Um 11 Uhr 41 schlug ich mit einem – unmittelbar daran anschließenden - „Scheiße", die Augen auf. War ich um 12 Uhr doch bei meinen Eltern geladen.
Da ich Unpünktlichkeit überhaupt nicht ausstehen kann.
Das Zuspätkommen bei anderen regelmäßig harsch kritisiere, mochte ich keinesfalls, das Opfer von neckischen Familiären Hohn und Sport werden.
Deshalb wetzte ich im Sprint unter die Dusche.
Ließ dabei im Rekordtempo, die Zahnbürste im Mund und das Shampoo auf dem Kopf kreisen.
Warf mich in Kleidung und 90 Sekunde später bereits die Tür hinter mir zu.
Um Punkt 12 Uhr, sagte ich Eltern und Bruder: „Hallo". – Puhhh, gerade noch so geschafft.
Ich war umso dankbarer für ein wunderbares Familienessen.
Von dem ich mich (nicht nur) vielleicht zu schnell absetzte?
Aber mir fiel es heute schwer Vater und Bruder beim verbalen Gedankenaustausch zuzuhören.
- Ich kämpfte mit meinen eigenen Gedanken und Erinnerungen. -
Ich konnte einfach kein Interesse aufbringen, denn beiden zuzuhören, wie groß die Unterschiede zwischen Weiterbildungslehrgängen in den 1970er und 2020 sind.
Generell war ich mit dem Kopf nicht so wirklich "im Hier und Jetzt" verhaftet.
Am Tisch - während des Familienmahls - fiel mir ein, wie ich mit meiner ehemals besten Freundin I. in deren Küche saß.
Ihr stolz, das von mir einige Tage zuvor entdeckte „Stufen (-Gedicht)" von Hermann Hesse – als Ausdruck – unbedingt zeigen mochte.
Ich mir schon während des Entdeckens 100%tig sicher war; das gefällt ihr garantiert.
I. mich daraufhin anstrahlte.
Entschlossen zur Küchentür lief, an der immer eine dekorative weiße Schürze mit Blumenaufdruck hing. Ein Büchlein aus einer der Schürzentasche herauskramte, darin kurz blätterte.
Dann mit melodischer Stimme anfängt „Stufen" laut vorzulesen. – Absolutes Gänsehaut-Feeling damit bei mir verursachte.
I. mir dann, wieder einen wissenden Blick zuwarf und meinte: „Das ist auch mein Lieblingsgedicht". – Erneut stellte sich Gänsehaut bei mir ein.
Jahrelang war dieses Gefühl und die damit verbundenen Erinnerungen an I. kaum existent. Momentan holt mich eine Sentimentale I. Erinnerung nach der anderen ein.
„Er & Sie", las ich mit Begeisterung zu Ende.
Was ich so noch nie zuvor in einem Buch wahrgenommen hatte, dass man in einer heiteren Geschichte mit durchaus dem ein oder anderen ernsten Unterton, nach mehr wie Dreiviertel des Plots, ein Politisches Statement in eine Story einbaute. Ohne dabei den Charakteren, der Story oder mit dieser Lebensbejahenden Leichtigkeit die, die Erzählung eindeutig verströmte zu brechen.
Nun wartet mein erster „Fitzek" auf mich. Bin gespannt was „Acht Nacht" kann. – Zumal so viele Personen vom Stil des Autors und seinen Geschichten schwärmen.
Gute Nacht! – Wer immer ihr auch seid?
