Ich kam kurz vor 18 Uhr an der Veranstaltungshalle des
Oktoberfestes an. Bereits beim Hineingehen hatte ich ein gutes Gefühl.
Davor lag ein traumloser Schlaf. Wenn man in der Nacht
zuvor erst gegen sieben Uhr schlafen geht, muss man sich nicht wundern, wenn
man dann samstags erst nach 15 Uhr wieder in die Realität zurückkehrt.
In der Halle wurde auch gleich mehrmals mein Name gerufen. Mir wurde Schokolade in die Hand gedrückt – dafür, dass ich das Fotografieren übernehme.
Viele dieser heute fast 30-Jährigen, die für dieses
Oktoberfest verantwortlich waren, kenne ich, seit sie zehn oder sogar noch
jünger waren. Waren sie doch beim Tanzen, in meiner Gruppe, beim Einradfahren
oder in Projektwochen, die ich in der Schule abhielt.
Wir machten Gruppenfotos mit dem Veranstalterteam. Das
machte besonders viel Spaß, da sich die jungen Frauen und Männer freiwillig in
unterschiedlichen Konstellationen aufstellten und in Lederhose und Dirndl
dementsprechend schick aussahen. Rosa und Grün waren die dominanten Farben bei
den Dirndln, bei den Hosen dominierten ein Ockergelb oder das gute alte,
klassische Schwarz.
Ich trage noch, während ich mich an diesem Oktoberfestblog versuche, schwarze Jeans und ein graues Hemd, das mit dunkelgrünen und blauen Punkten übersät ist. Ich hoffe, es lag an der Müdigkeit, dass ich eben, bevor ich auf Grau korrigierte, zunächst „grausiges“ geschrieben hatte.
Die Turnhalle sah nach Oktoberfest aus. Es dominierten
die Farben Blau und Weiß. Bierzeltgarnituren standen auf dem Papier, das man
über dem Hallenboden verlegt hatte, was mir gut gefiel.
Die Band kam aus Oberfranken. Als ich fragte, wie man
denn auf diese Musiker gekommen wäre, berichtete man mir, man hätte sich
verschiedene Bands auf einem bekannten Videoportal angehört.
Die Band bestand aus acht Leuten, fünf davon standen auf der Bühne: eine Frau und ein Mann, die hauptsächlich sangen, zwei Gitarristen und ein Schlagzeuger. Sie hatten die Oktoberfestpartymeute von der ersten Sekunde an in der Hand. Es gab keine Sekunde Langeweile. Es folgte Hit auf Hit auf Hit. „Wiesn-Hits“, garniert mit kultigem Rock, deutschem Schlager und international bekannten Stimmungshits.
Die Sängerin und der Sänger trugen anfangs Dirndl
beziehungsweise Lederhose.
In Runde zwei trug sie ein Sommeroutfit mit einem
kurzen roten Stoffrock und einem Top. Er trug die Lederhose und ein rot-gelbes
Hawaiihemd.
In Runde drei trug sie einen schwarzen Lederhosenrock und ein anderes Top. Er trug ein weißes Hemd und eine schwarze Hose, die ebenfalls rockiger wirkte.
Überhaupt machte die Band in diesen fünf Stunden
insgesamt nur rund 40 Minuten Pause. Und um es noch einmal zu betonen und
hervorzuheben: Die Band livehaftig zu erleben, machte mir einen Heidenspaß.
Noch mehr freute ich mich darüber, dass sich die
60-plus-Generation, die Jüngeren ab 16 und sogar meine eigene Generation, die
irgendwo dazwischen in ihren 40ern liegt, auf das gesamte Programm voll
verständigen konnte.
Dazu kamen von der Bühne bunte Lasereffekte in Rot, Blau, Gelb und Grün.
Die Menge tanzte beziehungsweise stand erst einmal auf den Bänken, sang und grölte mit.
Das Wunderbare: Selbst Leute aus der Gemeinde – und
solche, die man eben kennt, obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt – von
denen ich das Gefühl habe, dass sie mir nicht sonderlich wohlgesinnt sind,
strahlten für die Kamera um die Wette.
Sie gaben sich hundertprozentig verträglich. Ein
einziges Pärchen wollte sich über den Abend nicht fotografieren lassen. Alle
anderen spielten beim Strahl-Frau-Mann-Faktor mit.
Das Fassbier lief in Strömen. Der Fleischkäse ging gut
über die Theke, jedoch blieb zum Schluss noch eine Menge übrig. Dieser wurde
dann für zwei Euro beziehungsweise kostenlos an alle verteilt, die zum Gelingen
der Veranstaltung beigetragen hatten.
Frieden. Freude. Eierkuchen. Rundherum!
Alle bösen Nachrichten wurden ausgesperrt. Null
Aggressivität. Null Anfeindungen.
Dafür ganz viel Liebe. Ich entdeckte gleich mehrere
neu gefundene Paarungen, die Küsse im Rhythmus der Musik austauschten.
Zwischendurch wurde immer wieder bei mir nachgefragt, ob ich denn nicht noch etwas haben möchte und ob ich ausreichend gegessen und getrunken hätte.
So gegen 23 Uhr leerte sich die Halle etwas. Mehr und
mehr Oktoberfestbesucher nahmen die kleineren und größeren Flure zwischen den
Bankgarniturreihen ein. Es wurde getanzt und sich gedreht, und so manche Person
und so manches Dirndl drehten sich schneller als jedes Karussell.
Ein Lachen. Ein Miteinander. Dauerhaft.
Wenn es etwas hätte sein dürfen, dann möglicherweise zwischendurch
die Musik etwas leiser. Denn mir klingelten zwischendurch ganz schön die Ohren.
Ich lobte die Veranstalter nochmals ausdrücklich. Ich
hatte auch die Gelegenheit, den Sänger noch einmal zu loben, der mit uns – den
Mädels, die das Essen verkauften, den Boys von der Bon-Kasse und einigen
älteren Herren und Damen – im Kreis Fleischkäsebrötchen aß.
Ich ging hochzufrieden.
Schon jetzt bekam ich die Bitte, mir den Termin für das nächste Jahr
vorzumerken. Das werde ich, wenn mir nichts dazwischen grätscht, gerne tun und
wieder die Bildbetreuung übernehmen.
Noch lieber jedoch möchte ich auch im nächsten Jahr
dieses Miteinander wahrnehmen und mich an der Lust und Laune bekannter und
fremder Menschen berauschen lassen.
Das Gefühl war: Die Leute kamen zur Veranstaltung, um
auch Spaß zu haben und die Sorgen für einige Stunden zu Hause zu lassen.
Nicht, um zu klagen und zu meckern.
Das war ein gefestigtes Oktoberfest.
Da war einfach kein Platz für Negatives. Rundherum gelungen. Mit einem Begriff:
„Oktoberfestet“.
1012 Bilder habe ich fotografiert. In die Originale schafften es nach dem
ersten Durchsehen noch 773 Bilder.
Das wird wohl für mich die eine oder andere Abend-Bildbearbeitungs-Session
bedeuten. Vielleicht höre ich dabei den einen oder anderen Gassenhauer an, weil
ich ihn mag und mich nur zu gerne noch einmal in jene geselligen Stunden
zurückversetzen lassen möchte.
Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!
