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„The first cut“

John Baker Sander
1. September 2026(bearbeitet)
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Gestern Abend kehrte „The First Cut Is The Deepest“, gesungen von „Rod Stewart“, zurück in meinen Gehörgang. – Immer wieder lächele ich darüber, wenn das Publikum schon vor „Mr. Stewart“ beginnt zu singen.
Der dann ins Mikrofon schelmisch appelliert, wie man auf einem bekannten Videoportal auch sehen kann: „You can´t start without me“ (ihr könnt nicht anfangen ohne mich).


Worms tat mir gut. – Zuerst verschlug es mich in die „Kaiserpassage“, wo ich einen Termin für einen Haarschnitt ausmachte. Was sich ungewöhnlich anfühlte – war ich doch bisher und in den zumindest letzten 45 Jahren stets nur bei meinem Stammfrisör Kunde.

Man sagte mir doch freundlich, aber bestimmt: „Aber erst um 18 Uhr.“
Ich: „Perfekt.“

Warum perfekt, wollte ich doch – wie immer, wenn es auch nur ansatzweise möglich ist – zur Eröffnung des (93.) Backfischfestes.


Ich war bereits um 14 Uhr 45 am Rathausplatz.

Die meisten Zuschauersitze waren schon belegt. Ich stellte mich hinter der letzten Stuhlreihe auf, holte die Kamera aus der Tasche und wechselte zum größeren Objektiv. Stand dort in Gesellschaft. Angenehm oder nicht, lässt sich nicht sagen, da wir nicht sprachen. Zumindest gingen wir uns nebeneinander nicht auf den Geist. Das war schon viel wert.

Die Bühne war wie jedes Jahr die gleiche.

Das schafft Vertrauen. Ich mag das, wenn ich Dinge kenne. – Einfach, und sieht man von einigen Blumenkästen ab, die ein Farbtupfer sind, schnörkellos gehalten. Somit spielen auch die Menschen auf der Bühne die Hauptrolle und nicht das Drumherum.

„Ahoi“, begrüßte der Moderator – leitete damit die Eröffnung ein und schon nahm der Fanfaren Corps Worms die Bühne ein. Immer wieder beeindruckend, die traditionsbewussten Musiker in den grünen Uniformen mit den gelben Streifen zu sehen. Ob sie nun musizieren, Fahnen schwingen oder auf die Trommel schlagen.


Dann kamen die Zusehenden, ob mit oder ohne Objektiv vor der Nase, in den Genuss des Gesellentanzes. Der das erste Mal 1483 aufgeführt wurde. Auch hier machen die rot-weißen Uniformen echt was her – der Tanz, der musikalisch von einem Pfeifer-Marsch begleitet wird, klingt wie ein überdrehter Handyklingelton auf Speed aus der Werbung der 90er Jahre. Sehr fröhlich, doch man hört sich an der munteren Melodie ausgesprochen schnell satt, finde ich. Missen wollte ich es trotzdem nicht, das gehört wohl dazu. Und so alte Menschen wie ich brauchen eben ihre festen Gewohnheiten.

Der Oberbürgermeister hob das Ehrenamt heraus und dankte den Sponsoren. Dass das Radio „RPR1“ ein Sponsor des diesjährigen Backfischfestes ist, hat mich aufhorchen lassen. … warum? Weil man die Marke kennt, der Sender hin und wieder eben auch im Autoradio läuft.


Ministerpräsident „Gordon Schnieder“ sprach Grußworte und ermunterte zum Zusammenfeiern. Er sah deutlich breiter aus als im TV – normalerweise ist es ja andersherum, aber vielleicht schmeckt ihm ja das Politikerleben besonders gut.

Ich empfand, dass er breiter in seiner Statur wirkte, was ihm was fast Väterliches verlieh.

Es folgten weitere Grußworte und eine Geschenkübergabe eines Schaustellerpferdes an den scheidenden Ortsbürgermeister. Dazu gesellten sich auch die Figuren: „Bojemääschter vun de Fischerwääd“ (Markus Trapps) und die Backfischbraut (Romy).


Danach gab es für die Gesellentänzer und den Fanfaren Corps die Ehrennadel vom Backfischfest für besondere Verdienste.
 


Der nächste Programmpunkt war die symbolische Amtsübergabe des Oberbürgermeisters von Worms an den „Bojemääschter vun de Fischerwääd“ und die Backfischbraut.


Bauer und Fraa lieferten sich ein Streitgespräch, wobei die sich in diesem Jahr seltsam einig waren. – Aufgrund des Niedrigwassers im Rhein musste das Fischerstechen in Worms in diesem Jahr abgesagt werden.


Tanz der Fischmarktweiber (in diesem Jahr eine bunte Mischung aus Schülerinnen des Gauß-Gymnasiums Worms und – so wurde gesagt – Frauen, die in den letzten 15 Jahren auch schon den Tanz mit aufgeführt hatten. – Die Inszenierung wirkte in diesem Jahr frisch und spritziger auf mich als in den vergangenen Jahren.


Direkt im Anschluss: Vorstellung der Weinmajestäten und Ortsrepräsentantinnen und -repräsentanten. Beeindruckend, wenn die Gurkenköniginnen, Spargel- und Weinköniginnen auf die Kerbebosche aus der Region treffen und alle – oder zumindest fast alle – in festlichen Kleidern und Anzügen auflaufen.

Gefreut habe ich mich, dass auch die Repräsentanten aus meinem Heimatort unerwartet mit dabei waren. Für den Umzug sind sie nämlich laut Teilnehmerliste nicht gemeldet.


Auch die Grußworte „der Rheinhessischen Weinkönigin“ „Kathrin Knierim“ durften nicht fehlen – ich fand es sehr lustig, wie sie sagte, dass das Backfischfest 10 Tage andauert. Woraufhin ein entrüsteter Gegenwind aus dem Publikum ihr in Orkanstärke zuraunte, dass das nur 9 Tage sind. – Der Moderator moderierte diesen Fauxpas später gekonnt weg, sodass auch das fachkundige Publikum wieder besänftigt war.


Die letzte Tanzaufführung auf der Bühne war der Wormser Lederarbeiter (Gauß-Gymnasium Worms). – Ich mag das ja, wenn die dermaßen stark in die Wasserwannen schlagen, dass die ersten zwei Reihen ordentlich nass werden.

Auffällig früher gab es von den zwei Mädels, die in den Tanz integriert sind, immer für die Lederarbeiter (angedeutete) Küsschen. Diesmal bekamen sie mit einem kleinen Paddel (angedeutet) einen Schlag auf das Hinterteil.

Letztendlich wurde vom „Bojemääschter vun de Fischerwääd“ und der Backfischbraut das 93. Backfischfest für eröffnet erklärt.


Im unmittelbaren Anschluss zog der Backfischfesttross mit sämtlichen Teilnehmern, die an der Eröffnung 2026 teilgenommen hatten, zu Fuß auf die „Kisselwiese“ in Worms, wo das Backfischfest stattfindet.


Von dem Stillstehen auf einem Platz ohne große Bewegungsfreiheit taten mir die Füße kurzzeitig weh. Nach einigen Schritten und der Jagd nach weiteren erinnerungswürdigen Motiven vom Eröffnungsgeschehen für Papa und mein Archiv waren jedoch die gefühlten Wehwehchen schnell vergessen. Insgesamt wurden es genau 399 Bilder, die nun auf der Festplatte ein Zuhause gefunden haben.


Meinen First Cut bei einem anderen Frisör bekam ich pünktlich um 17 Uhr 52. Die Frau, die mir einen Haarschnitt verpasste, der mich gut fühlen lässt, war eine ruhige Plauderin.


Sie bat mich, als ich auftauchte, in einen Stuhl. Wollte mir die Haare waschen, die ich am Morgen extra gewaschen hatte, erzählte mir, dass man das Waschen trotzdem bezahlen muss, da dies laut Firmenpolitik nicht verhandelbar wäre. Den Schnitt ohne Waschen zu wählen? – Dennoch sollte sie einen Haarwaschfetisch haben, durfte die nette Friseurin diesen zumindest nicht an mir ausleben.


Sie schnitt im Sitzen und bat mich mehrmals, tiefer in den Kundensessel zu rutschen, um mir die Komponisten-Mähne besser kürzen zu können.


Routiniert erzählte sie von ihren Eltern, die in einem der Nachbardörfer zu meinem wohnen. Wir quasselten über ältere Eltern. Menschen und die Verantwortung, die man für Menschen, die man liebt, spürt und die man dann auch zumindest – so lange man dazu fähig ist und es kann – auch gerne übernimmt.


Das war jetzt alles andere als ein tiefes Gespräch – doch zugegeben, die Plauderei macht Spaß. – Und wir gingen mit einem „Du“ auseinander. – Ob sie das jedem anbietet, weiß ich nicht.


Zuhause jedoch schilderte mir Vater, dass er ein ganz ähnliches Gespräch mit offenbar derselben Haarspezialistin hatte.
Hoffentlich bin ich nicht auf einen Haarschneide-Roboter hereingefallen, der bei jedem Kunden immer und immer wieder dasselbe Gespräch abspult?



Vater und Mama schauten eine Musikshow.
Ich die geknipsten Bilder.


Bevor ich mich kurz vor dem „aktuellen Sportstudio“ bei Vater auf der Couch niederließ. Mit Vater zusammen den ein oder anderen fies frechen Kommentar über den 1. Spieltag der Fußball-Bundesliga machten, so sehr, dass wir darüber einmal mehr Tränen lachten.


Der Samstag war einfach „sein“, gepaart mit schönem „Backfischfest-Schein“. Außerdem beinhaltete er einen nicht ganz billigen Haarschnitt, mit dem ich mich jedoch gerade so wohlfühle wie seit Ewigkeiten mit keinem  mehr.




Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!?

*Blog wurde bereits am Sonntag, 30. August 2026 verfasst*

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