen Weg. So ein typisches weißes Häschen mit ein paar braunen Flecken, soll heißen kein wildes Kaninchen. Da ich selber in einer Gruppe (soziale Medien), in welchen Menschen posten können wenn sie ihre Tier vermissen oder ein Tier gefunden haben, war ich sofort alarmiert.
Vielleicht war es so zutraulich, dass ich es anfassen konnte? Aber schon auf dem Weg dahin passierte es – ein zweites Kaninchen hoppelte an mir vorbei zu seinem Kumpel. Das konnte doch jetzt kein Zufall mehr sein?!
Aufmerksam ließ ich meinen Blick wandern, und gar nicht weit weg von mir stand ein Gartentor offen. Ich witterte meine Chance und spähte hinein. Da standen ein Hasenstall und ein Außengehege. Vermutlich waren die beiden Kaninchen aus diesem Garten entwischt.
Jetzt kommt wieder diese Schwelle die man übersteigen muss. Es ist früh, was ist wenn die Kaninchen nicht von da kommen und ich nun jemand wildfremdes aus dem Bett klingel? Aber wenn meine Hunde entwischen würden, dann würde ich auch wollen, dass mir geholfen wird und Menschen sich um sie kümmern.
Ich habe angeklingelt und es öffnete ein Mann, der mich auch sofort mit den Worten: „ Ja sie sind wegen der Kaninchen hier", begrüßte. Die Häschen würden immer wieder zurückkommen und das wäre bei denen völlig normal.
Selbstverständlich war ich beruhigt, dass das Zuhause dieser beiden Tiere so schnell gefunden wurde, aber den Umgang mit den Tieren finde ich etwas fragwürdig. Es ist schön für sie, wenn sie so viel Auslauf wie es geht bekommen können, aber auf dem Parkplatz fahren Autos (und das nicht nur in Schrittgeschwindigkeit) und die Straße ist auch keine hundert Meter entfernt.
Trotzdem ging ich an diesem Tag mit einem guten Gewissen nach Hause, dass ich, auch wenn es nicht erforderlich war, geholfen habe. Das ist doch genau das, was in der heutigen Zeit immer weniger wird und ich hoffe, dass wir alle ein Stück weit wieder menschlicher und empathischer werden und dieser Prozess der Verrohung der Gesellschaft endlich beendet wird.
