Der kleine
Heizofen neben mir bringt nicht nur Wärme, sondern unterbricht mit seinem
Rauschen auch hin und wieder die eine oder andere Gedankenkette in meinem Kopf.
Das nehme ich aber bereitwillig in Kauf, denn im Kalten sitzen mag ich auch
nicht.
Der Sonntag
war so ein Zickzacktag.
Erst aufstehen, gemütlich frühstücken und dann zu einem Auswärtswettkampf.
Meine Fraktion, bestehend aus Eltern, meinen Wettkampfteilnehmern, meinem Vater
und mir, war mit einer Wettkampfrichterin nicht zufrieden.
Sorge macht mir
nicht, dass man mit einer Entscheidung mal nicht zufrieden ist, sondern dass es
gleich unseren kompletten Tross über fast die gesamte Wettkampfdauer betraf.
Der Rest des
Sonntags wurde von den Trainingsvorbereitungen für die Woche dominiert.
In meinem Stammchat
war ich auch unterwegs, hörte eine tolle Radiosendung, moderiert von einer der
Userinnen, die eine halbe Stunde lang einen anderen User über dessen
Geiselnahme bei den Taliban interviewte. Spannend!
Danach ging
es für knapp eineinhalb Stunden noch in die 70er-Jahre. „Ram Jam“ mit „Black
Betty“ hatte ich mir über die Wunschbox gewünscht und wurde freundlicherweise
schon bald darauf gespielt.
Etwas
makaber vielleicht: Ich spielte einen „Shooter“ und ermordete dort mehrere
Computermännchen. Doch meine Computerfigur starb selbst viel öfter, da sich das
Computermännchen nicht in Bewegung setzte. Weder durch die Pfeiltasten noch
durch die Maus. Eine halbe Stunde hatte ich trotzdem Freude daran.
Eltern geht's gut, doch leiste ich ihnen zu wenig Gesellschaft.
Statt mit
ihnen fernzusehen und mich mit ihnen zu unterhalten, bearbeite ich Fotos.
Vor allem
Mamas Unzufriedenheit mit sich selbst, weil ihr manche Dinge nicht mehr so
leicht wie früher von der Hand gehen, nimmt sie mit und uns auch. Ihr fehlt
derzeit auch das Selbstvertrauen, sich etwas zuzutrauen.
Montag:
Ein Trainingstag, dessen Leistungen mir gefallen haben.
Bedauerlicherweise verletzte sich auch einer meiner Trainingsteilnehmer ohne
Fremdeinwirkung. Er krachte auf sein rechtes Knie, sackte zusammen und blieb
liegen. Er weinte stark. Kein Wunder!
Manche
wollten ihn bewegen, was ich jedoch verbot.
Lediglich den Kopf legten wir auf einen weichen Untergrund.
Erst als der
Papa da war und ich gemeinsam mit ihm den Trainingsteilnehmer auf die Füße
stellte, atmete ich leicht aus.
Er konnte kurz auf einem Bein hinken, wurde dann jedoch von seinem Papa
vernünftigerweise aus der Halle getragen.
Gut, der
Trainingsteilnehmer war ansprechbar.
Er hatte starke Schmerzen. Ich tippe mal darauf, dass nichts gebrochen ist, er
jedoch eine starke Knieprellung davongetragen hat.
Ich hoffe
und bin fast sicher, dass der Papa noch ins Krankenhaus fuhr.
Dass sich mein Verdacht bestätigt oder er sogar weniger Schaden davongetragen
hat, wäre für die Familie und auch für uns eine Erleichterung.
Wer da an Sportliches denkt – nö, noch nicht eine Millisekunde. Menschlich wird er uns in seiner Ausfallzeit natürlich arg fehlen.
Den Abend
hörte ich Podcasts und fertigte auf die langweiligste und langwierigste Weise
Trainingspläne an.
Mit den Gedanken war ich meist bei dem Verletzten aus meinem Sportteam.
Kartoffeln –
es gab Kartoffeln und endlich mal nicht das ungeliebte „Plastikgemüse“, sondern
die gewohnten Montagsbratwürste und heißen, bauchwärmenden, wohlschmeckenden
Rosenkohl.
Sofort erzählten meine Eltern bei Tisch wieder diese Geschichte, die immer kommt: Früher sagte man, über den Rosenkohl und Ähnliches müsse erst einmal der Frost drüber, bevor man ihn erntet, kocht und dann verzehrt.
Die
Geschichte hatte auch etwas Gutes, weil sie mich mal wieder an Opa K. und Oma
T. denken ließ – an die und ihren Bauernhof ich viel, viel zu lange keinen
Gedanken verschwendet hatte.
Und gut
war's auch noch, sowohl die Gedanken wie auch die Mahlzeit.
Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!?
