Mamas
Geburtstag war ein kurzes Stelldichein einiger Verwandter.
So viel kam dabei nicht heraus.
Mamas
Schwester blieb zu kurz. Man merkte ihr auch eine gewisse Unlust an. Nicht auf
Mama.
Sondern, weil sie mit den Gedanken bereits beim Sonntag war. Sie fährt mit
ihrem Hund nach Bayern zum Hundetraining.
Ich kam erst
zum Kuchenessen dazu. War ich doch zuvor in der Halle, um meine Jüngsten zu
betreuen.
So saßen
neben Vater, Bruder und Mutter auch Patenonkel, Patentante und, wie erwähnt,
Mamas Schwester mit am Tisch. Politik – und was Deutschland alles für Patente
aus den Händen gegeben hat – waren die bestimmenden Themen. Spionage der
Chinesen. Neben dem „Klopp-Debüt“.
Danach ging
es für mich zum Empfang der Kirchweih-Prinzessin. Kerb-Prinzessin,
Markt-Prinzessin, wie immer man sie auch nennen möchte.
Die Eltern der zu diesem Zeitpunkt noch ungekrönten Prinzessin und ihrer Hofdame kenne ich schon lange. Wir sind meist gut miteinander ausgekommen. Dennoch war da so ein Gefühl: Mal sehen, ob ich mit offenen Armen empfangen werde?
Ich wurde von der ersten Sekunde an herzlich aufgenommen beim Empfang. Man schien sich sogar zu freuen, dass ich da bin.
Ich dachte
einfach nur: „Wow.“
Einen Moment
später wurde erst die eine Mutter mit ihrer Tochter, der Hofdame, auf deren
Bitte abgelichtet, danach die noch ungekrönte Prinzessin mit ihrer Mutter. Dann
die amtierende Prinzessin mit ihren Hofdamen. Es folgten sämtliche Majestäten
aus der Umgebung. Natürlich auch Helfer und Besucher des Empfangs.
Alle schwärmten von den Kleidern der Hofdame und Prinzessin. Irgendetwas zwischen Blau und Grün, was ich aufgrund meiner Farbenblindheit noch nicht so ganz genau ausmachen konnte.
Fleischkäse
und Softgetränke und auch ein Gläschen Wein konnte man auf dem Empfang
bekommen. Natürlich kostenlos.
Das Wetter spielte mit. Das Blasorchester spielte groß auf, begrüßte die noch immer ungekrönte Prinzessin und ihre Hofdame mit drei Ständchen.
Ich bekam ebenfalls Fleischkäse und Softgetränke, plus den guten Wein vorgesetzt.
Eine halbe Stunde später war das Blasorchester gestärkt und wieder fit für einen Einsatz. Ebenso die Freiwillige Feuerwehr, die die „noch immer ungekrönte Prinzessin“ und ihre Hofdame zum Rathaus eskortierte.
Im Tross
liefen auch die anderen Weinmajestäten, Eltern, Großeltern, Bekannte, Freunde
und weitere Verwandte mit.
Die Mädels winkten adelig. Leider – da nicht so viele auf den Straßen waren, nimmt man die Hauptstraße aus – winkten nicht so viele zurück.
Ich lief wie ein Welpe mit Fotoapparat vorneweg. Fotografierte alles, was mir vor die Linse kam.
Am Rathaus
stiegen die noch immer ungekrönte Prinzessin und ihre Hofdame vom Wagen, der
von einem Traktor gezogen wurde.
Der Bürgermeister sprach über das Fest und dessen Bedeutung.
Ich kniete und fotografierte. Saß auf dem Boden. Fühlte mich wohl. Pausenlos kam jemand vorbei, klopfte mir sanft auf den Rücken oder sagte: „Hallo“. - Mir tat es gut.
Die Minitänzerinnen tanzten vor dem Rathaus und bekamen großen Applaus von allen. Dann wurde eine Zugabe gestartet, bei der auch ungekrönte und gekrönte Häupter mittanzten.
Die
Prinzessin aus dem letzten Jahr dankte ab.
Mit Worten, bei denen man spürte, dass das Jahr ihr etwas bedeutet hatte.
Die Feuerwehr stellte den Kirchweih-Markt-Kerbe-Baum auf. Begleitet wurde sie mit dem schwungvollen Intro aus der 80er-Serie „The A-Team“ vom Blasorchester.
Die Krone
wurde übergeben.
Die Prinzessin war gekrönt.
Applaus und
Jubelrufe.
Wunderschön – das mag ich sehr. Es gab keine blöden Zwischenrufe.
Die nun gekrönte Prinzessin und ihre Hofdame eröffneten zusammen das Ortsgemeindefest.
Sogar ein Mensch von der Zeitung hatte sich mal wieder zur Festeröffnung verirrt. Und bei diesem Irrweg schoss er gleich auch einige Fotos – die hoffentlich Beilage zu einem ordentlichen Artikel in der Zeitung sind.
Ich mache ein Gruppenfoto und dann noch eines und noch eines. Zuvor hatten Eltern, Verwandte, Freunde und Bekannte ebenfalls Bilder gemacht.
Ich bewundere diese Würdenträger, wie lange sie es schaffen, ein Dauergrinsen einzuschalten.
Ich bin ja manchmal auch am Dauergrinsen. Doch viel mehr innerlich, als dass ich das nach außen trage.
Auf dem Weg zum Festplatz lief ich den Eltern meines derzeit ältesten Sportlers in die Arme. Der ist vor kurzem ins Berufsleben gestartet.
Die Eltern
sagten: „Du hast alles richtig gemacht.“
… was so nicht stimmt.
Denn ich habe
den zwar seit seinem fünften Lebensjahr in meinen Gruppen gehabt. Doch
ausschlaggebend – und so verblendet bin ich noch nicht – ist ein liebendes
Elternhaus. -Ich habe vielleicht ab und an mit angeschoben. Ist aber auch egal.
Mir taten die Worte gut. Das hinterließ in mir ein warmes Gefühl.
Ich fühlte
mich kurz – fünf Egosekunden, die ich voll auskostete – geadelt.
Kein bisschen weniger gekrönt als die Ortsprinzessin zuvor.
Im Anschluss
lief ich über den Platz. Hielt die festliche Festatmosphäre in Bildern fest.
Dazu die Dunkelheit, die die erleuchteten Pizzabuden, Bierständchen,
Bratwurststand, Schießstand, Entenfischen-Ständchen, Zuckerwatte,
Schokoladenhaus und das Karussell mit ihren blinkenden Lichtchen erstrahlen
ließ.
Im Festzelt: bunter Rauch, lila, grün und weiß. Die Hits vom DJ, der darin
auflegte, von Klassikern bis zu aktuellen Liedern, waren heiß.
Ein Getränkestand wurde auch von den Mädels und Männern unseres Vereins übernommen, um ihre Tanzkostüme zu finanzieren beziehungsweise etwas dazu beizusteuern.
Hut ab. Da griff ein Rädchen ins andere – und zwischendurch wurde während des Schaffens noch in meine Kamera fürs Vereinsarchiv gegrinst.
Zuhause fand
ich Eltern im Wohnzimmer vor.
Ich hatte
eine Menge zu erzählen. Doch die Eltern spielten auf Vaters Smartphone bei der
Sendung mit, die sie sahen – um die Weinkönigin zu wählen.
Deshalb
verkroch ich mich in mein Zimmer.
Startete den Blog. Schlief dabei ein.
Erwachte um 5 Uhr 46. Auch wenn ich mich nicht mehr daran erinnere, würde ich darauf wetten: Ich schlief im Traum wie „die Prinzessin auf der Erbse“ in weichen Betten, bemerkte sicher auch, dass das Lob, das ich so gerne mit- und annahm, etwas Besonderes war.
Und wusste sicher auch schon im Traum: Wenn man die Erbse bemerkt, kann man davon erhebliche blaue Flecken bekommen.
Deshalb: Einsicht.
Lob sehr gerne, vor
allem, wenn es sich so aufrichtig und warm anfühlt … und doch genießend mit Vorsicht.
Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!?
