Hallo Paps,
heute ist es 10 Jahre her, dass du uns verlassen hast. Für dich war es gut, mein Kopf sagt mir das auch immer wieder. Aber es gibt viele Momente, wo du einfach fehlst.
Du warst nicht mein genetischer Vater, du warst der sogenannte Stief-Vater. Deshalb auch Paps, denn es gab ja den Vater auch.
Ich war kurz vor der Pubertät, als du dich in die Mama verliebt hast. Lieber Gott, Gott sei Dank hast du nicht gewusst, was auf dich zukommt ^^
Als Papa- und Scheidungskind warst du der „Feind in unserem Haus" ?
Egal wieviel Mühe du dir gegeben hast, du konntest es nicht ändern. Natürlich kam auch „du bist nicht mein Vater" *lach
Und ausgerechnet in der Pubertät habe ich entdeckt, dass ich deine Tochter bin und du mir immer – egal wobei – zur Seite stehst *unfassbar
Du warst immer für mich da, auch später noch. Meine erste Wohnung hast du mir her- und eingerichtet. Mein erstes Auto wäre ohne dich nicht gegangen. Jede menschliche Trennung hast du mit mir verarbeitet.
Als ein Mann um meine Hand angehalten hat, hast du die Stirn in Falten gezogen und gefragt „müsst ihr?" *bahaha
Du hast dir und der Mama ein wunderbares Leben geschenkt, bis die Diagnose kam ☹
Wir waren sicher, wir schaffen das alle zusammen. Und es war auch so – zuerst. Nach dem Rückschlag und einem weiteren Kampf haben wir noch einmal einen gemeinsamen Urlaub gemacht und deinen runden Geburtstag gefeiert.
Beim nächsten Rückschlag hast du dann aufgegeben, du wolltest nicht mehr kämpfen. Ich habe dich angefleht, es nochmal zu versuchen. Aber auch das wusstest du wieder besser.
Es gab ein letztes Treffen, im Krankenhaus. Du hattest Schläuche an dir, eine ungesunde Hautfarbe und warst äußerlich gar nicht mehr mein Paps. Ein kleiner dicker Mann mit rosa Bäckchen und einer Lebenslust war nur noch Haut und Knochen.
Du sahst so zerbrechlich aus und ich musste mich so zusammenreißen, um nicht in Tränen auszubrechen. Du hast die Medikamentierung zurückstellen lassen, um noch einmal mit uns bewusst zu reden und ein letztes Lächeln zu geben.
Am Morgen kam der Anruf, es war vorbei. Du hattest wohl nur auf den Moment gewartet, bis wir alle bei dir waren.
Ich glaube daran, dass die Seele in das Haus der Seelen wandert und das nächste Kind diese Seele bekommt. Egal wo auf dieser Welt deine Seele gerade ist, ich hoffe, sie gibt Vieles von dir diesem Leben.
Leb wohl Paps, tot ist nur, wer vergessen wird. Du bist unvergessen.
Miss you much
