Wie hunderte Male vorher, kramte ich gierig in den Kartons mit gebrauchten Büchern vor der der kleinen Lotto-Annahmestelle.
Die nur wenige hunderte Schritte vom Lutherdenkmal, entfernt, beheimatet ist. Die Lotto Annahmestelle wirkt zwischen der „Bäckerei Schall" und dem „City Markt" wie eingepfercht. Mitten in der Wormser Innenstadt.
Nicht immer, aber immer wieder finde ich da kleine Geschichtsperlen, die mir Freude machen und stundenlanges Lesevergnügen bereiten. Das für ausgesprochen wenig Geld. Diesmal war es der Roman „Marina" von Luis Carlos Zafón. Passender hat selten ein Buch in meinen Besitz gewechselt. Gerade da der Schriftsteller erst am 19. Juni 2020 verstarb und nachdem er wieder überraschend in meinem Blickfeld aufgetaucht ist, mochte ich sowieso einen Roman von ihm Lesen.
Eine Dreiviertelstunde hielt ich das Buch in den Händen – das sich so gut darin anfühlte - war nicht fähig es im Rucksack zu verstauen.
Ich suchte mir ein Plätzchen im Park und war nach Kapitel drei bereits von diesem Plot und die keineswegs eindimensionalen Charakteren verzaubert. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob nicht möglicherweise Barcelona – mit seinen beschriebenen Herrlichkeiten, Ecken und Kanten - nach der Beschreibung durch Carlos Ruiz Zafón allen Figuren und dem Handlungsbogens bei weitem die Schau stiehlt?
Apropos Stadt mit Herrlichkeiten, Ecken und Kanten.
Meine Phantasie geht mit mir durch.
Ist wohl dem geschuldet, dass ich in diesem Jahr bereits zu viele Französische Autoren las?
Ich bekomme den Begriff „La Rue de la sud" nicht mehr aus dem Kopf".
Was ich auch tue, meine Kopfstimme sagt: „Du wanderst gerade die la Rue de la sud entlang".
Für mich ist die „La Rue de la sud", wenn man vom Wormser Busbahnhof in die Innenstadt wechselt, dort Besorgungen erledigt und dann im Heyls-Park oder im Adenauerring landet.
Ich mag einfach diesen Begriff. „La Rue de la sud", schrecklich gerne. Leider habe ich so gar keine Ahnung von der Französischen Sprache.
Gebe ich den Begriff „La Rue de la sud" in den Französisch-Deutsch- Übersetzer ein, kommt da so etwas wie „Süd-Straße" als Ergebnis heraus. Das macht natürlich keinen großen Sinn. Fühlt sich für mich aber grandios an.
Gute Nacht! – Wer immer ihr auch seid?
