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„Wohfühlding-King“

John Baker Sander
13. Oktober 2026(bearbeitet)
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Die Hochzeit war so ein Wohlfühlding.

Die Menschen waren ausgesprochen freundlich – und ich gefühlt der einzige Nichtraucher.


Die Feier hatte etwas von einem Restaurantbesuch. Alle saßen in feinem Zwirn beisammen und unterhielten sich, anfangs noch sehr gediegen.

„Boney M“ und „ABBA“ kamen aus der Musikbox, die immer wieder in den verschiedensten Farben aufleuchtete. Die Musikbox und die fröhlichen Melodien von „ABBA“, „Boney M.“ und Co. glänzten um die Wette. Dass, obwohl die Songs schon vor mehreren Jahrzehnten eingesungen worden waren.


Er, der Bräutigam, kam aus Thüringen, sie, die Braut, aus einem der Nachbarorte.
Ihren Lebensmittelpunkt haben sie in Thüringen. Gefeiert wurde jedoch hier, da es viel zu aufwendig gewesen wäre, die gesamte Verwandtschaft der Braut in Thüringen unterzubringen.

Die Braut trug einen Brautzweiteiler:
ein schön verziertes weißes Oberteil mit leicht glitzernden Accessoires und dazu einen langen Seidenrock.


Der Bräutigam trug:
Einen dunkelblauen Anzug, ein weißes Hemd und eine meiner Meinung nach zu kurzer, ebenfalls dunkelblauer Krawatte. Die wirkte irgendwie drollig.


Vonseiten des Bräutigams waren weder Freunde noch Verwandte unter den Hochzeitsgästen. Es waren ausschließlich Gäste der Braut anwesend.
Das würde er auch so gutheißen, denn ihre Freunde und ihre Familie hätten ihn gleich ins Herz geschlossen. Wörtlich sagte er: „Die haben mich sofort so genommen, wie ich bin.“ - Besser geht’s nicht.


Außerdem sei dies seine zweite und definitiv letzte Hochzeit.
Er liebe seine Braut sehr und wisse, dass sie die Richtige sei. Dabei kennen sie sich gerade einmal seit sechs Monaten. Wobei ich mich frage, gibt es die Richtige fürs Leben und die Richtige auf Zeit? … anscheinend?

Die Menschen mochte ich sofort. Was allerdings auch damit zusammenhängen könnte, dass sie sich so schön von mir fotografieren ließen und wir während der gesamten Feier nur Freundlichkeiten austauschten.

Was mir ein wenig die Hochzeitsstimmung nahm – nicht zu verwechseln mit der ansonsten angenehmen Atmosphäre – war, dass Braut und Bräutigam ihre Hochzeitsgesellschaft selbst bedienten.


Die Braut hatte sogar die Hochzeitstorte und sämtliche andere Kuchen selbst gebacken: Schwarzwälder-Kirsch-Torte, Muffins, Donuts und Schokoladenkuchen. Dazu gab es die Torte, die mit blauem Zuckerguss glänzte und im Inneren eine Vanille-Beeren-Füllung beherbergte.

Geschmeckt hat das alles ganz vorzüglich.


Auch gekocht wurde selbst. In der Küche, die zum Feiersaal gehörte.
Déjà-vu: Auf der letzten Hochzeit, zu der ich eingeladen war, stand ebenfalls vor allem die Braut in der Küche. Zufällig sogar im selben Feiersaal.
Ist das ein neuer Trend unter verheirateten Paaren: Kochen auf der eigenen Hochzeit?


Hier wurden nun Knödel, Pommes frites, Spießbraten und Schnitzel vorbereitet, dazu Bratensoße. Außerdem gab es Brote, auf denen eine Art Hackepeter lag, garniert mit zwei roten und einem gelben Tomatenstückchen. Dazu kam eine Art Nudel, die mit etwas Fleischigem gefüllt war.

Als Vorspeise wurde eine Markklößchen Suppe zubereitet, zum Nachtisch Tiramisu.

Über diesen exakt viertelstündigen Schichtwechsel war ich gleich mehrmals erstaunt. Braut und Bräutigam wechselten sich ab, unterstützt besonders von der Oma und der Brautmutter. Nach und nach halfen immer mehr Menschen in der Küche mit.


Ich hatte meine Freude daran, denn Hochzeitsbilder einer Gesellschaft, die gefühlt mehr Zeit in der Küche als im Festsaal verbringt, sind für mich eine Kuriosität.

Das Essen verlief nahezu geräuschlos. Alle waren mit dem leckeren Hochzeitsschmaus beschäftigt. Noch nie – das war mir schon bei Kuchen und Kaffee aufgefallen – hatte ich ein so stilles und dennoch feierliches, lockeres Festessen miterlebt.

Es gab auch ein Frage-Antwort-Spiel, das von der Trauzeugin der Braut moderiert wurde. Die Eheleute mussten jeweils einen Schuh des anderen hochhalten, wenn sie meinten, dass die Antwort auf die jeweilige Frage zutraf.

Fragen wie: „Wer hat zuerst gesagt: Ich liebe dich?“ Oder: „Wer kann nach einem Streit besser verzeihen?“ Um nur zwei Beispiele zu nennen.

Mit dem roten und gelben Schnaps, der nun ebenfalls zur Feier eingeladen worden war, löste sich die Restaurantatmosphäre langsam auf. Die Feier verwandelte sich mehr und mehr in einen klassischen Familiengeburtstag. Heiterer, geselliger – und die gute Laune sowie manche Zote wurden, wie so mancher Alkoholatem, nun deutlich spürbarer.

Dennoch blieb diese Veranstaltung angenehm gesittet.

Ich spürte einfach nur Wohlwollen untereinander. Neid und Missgunst waren wohl bereits im Vorfeld ausgeladen worden.

Das werde ich mir für die nächsten Familienfeste gleich mal notieren.


Gegen 21 Uhr 40 waren von den knapp 30 Gästen nur noch fünf anwesend. Die Neu-Eheleute verabschiedeten mich herzlich und höflich.


Beschwingt lief ich nach Hause.


Ich berichtete meinen Eltern, die natürlich auch vorsichtig neugierig waren, ein wenig von dem Hochzeitsfest.
Dann lud ich die Bildchen auf die Festplatte und setzte mich anschließend neben Vater auf die Couch, wo wir „das aktuelle Sportstudio“ weitestgehend an uns vorbeiziehen ließen. Gab es doch von diesem Samstag noch so viel anderes auszutauschen.

Das war ein aufbauender Samstag, der seine Aufgabe, mir ein gutes Gefühl mitzugeben, hervorragend erledigte. - „Danke.“



Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!?


 

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