Lunaria-Galaxie
Blog Übersicht»„Verletzliche Rosenkohlgedanken“
Zurück

„Verletzliche Rosenkohlgedanken“

John Baker Sander
3. November 2026(bearbeitet)
8 Aufrufe
Noch nicht bewertet


Der kleine Heizofen neben mir bringt nicht nur Wärme, sondern unterbricht mit seinem Rauschen auch hin und wieder die eine oder andere Gedankenkette in meinem Kopf. Das nehme ich aber bereitwillig in Kauf, denn im Kalten sitzen mag ich auch nicht.


Der Sonntag war so ein Zickzacktag.

Erst aufstehen, gemütlich frühstücken und dann zu einem Auswärtswettkampf. Meine Fraktion, bestehend aus Eltern, meinen Wettkampfteilnehmern, meinem Vater und mir, war mit einer Wettkampfrichterin nicht zufrieden.

Sorge macht mir nicht, dass man mit einer Entscheidung mal nicht zufrieden ist, sondern dass es gleich unseren kompletten Tross über fast die gesamte Wettkampfdauer betraf.


Der Rest des Sonntags wurde von den Trainingsvorbereitungen für die Woche dominiert.


In meinem Stammchat war ich auch unterwegs, hörte eine tolle Radiosendung, moderiert von einer der Userinnen, die eine halbe Stunde lang einen anderen User über dessen Geiselnahme bei den Taliban interviewte. Spannend!

Danach ging es für knapp eineinhalb Stunden noch in die 70er-Jahre. „Ram Jam“ mit „Black Betty“ hatte ich mir über die Wunschbox gewünscht und wurde freundlicherweise schon bald darauf gespielt.

Etwas makaber vielleicht: Ich spielte einen „Shooter“ und ermordete dort mehrere Computermännchen. Doch meine Computerfigur starb selbst viel öfter, da sich das Computermännchen nicht in Bewegung setzte. Weder durch die Pfeiltasten noch durch die Maus. Eine halbe Stunde hatte ich trotzdem Freude daran.

Eltern geht's gut, doch leiste ich ihnen zu wenig Gesellschaft.

Statt mit ihnen fernzusehen und mich mit ihnen zu unterhalten, bearbeite ich Fotos.

Vor allem Mamas Unzufriedenheit mit sich selbst, weil ihr manche Dinge nicht mehr so leicht wie früher von der Hand gehen, nimmt sie mit und uns auch. Ihr fehlt derzeit auch das Selbstvertrauen, sich etwas zuzutrauen.



Montag:
Ein Trainingstag, dessen Leistungen mir gefallen haben.

Bedauerlicherweise verletzte sich auch einer meiner Trainingsteilnehmer ohne Fremdeinwirkung. Er krachte auf sein rechtes Knie, sackte zusammen und blieb liegen. Er weinte stark. Kein Wunder!


Manche wollten ihn bewegen, was ich jedoch verbot.
Lediglich den Kopf legten wir auf einen weichen Untergrund.

Erst als der Papa da war und ich gemeinsam mit ihm den Trainingsteilnehmer auf die Füße stellte, atmete ich leicht aus.

Er konnte kurz auf einem Bein hinken, wurde dann jedoch von seinem Papa vernünftigerweise aus der Halle getragen.

Gut, der Trainingsteilnehmer war ansprechbar.
Er hatte starke Schmerzen. Ich tippe mal darauf, dass nichts gebrochen ist, er jedoch eine starke Knieprellung davongetragen hat.

Ich hoffe und bin fast sicher, dass der Papa noch ins Krankenhaus fuhr.

Dass sich mein Verdacht bestätigt oder er sogar weniger Schaden davongetragen hat, wäre für die Familie und auch für uns eine Erleichterung.

Wer da an Sportliches denkt – nö, noch nicht eine Millisekunde. Menschlich wird er uns in seiner Ausfallzeit natürlich arg fehlen.


Den Abend hörte ich Podcasts und fertigte auf die langweiligste und langwierigste Weise Trainingspläne an.

Mit den Gedanken war ich meist bei dem Verletzten aus meinem Sportteam.


Kartoffeln – es gab Kartoffeln und endlich mal nicht das ungeliebte „Plastikgemüse“, sondern die gewohnten Montagsbratwürste und heißen, bauchwärmenden, wohlschmeckenden Rosenkohl.

Sofort erzählten meine Eltern bei Tisch wieder diese Geschichte, die immer kommt: Früher sagte man, über den Rosenkohl und Ähnliches müsse erst einmal der Frost drüber, bevor man ihn erntet, kocht und dann verzehrt.


Die Geschichte hatte auch etwas Gutes, weil sie mich mal wieder an Opa K. und Oma T. denken ließ – an die und ihren Bauernhof ich viel, viel zu lange keinen Gedanken verschwendet hatte.

Und gut war's auch noch, sowohl die Gedanken wie auch die Mahlzeit.



Passt auf euch auf, wer immer ihr auch seid!?

 

Kommentare (0)

Bisher keine Kommentare. Schreibe den ersten!

Einloggen um zu kommentieren.