Das Wochenende ist zu glatt gelaufen.
Das Zimmer sieht gerade aus, als hätte jemand lauter kleinen Müllberge aufgehäuft. Hier liegen ausgedruckte Bilder herum, buntes und weißes Druckerpapier, Buchrechnungen, Kontoauszüge (wobei ich mir das nicht erklären kann, die Hefte ich eigentlich sofort weg). Zwischen drei bis fünf Wasserflaschen, leere und halbvolle Deodorantdosen. Alte Ausweise für die Wettkampfberechtigungen. Brillentücher, Sportbücher, Fotohüllen, alte Busfahrkarten, Bus-Pläne und ein alter QR-Code von unserem Verein aus der Corona-Krise.
Das Training von den jüngeren war in Ordnung.
Bei den älteren verließ uns eine Trainingsteilnehmerin.
Sie meinte, ich wäre zu streng gewesen, hätte gemeckert, als sie sich für ein Training abmeldete. Sie sei ja immer da.
Ich erklärte ihr, dass das so gar nicht der Fall war. Ich bot ihr an, nochmals mit dem Team und mir zu reden. Das wollte sie nicht. „Die Entscheidung steht", ließ sie mich wissen.
Das Team bekam ein Körbchen mit Naschereien und ich ein unfreundliches „Danke für die Müh" samt einem Päckchen Schokoladenpralinen in die Hand gedrückt.
Ich bat sie, dem Team mitzuteilen, dass sie nicht weitertrainieren wird. Das tat sie auch. Als die anderen fragten warum, sagte sie: „Das muss ich nicht sagen!"Die Enttäuschung bei den anderen Trainingsteilnehmern war groß, sie war dort schließlich sehr beliebt.
Bin ich sauer? Nein. Ein bisschen enttäuscht, ja. Aber es ist eben ein Teenager. Und Teenager entscheiden manchmal spontan oder aus dem Bauch heraus. Nicht immer so, wie wir Erwachsene es erwarten würden. … und ob man es glaubt oder nicht, ich war auch mal einer. 😉 Auch wenn das schon eine ganze Zeit her ist. Und in diese Teenagerzeit möchte ich nicht mehr zurück.
Ich sagte ihr auch, sie hat sich hier nichts zu Schulden kommen lassen.
Darf jederzeit wieder zu den Übungseinheiten kommen. Aber für mich war ihr Argument nicht wirklich nachvollziehbar. Und ich meinte auch, dass man durchaus erwarten darf, dass man, wenn man schon so lange dabei ist, einmal wirklich das Gespräch mit dem Team und dem Trainer sucht.
Das wirkte für mich eher nach einem suchen nach einem leichten Ausweg. Vielleicht einfach ein Weg, es sich leichter zu machen, den Abschied zu erklären.
Ich bot ihr auch noch zum Ende der Übungsstunde hin an, das Gespräch gemeinsam mit ihren Eltern zu suchen. Auch das lehnte sie ab: „Meine Entscheidung steht."
Vielleicht wird es nach viereinhalb Jahren auch einfach Zeit für etwas Neues für sie?
Übrigens: Trainiert hat sie bis zum Schluss einwandfrei. Rief sogar noch das Team ruf mit.
Seit Mittwochabend, das war mit dem Ersten, was ich nach dem Heimkommen gemacht habe – habe ich mir auf dem PC ein Trainertagebuch angelegt. Darin halte ich jetzt genauer Auffälligkeiten in den Übungsstunden fest.
Zurück zu meinen Schubladen. Zwei der fünf Schreibtischschubladen – nämlich die auf der linken Schreibtischhälfte – sind bereits gesäubert und aufgeräumt. Schublade Nummer drei liegt hier noch herum wie eine Papierexplosion aus alten Fernsehzeitschriften, Druckerpapier und all dem anderen, was ich zu Anfang dieses Blogs beschrieben habe.
Wenn mir das alles zu viel wird, lasse ich vielleicht das mit dem Sport sein (… was ich übrigens nicht vorhabe!) und werde Anleiter fürs Schubladenaufräumen. Schubladen hat auch jeder, sie gehören wie Dinge im Leben, die einem gar nicht oder sehr gut gefallen, ab und an eben auch mal aufgeräumt.
Ich stehe da mittendrin im Aufräumprozess.
Passt gut auf euch auf und seid nett zueinander, wer immer ihr auch seid!?

der Artikel war wieder sehr gut geschrieben. Ich fühle mit dir mit gg, aaaber eins wollte ich noch dazu sagen, also wennst fertig bist mit deinen Schubladen gel, ich hab hier auch 2 so unliebsame Dinger ^^ .
Du bist herzlich eingeladen hier weiter zu machen. ;) gg
Liebe Grüße und bis bald im Chat