Der 75. Geburtstag meiner Patentante war ganz annehmbar. Knappe drei Stunden verbrachte ich mit der gesamten Familie dort.
Zwischen meinem Bruder und mir gab es weiterhin so gut wie kein Wort.
Die Patentante war gut gelaunt. Die Menschen, die dort waren, auch.
Auch wenn ich mich wunderte, wie dort meiner Beobachtung nach Menschen eingestuft werden. Menschen, die in der Gunst weiter oben stehen, bekommen von der Familie meiner Patentante eine Umarmung, andere einen förmlichen Handschlag. – Ich umarme ja sowieso nur äußerst selten Menschen. Deshalb gehöre ich ohnehin zur Abteilung Händeschütteln.
Es gab eine Ausnahme.
Zur Gratulation zum 75. Geburtstag gab es dann doch eine Umarmung für meine Patentante. Mein Patenonkel ignorierte mich – und ich ihn. Sieht man einmal vom Thema Sport ab, das die Familie irgendwie durchgehend verbindet.
Meine Cousine, die mir als Kind sehr wichtig war, wechselte gefühlt mehr Worte mit meiner Familie als in der gesamten letzten Dekade.
Der kleine, herzkranke Hund saß auf einem ausgepolsterten Stuhl neben der Patentante. Er schlief und fraß nicht, schlief und fraß nicht und fraß irgendwann doch einen Brocken seines Futters. Daraufhin gab es Applaus. Der Hund erschrak und rannte aus dem Partyraum.
Vater war auf dem Geburtstag seiner Schwester in Hochform. Er fand mal wieder die perfekte Mischung aus Lachen, Machen, Ernst und Heiterkeit. Vater mögen einfach
99 %.
Kartoffelsalat, Nudelsalat und Fleischkäse. Dazu Ketchup – braucht’s mehr? Für mich sicher nicht. Später gab es noch Käsekuchen.
Zum Freitag gibt’s zu sagen:
Die Eltern meiner jüngsten Trainingsgruppe hatten das Training bereits vor Wochen abgesagt, weil sie auf einer Hochzeit waren oder anderweitig beschäftigt waren.
Besonders tat sich „L“ hervor, der mir seit rund acht Wochen im Training hilft. Er ist selbst noch ein Teenager, hat aber die Ruhe weg und erklärt Sporttechniken einwandfrei.
Das „Computermännchen“ war da. Es baute meinem Bruder irgendetwas in den Computer ein und brachte „RTL plus“ auf dem Fernseher im Wohnzimmer zum Laufen, was bisher nicht möglich gewesen war.
Mein Computer blieb, wie er war, weil ich dem Computermännchen nichts von meinem erzählte. Aber ich gönne meinem Bruder nicht den Triumph, mir unter die Nase zu reiben, was seine Freunde für mich getan hätten.
Der Abend verlief mit Bildermachen und Schlafen vor Papas PC.
Enden will ich, wie ich es mir eigentlich immer vornehme: versöhnlich und wie gewöhnlich – bevor ich jetzt ins Bett schlüpfe und hoffentlich später wieder aus ihm heraushüpfe.
Da fällt mir noch ein: Ich las in einem Buch, das ich in meiner Lieblingsbuchhandlung in der Hand hatte, dass man leichter durch den Tag kommt, wenn man morgens dankbar ist, einen neuen Tag erleben zu dürfen.
Ich frage mich gerade, ob ich schon einmal nach dem Aufwachen im Bett lag und einfach dankbar dafür war, dass ich die Augen wieder aufgemacht habe und einen neuen Tag erleben darf?
Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!?
