Die Kriegerin
Die Nacht legte sich wie ein samtiger, schützender Mantel um Alita, als sie sich in der Krone des alten Baumes niederließ. Die Äste, stark und doch biegsam, hielten sie sicher, während der Wind sanft durch die Blätter strich und leise Lieder der Dunkelheit flüsterte. Von ihrem hohen Platz aus hatte sie eine weite Aussicht über die stille, vom Mondlicht durchdrungene Welt. Die Sterne über ihr funkelten wie ferne Juwelen, doch Alitas Augen, so scharf wie die eines Raubtiers, waren in Gedanken versunken. In den Tiefen ihrer Gedankenwelt sah sie sich nicht nur als die Kriegerin, als die sie bekannt war – als Barbarin bezeichnet von denen, die sie nicht verstanden. Nein, in dieser stillen Stunde, hoch oben im Baum, spürte sie die uralte Verbindung zu den Wäldern und den Tieren, die in ihnen lebten. Sie war mehr als nur eine Kämpferin. Sie war ein Wesen der Wildnis, mit einem Herzen, das ebenso wild und ungezähmt war wie die Landschaft um sie herum. Doch der Baum war nicht nur ein Zufluchtsort vor den Gefahren der Welt. Es war ein Ort, an dem sie sich selbst begegnete, an dem die Geheimnisse ihrer Seele sich offenbarten. Die Sterne am Himmel, die für andere nur ferne Lichter waren, flüsterten ihr Geschichten zu – alte Legenden von längst vergangenen Zeiten, von Göttern und Helden, von fernen Welten, die jenseits der Vorstellungskraft lagen. Als kleines Mädchen hatte Alita oft an den Feuerstellen ihres Clans gesessen, ihre Augen weit aufgerissen, während die Alten Geschichten erzählten, die so unglaublich waren, dass sie die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion verwischten. Waren diese Geschichten nur das Hirngespinst alter Männer oder verbargen sie eine Wahrheit? Ein unbestimmtes Sehnen wuchs in Alita, jedes Mal, wenn sie zu den Sternen hin aufsah. Es war ein Verlangen, das sie nicht benennen konnte, eine unstillbare Neugier, die sie in die Weiten des Himmels zog. Doch so stark dieses Verlangen auch war, es wurde von etwas noch Mächtigerem überschattet: dem brennenden Wunsch nach Rache. Dieser Gedanke war wie ein unbezähmbares Feuer, das alles andere in seinem Licht verblassen ließ. Rache für das, was ihr genommen wurde. Rache für das, was sie erleiden musste. Die Flamme dieser Obsession loderte in ihr, heller und heißer als jeder Stern, der über ihr am Himmel stand. Während die Nacht fortschritt und die Welt um sie herum in eine tiefere Dunkelheit tauchte, blieb Alita wach, ihre Augen auf den Himmel gerichtet, doch ihr Herz in den Schatten der Vergangenheit gefangen. Sie wusste, dass der Weg vor ihr gefährlich war, aber die Flamme der Rache war stärker als jede Furcht.
Ihre Geschichte:
Die Schatten ihrer Vergangenheit lagen schwer auf Alita, wie ein dichter, kalter Nebel, der keine Wärme zuließ. Von Kindesbeinen an war sie eine Kriegerin gewesen; ihr Schicksal geprägt von einem Erbe, das aus Stahl und Blut geschmiedet war. Jeder Schnitt, jede Narbe auf ihrem Körper erzählte von einem Sieg, einer Niederlage, einem Überlebenskampf. Doch das, was vor sechs Monden geschah, hatte ihre Welt in Stücke gerissen und einen Albtraum hinterlassen, der sie jede Nacht heimsuchte. Als Anführerin ihres Clans war Alita eine unbezwingbare Macht, die stolz an der Spitze von über 400 Mitstreitern stand. Unter ihrer Führung blühte das Dorf, und ihre Krieger verehrten sie wie eine Göttin des Krieges. Doch in einer Nacht, so dunkel und finster wie die tiefsten Abgründe, brach das Verderben über sie herein. Es war, als hätte die Nacht selbst geschrien, als der Feind wie ein tobender Sturm über ihr friedliches Dorf hereinbrach. Die kühle Luft, die zuvor ruhig und friedlich gewesen war, füllte sich mit dem Geruch von Blut und dem beißenden Gestank des Todes. Alitas Heer, 126 mutige Seelen, leuchtete wie eine schwache Flamme gegen die Dunkelheit, als sie sich der unvorstellbaren Übermacht von 2.000 Gegnern entgegenstellten. Sie wussten, dass der Kampf aussichtslos war, doch keiner wich zurück. Es war ein verzweifelter Tanz des Stahls, in dem jede Bewegung, jeder Schlag eine Frage des Überlebens war. Die Schreie der Unschuldigen, die in die Schlacht hineingezogen wurden, vermischten sich mit dem Donner der Klingen, bis sie von der alles verschlingenden Gewalt erstickt wurden. Alita kämpfte wie eine Besessene, getrieben von einem unstillbaren Willen, ihre Heimat zu verteidigen. Ihr Schwert, ein Erbstück, das Generationen von Blut getränkt hatte, fand 23 Feinde, deren Leben es beendete. Doch die Übermacht war zu groß. Sie spürte, wie ihre Kräfte schwanden, wie ihr Körper unter den unzähligen Wunden nachgab. Jeder Atemzug brannte in ihrer Brust, jedes Zucken ihrer Muskeln war eine Qual. Schließlich, vom Blut ihrer Feinde und ihrem eigenen getränkt, fiel sie. Die Welt um sie herum verblasste, bis nur noch Dunkelheit blieb. Als Alita aus dem pechschwarzen Schlummer erwachte, bot sich ihr ein Anblick, der sie bis ins Mark erschütterte. Ihr Dorf, einst ein Ort des Lebens und der Freude, war nun ein rauchendes Trümmerfeld. Flammen loderten in den Ruinen, wo einst ihre Heimat gestanden hatte. Die Luft war dick vom Geruch verbrannten Fleisches, und die Stille, die folgte, war noch schlimmer als die Schreie, die sie zuvor gehört hatte. Es war, als hätte der Tod selbst sich über den Ort gelegt und seine düsteren Fänge in alles gegraben, was sie geliebt hatte. Ihre Schwäche, die sie in der Schlacht überwältigt hatte, schnitt tiefer als jede Wunde, die ihr zugefügt worden war. Mit zittrigen Händen versorgte sie ihre Verletzungen, jede Berührung eine Erinnerung an ihre Niederlage. Der Schmerz, der durch ihren Körper zog, war nichts im Vergleich zu dem Schmerz in ihrer Seele. Doch Alita war nicht bereit, aufzugeben. In den folgenden Wochen führte sie einen stillen, einsamen Krieg gegen den Tod, klammerte sich an das Leben, während sie sich durch die Erinnerungen an Verlust und Qual kämpfte. Aus den Trümmern ihres Lebens, aus den tiefsten Abgründen ihrer Verzweiflung, kehrte ihre verlorene Stärke zurück. Doch sie war nicht mehr dieselbe. Die Frau, die einst stolz über ihr Dorf gewacht hatte, war nun eine Kreatur der Rache, ein Wesen, das nur noch ein Ziel kannte. Der Hass, der in ihr brannte, war heißer als jede Flamme, die ihr Dorf verschlungen hatte. Ihre Hände, die einst zur Verteidigung erhoben wurden, waren jetzt Waffen der Vergeltung. Der Gedanke an den Häuptling des Feindes ließ ihre Zähne knirschen. Er, der für all dies verantwortlich war, würde ihren Zorn zu spüren bekommen. Sein Kopf würde auf der Spitze ihres Schwertes ruhen, als ein düsteres Mahnmal ihrer unaufhaltsamen Rache. Nichts würde sie aufhalten können. Die Flamme der Vergeltung trieb sie voran, unermüdlich, durch die Wirren des Chaos, das jetzt ihre Welt war. Alita würde nicht ruhen, bis das Blut des Häuptlings den Boden tränkte und ihr Schwert gereinigt war – in Rache und Vergeltung.
Auf der Hydra:
Die Augen der Crew waren auf das Energiefeld zwischen die Sonnen gerichtet, als das Raumschiff durch den Energieschild des Sonnenfünfecks schoss. Plötzlich ruckte es heftig, als die gewaltige Spannung, die den Schirm durchzog, das Schiff wie eine unsichtbare Faust traf. Ein blendender Blitz, gefolgt von unglaublichen Schmerzen, ließ die Crew aufschreien, als die Energie sie traf und in die Bewusstlosigkeit riss. „Oh großartig, ein freier Fall in die Ohnmacht, genau was ich gebraucht habe", murmelte Bob, die KI sarkastisch, obwohl niemand da war, um seine Worte zu hören. Er wusste, dass Panik jetzt das Letzte war, was ihnen half. „Schön, dass der Traktorstrahl sich entscheidet, Urlaub zu machen." Bob übernahm die Kontrolle der Hydra und er initiierte den Notstart. Die Triebwerke der Hydra brüllten auf, als das Schiff mit wilder Kraft nach vorne katapultiert wurde. Ein ohrenbetäubendes Heulen erfüllte das Schiff, doch Bob kommentierte dies nur mit einem trockenen: „Und das war der Punkt, an dem wir im Handbuch auf Seite 404 waren. Über beanspruche niemals die Triebwerke." Einen Moment später verschwand die Hydra in den Hyperraum, gerade noch rechtzeitig, um der drohenden Gefahr zu entkommen. (Blinder Flug durch den Hyperraum? Was könnte da schon schiefgehen?) dachte Bob ironisch, während das Schiff mit unberechenbarer Geschwindigkeit durch den Raum raste. Nach 5.000 Lichtjahren kehrte die Hydra in den Normalraum zurück. „Wenigstens sind wir nicht explodiert", sagte er trocken, während er die Instrumente überprüfte. Immer noch lag die Crew reglos in ihren Sitzen, noch von dem Energieschock außer Gefecht gesetzt. „Nun, Zeit für das Weckkommando", murmelte Bob und aktivierte die Medi-Roboter. Diese glitten lautlos durch die Gänge, ihre mechanischen Arme mit Injektionsnadeln ausgerüstet. Als die winzigen Stiche der Injektionen ihre Arbeit verrichteten, war Jane die Erste, die das Bewusstsein zurückerlangte. Ihre Augen öffneten sich langsam, und sie sog scharf die Luft ein, als der Schmerz des Erwachens sie überkam. „Na, gut geschlafen?", fragte Bob sarkastisch, während er beobachtete, wie Jane versuchte, sich zu sammeln. „Schön wäre es gewesen", antwortete sie mit einem gequälten Lächeln, bevor sie den Ernst der Situation erkannte und sich mühsam aufrichtete. „Was ist passiert?" „Ach, nichts Großes. Nur ein Energieschock, der euch fast in den ewigen Schlaf geschickt hätte. Aber keine Panik", antwortete Bob, als er die Ereignisse der letzten Stunden zusammenfasste. Währenddessen kamen auch die anderen Crewmitglieder langsam zu sich; die Benommenheit wich dem scharfen Blick, der ihre Entschlossenheit widerspiegelte. „Ihr seht aus, als hättet ihr die letzte Partynacht nicht gut überstanden", kommentierte Bob, während er zusah, wie Annabella, die Ärztin, darauf bestand, dass alle gründlich untersucht würden. „Bob, du bist unmöglich", murmelte Annabella. „Ja, ja, ich weiß, ich bin ein Geschenk des Universums", entgegnete Bob. Drei Stunden später bereitete sich die Hydra auf ihren Wiedereintritt in den Hyperraum vor. Doch kurz bevor sie den Sprung ausführen wollten, meldete Eva, die Waffenspezialistin, einen kritischen Schaden an einer der Impulskanonen. Ihre Stimme war ruhig, aber die Besorgnis war nicht zu überhören. „Jane, wir haben ein Problem. Eine unserer Impulskanonen ist beschädigt. Wir brauchen eine Reparatur." „Natürlich brauchen wir das", antwortete Bob trocken. Jane, deren Augen vor Müdigkeit flackerten, runzelte besorgt die Stirn. „Ein Raumschiff, das nicht zu 100 % einsatzfähig ist, gefällt mir nicht", sagte sie und drückte damit die Bedenken der gesamten Crew aus. „Ach, Jane, du mit deinem Perfektionismus", erwiderte Bob mit gespieltem Ernst. „Aber ja, du hast recht. Also, was ist unser Plan?" Die Crew versammelte sich, um die Optionen zu diskutieren. Nach einer sorgfältigen Abwägung entschieden sie sich für die Landung auf dem zweiten vielversprechenden Planeten des Systems. Die Ortung lief und die Daten kamen herein. „Na toll, und auch noch Bewohner. Menschenähnlich, aber mit einer Barbarenkultur", sagte Finja, als sie die Bilder analysierte. „Die halten uns wahrscheinlich für Götter." Die Hydra umkreiste den Planeten zweimal, bevor sie in einem abgelegenen Tal, nahe einem großen See, landete. „Na, das lief ja wie geschmiert", sagte Bob, als die Crew erleichtert ausatmete. „Aber wir haben keine Zeit uns auszuruhen. Wir haben Arbeit vor uns. Und wer weiß, was da draußen noch lauert."
Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne sickerten durch die dichten Baumkronen, tauchten den Wald in ein warmes, goldenes Licht. Alita, noch in den Resten eines friedlichen Schlummers gefangen, erwachte langsam. Ihre Glieder waren steif von der Nacht auf dem rauen Ast, doch sie ließ sich Zeit, sich auszustrecken und die Stille des Morgens zu genießen. Der Duft von feuchtem Moos und frischer Erde drang in ihre Nase, und ein leichter Wind spielte mit ihren zerzausten Haaren. Mit der Geschmeidigkeit eines Raubtiers kletterte Alita den Baum hinab, ihre Füße fanden instinktiv die sichersten Tritte. Am Boden angekommen, machte sie sich auf den Weg zum nahen Fluss, dessen leises Plätschern sie durch die Bäume hindurch gelockt hatte. Der klare, kalte Bach war wie Balsam für ihre müden Glieder. Sie tauchte ihre Hände ins Wasser, spritzte sich das erfrischende Nass ins Gesicht und fühlte, wie die Müdigkeit von ihr abfiel. Die Geräusche des Waldes umgaben sie, beruhigend und vertraut. Doch die friedliche Stille des Morgens wurde jäh unterbrochen. Ein leises, fast unmerkliches Summen, das kaum mehr als ein Vibrieren in der Luft war, drang an ihr Ohr. Es schien von irgendwoher aus der Ferne zu kommen, wurde jedoch mit jeder Sekunde lauter. Alita hielt inne und lauschte, ihre Sinne geschärft, ihr Instinkt warnend. Langsam richtete sie ihren Blick gen Himmel. Was sie sah, war zunächst kaum mehr als ein winziger Punkt, der sich gegen das Blau des Himmels abzeichnete. Doch dieser Punkt wuchs, wurde größer und klarer, bis er nicht mehr zu übersehen war. Ein Gefühl des Unbehagens machte sich in Alitas Magen breit. War das, was sie da sah, ein Zeichen aus alten Legenden? Erinnerungen an die Geschichten, die man sich am Lagerfeuer erzählt hatte, blitzten in ihrem Geist auf. Es waren Erzählungen über mysteriöse Besucher, die von den Sternen kamen, fremde Wesen in fliegenden Schiffen, deren Ankunft stets das Ende des Bekannten bedeutete. Alita hatte diese Geschichten stets für Mythen gehalten, Erfindungen, um die Fantasie der Kinder zu beflügeln. Doch jetzt, da sie dieses Objekt sah, das sich unaufhaltsam näherte, fragte sie sich, ob mehr Wahrheit in diesen Legenden steckte, als sie geglaubt hatte. Das Summen schwoll weiter an, wurde zu einem tiefen Dröhnen, das den Boden unter ihren Füßen erzittern ließ. Alita wich zurück, suchte Schutz hinter einem dichten Busch, während ihre Augen das immer größer werdende Schiff fixierten. Es war nun deutlich zu erkennen: ein kolossales, metallisches Ungetüm, das langsam auf den See zuzusteuern schien. Es war anders als alles, was sie jemals gesehen hatte, und doch war es da, so real wie der Boden, auf dem sie stand. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken, doch Alitas Neugier war stärker als ihre Furcht. Dies war eine Begegnung, die weit über das hinausging, was sie sich je hätte vorstellen können. Und doch war es jetzt geschehen. Das Unmögliche, das Unglaubliche war vor ihren Augen Wirklichkeit geworden. Sie wusste, dass sie eine Entscheidung treffen musste: sich zurückziehen und in Sicherheit bleiben oder ihrem inneren Drang folgen und das Unbekannte aus nächster Nähe erkunden. Der Kampf zwischen Vorsicht und Abenteuerlust tobte in ihr, doch letztlich siegte der Mut. Alita bewegte sich vorsichtig weiter, nutzte jeden Baumstamm, jedes Buschwerk, um sich unbemerkt zu nähern. Ihre Bewegungen waren lautlos, ihre Schritte bedacht, während sie sich immer näher an das gigantische Raumschiff heranschlich, das nun still am Rand des Sees zu ruhen schien. Der metallische Rumpf des Schiffes spiegelte das Sonnenlicht wider, ein unwirklicher Anblick in dieser naturbelassenen Umgebung. Schließlich stoppte sie, als sie auf etwa 500 Meter an das Schiff herangekommen war. Sie legte sich flach auf den Boden und beobachtete. Zunächst schien nichts zu geschehen. Die Stille, die das Dröhnen des Schiffes abgelöst hatte, war fast greifbar, und Alitas Herzschlag schien in dieser Stille ohrenbetäubend laut. Dann, plötzlich und ohne Vorwarnung, öffnete sich eine Luke am Bauch des Schiffs, und eine Gangway senkte sich mit einem leisen Zischen herab. Alitas Atem stockte. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, während sie jede Bewegung der Gangway mit Argusaugen verfolgte. Drei Gestalten traten aus der Öffnung heraus, und was sie sah, verschlug ihr den Atem. Es waren Menschen, oder zumindest sahen sie aus wie Menschen. Ihre Haut war hell, ihre Gestalt schlank, und ihre Bewegungen geschmeidig, fast unheimlich präzise. Alita hatte mit allem gerechnet – mit fremdartigen, schrecklichen Kreaturen, vielleicht sogar mit Monstern aus den tiefsten Alpträumen. Doch diese Wesen, diese Besucher von den Sternen, sahen aus wie sie selbst. Eine Welle des Staunens ergriff Alita, gemischt mit einer tiefen, unstillbaren Neugier. Wer waren diese Fremden, die vom Himmel herabgestiegen waren? Und was wollten sie hier? Die Szene vor ihr entwickelte sich wie ein faszinierendes Schauspiel, und Alita konnte einfach nicht wegsehen. Ihre Gedanken rasten, doch sie wagte es nicht, sich zu bewegen. Stattdessen lag sie reglos im Schatten und beobachtete das Unfassbare, das sich direkt vor ihren Augen abspielte.
Jane blickte auf die Anzeigen und machte sich Sorgen um den Zustand der beschädigten Impulskanone. „Iris, Eva, wir sollten uns das draußen genauer ansehen. Vielleicht können wir etwas herausfinden, bevor wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen" schlug sie vor. Ihre Stimme klang bestimmt, doch in ihrem Ton schwang auch ein Hauch von Sorge mit. „Gute Idee", stimmte Iris zu. Eva nickte ebenfalls und folgte den beiden zur Gangway. Gemeinsam verließen sie das Raumschiff und traten hinaus in die frische Luft des fremden Planeten. Die Sonne stand tief am Himmel und tauchte die Umgebung in ein warmes, orangefarbenes Licht. Der Wald ringsum war still, nur das leise Rascheln der Blätter und das Plätschern des nahen Wasserfalls am Sees durchbrachen die Stille. Als sie die betroffene Impulskanone auf der gegenüberliegenden Seite der Hydra sahen, bot sich ihnen ein alarmierender Anblick. Eine der Luken der Kanone war nicht ordnungsgemäß verschlossen, und das Metall schien an den Kanten beschädigt zu sein. „Das sieht nicht gut aus", murmelte Iris. Eva blickte sich um, musterte die friedliche Umgebung und die ferne Baumlinie, wo keine Bewegung zu sehen war. „Es scheint hier wirklich ruhig zu sein. Ich glaube nicht, dass uns die Barbaren stören werden. Sie fürchten uns wahrscheinlich" sagte sie mit einem leichten Lächeln. Jane nickte zustimmend, ihre Augen weiterhin auf die beschädigte Kanone gerichtet. „Genau, ich sehe keinen Grund, die Kampfroboter auszuschleusen." Kaum hatte sie das gesagt, ertönte ein leises Summen, und eine Plattform schwebte langsam von der Gangway herab. Darauf befanden sich zwei kugelförmige Arbeitsroboter, die bereit waren, bei den Reparaturen zu helfen. Iris und Eva sprangen auf die Plattform und ließen sich zum Rumpf der Hydra hinaufschweben, um die Arbeit an der Kanone zu beginnen. Während die beiden arbeiteten, nutzten einige der anderen Crewmitglieder die Gelegenheit, sich draußen ein wenig die Beine zu vertreten. Sie atmeten tief die frische Luft ein und streckten sich, froh darüber, nach den Strapazen der letzten Stunden ein wenig Entspannung zu finden. Es war eine willkommene Abwechslung nach der angespannten Zeit im Raumschiff. Der Tag verging schneller als gedacht, und die Sonne neigte sich bereits dem Horizont zu, als Jane zu Iris und Eva hinaufschaute. „Lasst uns für heute Schluss machen", rief sie zu ihnen hoch. „Wie lange glaubt ihr, dass ihr morgen noch brauchen werdet?" Iris hielt kurz inne, um die Fortschritte zu überprüfen, die sie gemacht hatten. „Ich denke, wir brauchen morgen noch etwa drei Stunden, um alles wieder in Ordnung zu bringen", antwortete sie und warf einen letzten prüfenden Blick auf die Kanone. Jane nickte zufrieden. „Gut, dann lasst uns zurückgehen. Wir machen morgen weiter." Mit der einbrechenden Dunkelheit begannen alle, sich zurück in die Hydra zu begeben. Die Plattform senkte sich langsam wieder herab, und Iris und Eva stiegen hinunter, sichtlich erschöpft, aber zufrieden mit dem, was sie geschafft hatten. Die Crew versammelte sich in der Luftschleuse, bevor sie gemeinsam ins Innere des Raumschiffs zurückkehrte. Das massive Schleusentor schloss sich hinter ihnen, und für einen Moment war es wieder ruhig, nur das Summen der Maschinen und das leise Atmen der Crew war zu hören. Die Mädchen wussten, dass morgen ein weiterer anstrengender Tag vor ihnen lag, doch für den Moment konnten sie sich in der Sicherheit der Hydra entspannen.
Nachdem die Gestalten der Frauen im Inneren des gigantischen Raumschiffs verschwunden waren, betrachtete Alita das imposante Gefährt noch eine Weile aus sicherer Entfernung. Die Stille, die daraufhin eintrat, ließ sie spüren, dass die Aktivitäten der Fremden für diesen Tag beendet waren. Doch die Arbeit an der beschädigten Kanone war noch nicht abgeschlossen, das hatte sie bemerkt. Diese Erkenntnis festigte ihren Entschluss: Am nächsten Morgen würde sie zurückkehren, um ihre Beobachtungen fortzusetzen und mehr über die geheimnisvollen Besucher zu erfahren. Als der Hunger sie schließlich aus ihren Gedanken riss, zog Alita sich vorsichtig zurück, immer darauf bedacht, unentdeckt zu bleiben. Ihr Körper schrie nach Nahrung, und so machte sie sich auf den Weg zu den Fallen, die sie im Wald aufgestellt hatte, in der Hoffnung, dass eine davon erfolgreich gewesen war. Die Dämmerung senkte sich bereits über den Wald, als sie ein leises Rascheln hörte, das von einer der Fallen kam. Als sie näher trat, sah sie ein kleines Tier, das in der Falle zappelte. Es ähnelte einem Hasen, doch seine dunklen Augen und das dichte Fell verrieten, dass es ein Wesen dieser Welt war, fremd und doch vertraut in seiner Form. Mit geübten Handgriffen befreite Alita das Tier von seinem Leid und trug es hinunter zum Flussufer. Nachdem sie das Tier ausgenommen und die besten Teile beiseitegelegt hatte, suchte sie sich eine geschützte Stelle zwischen den Felsen, um ein kleines, unauffälliges Lagerfeuer zu entzünden. Die Flammen züngelten leise und wärmten Alita, während der Duft von gebratenem Fleisch durch die Luft zog. Der Geruch erfüllte sie mit einem Gefühl von Zufriedenheit, das sie lange nicht mehr verspürt hatte. Es war nicht nur der Genuss des Essens, sondern auch das Wissen, dass sie sich selbst versorgen konnte, egal wie ungewiss ihre Situation war. Alita aß langsam, jeden Bissen genießend, während die Nacht sich um sie herum verdichtete und die Sterne über den Bäumen aufblitzten. Nachdem sie satt und gewärmt war, löschte Alita das Feuer sorgfältig, um keine Spuren ihrer Anwesenheit zu hinterlassen. Der Rauch verblasste im Dunkel der Nacht, und die Kälte begann langsam den Platz des Feuers einzunehmen. Doch Alita war nicht besorgt. Sie kletterte in die vertrauten Äste des hohen Baumes, der ihr bereits so oft Schutz geboten hatte. Hier, in den Armen der Natur, fühlte sie sich sicher, umgeben von den Schatten der Bäume, die wie stumme Wächter über sie wachten. Die Geräusche des Waldes, das leise Rascheln der Blätter im Wind, das entfernte Rufen eines Nachtvogels, all dies wurde zu einem beruhigenden Hintergrund, als Alita sich in ihr improvisiertes Lager kuschelte. Die Sterne, die sie durch das Blätterdach hindurch glitzern sah, erinnerten sie an das unfassbare Ereignis, das sie heute beobachtet hatte. Gedanken an ferne Welten und fremde Sterne erfüllten ihren Geist, und die Neugierde, die sie zunächst so vorsichtig gemacht hatte, verwandelte sich in ein aufgeregtes Kribbeln. Was mochte der nächste Tag bringen? Welche Geheimnisse verbargen die Fremden in ihrem mächtigen Schiff? Langsam fielen ihre Augen zu, doch selbst im Schlaf blieb ihr Geist aktiv. Träume von unbekannten Welten, von Abenteuern und Begegnungen mit den Sternen mischten sich mit den Erinnerungen des Tages. Alita war voller Erwartung, gespannt darauf, was der nächste Morgen für sie bereithalten würde.
Die Morgendämmerung legte sich sanft über die Hydra, und die stille Atmosphäre in der Messe wurde nur von dem leisen Surren der Schiffssysteme durchbrochen. Jane betrat den Raum, um ihr Frühstück einzunehmen. Die Müdigkeit der letzten Tage lag schwer auf ihr, und sie ließ ihren Blick über die Crew schweifen. Doch das Fehlen von Eva und Finja stach ihr sofort ins Auge. Ein Gefühl der Beunruhigung kroch in ihr auf, und sie konnte nicht umhin, sich zu fragen, wo die beiden sein könnten. „Wo sind Eva und Finja?" Janes Stimme durchbrach die Stille mit einer unerwarteten Schärfe, als sie die Frage in die Runde warf. Die Besorgnis schwang deutlich in ihren Worten mit, ihre Augen forderten eine sofortige Antwort. Bob antwortete mit einer ruhigen, aber bedenklichen Stimme: „Die beiden waren gestern Abend draußen. Sie wollten zum See einen Spaziergang machen. Bis jetzt sind sie nicht zurück." Janes Herz setzte für einen Moment aus, bevor es doppelt so schnell weiter schlug. Ihr Kopf schwirrte vor Unverständnis und aufkeimender Wut. „Was zum Teufel?" Ihre Stimme klang nun schrill vor Zorn und Sorge. „Nachts spazieren gehen auf einem fremden Planeten! Warum hat mir das keiner gesagt, Bob? Niemand verlässt die Hydra ohne mein Einverständnis!" „Eva ist stellvertretende Kommandantin, ich dachte, es sei in Ordnung..." Doch Jane schnitt ihm mit einem scharfen, unerbittlichen Ton das Wort ab: „Mir scheißegal, ob sie stellvertretende Kommandantin ist oder nicht. Die beiden werden von mir hören, sobald ich sie finde!" Der Zorn in ihr brannte lichterloh, angetrieben von der Sorge um ihre Crewmitglieder und der Angst vor den unbekannten Gefahren dieses fremden Planeten. Ohne zu zögern, wandte sie sich an Sina und Josie, die sie mit besorgten Gesichtern ansahen. „Geht zur Waffenkammer, holt eure Impulsgewehre und bringt mir eine Waffe mit. Wir treffen uns an der Gangway!" Die Dringlichkeit in Janes Stimme ließ keinen Widerspruch zu, und die beiden Frauen eilten los, um den Befehl auszuführen. Wo konnten Eva und Finja sein? Was, wenn ihnen etwas zugestoßen war? Die Ungewissheit nagte an ihr, und in ihrem Kopf malten sich die schlimmsten Szenarien aus. Der fremde Planet, der gestern noch so friedlich gewirkt hatte, erschien ihr nun wie eine Falle, voller unbekannter Gefahren. Kurz darauf standen Jane, Sina und Josie an der Gangway bereit, die Waffen fest in den Händen. Doch von Eva und Finja war weit und breit keine Spur zu sehen. Die kühle Morgenluft strich über ihr Gesicht, doch Jane spürte nur den Druck in ihrer Brust, der sie beinahe zu erdrücken drohte. Der Wald, der sich vor ihnen ausbreitete, wirkte düster und undurchdringlich, jeder Schatten eine mögliche Bedrohung. Sie begannen, die Umgebung akribisch nach Hinweisen abzusuchen. Ihre Blicke glitten über den Boden, suchten nach Spuren, nach jedem kleinsten Anzeichen, das ihnen sagen könnte, wohin ihre Kameradinnen verschwunden waren. Die Anspannung lag schwer auf ihnen, wie eine dichte Wolke, die den Atem raubte. Jeder Schritt, den sie machten, war von der Sorge begleitet, etwas Schlimmes zu finden – oder gar nichts. Minuten verstrichen, doch die Suche blieb erfolglos. Jane biss die Zähne zusammen, die Wut und die Verzweiflung in ihr stiegen weiter an. Die Dunkelheit des Waldes schien förmlich über sie hereinzubrechen, die Äste der Bäume wirkten wie klauenartige Hände, die sich nach ihnen ausstreckten. Die Stille war bedrückend, nur das Knacken von Zweigen unter ihren Füßen und das Rauschen des Windes in den Blättern waren zu hören. Plötzlich stieß Josie auf eine leichte Vertiefung im Boden, als wäre dort jemand gestürzt oder hingefallen. „Hier, schaut mal!", rief sie aufgeregt, und Jane eilte zu ihr. Doch als sie sich die Spur ansah, wurde ihr klar, dass es keine klare Richtung gab, keinen deutlichen Hinweis darauf, wo Eva und Finja hingegangen sein könnten. Die Ungewissheit nagte weiter an ihnen, und Jane wusste, dass die Zeit gegen sie arbeitete. Sie war entschlossen, ihre Crewmitglieder zu finden, aber die Angst wuchs mit jeder Minute, in der sie nicht wusste, ob die beiden noch lebten. Ihr Blick war fest entschlossen, als sie die anderen ansah. „Wir werden sie finden, egal wie lange es dauert", sagte sie mit fester Stimme. Doch in ihrem Inneren wusste sie, dass sie bereit sein musste, sich dem Schlimmsten zu stellen.
Versteckt in den Schatten des dichten Waldes, beobachtete Alita das majestätische Sternenschiff mit einer Mischung aus Ehrfurcht und unerklärlicher Anziehungskraft. Das metallische Ungetüm, das sich wie ein überirdisches Geschöpf am Ufer des Sees niedergelassen hatte, strahlte eine fremde, fast unheimliche Aura aus, die sowohl Faszination als auch Furcht in ihr auslöste. Plötzlich senkte sich die Gangway des Schiffes erneut mit einem leisen, mechanischen Summen, das die morgendliche Stille durchbrach. Drei Gestalten traten aus dem Inneren des Kolosses hervor, ihre Silhouetten klar gegen das Licht des neuen Tages abgehoben. Alita konnte sehen, wie sie sich zielstrebig in Richtung des Sees bewegten, ihre Bewegungen vorsichtig und suchend. Ihr Blick verfolgte jede ihrer Handlungen, als ob sie versuchte, ihre Absichten zu entschlüsseln. Ein heftiger Schauer der Unsicherheit durchfuhr sie, während ihre Gedanken wie ein aufgewühlter Sturm durch ihren Kopf fegten. Sollte sie sich ihnen zeigen? Würden sie sie als Feindin sehen? Der bloße Gedanke, auf diese fremden Wesen zuzugehen, schien absurd, doch die Frage nagte an ihr. Die Unbekannten, die von jenseits der Sterne gekommen waren, könnten genauso gefährlich wie faszinierend sein. Dennoch spürte Alita ein unaufhaltsames Verlangen, das sie in Richtung dieser Fremden trieb. Das Risiko war unverkennbar. Sie wusste nichts über diese Besucher, weder ihre Absichten noch ihre Fähigkeiten. Sie könnten feindlich gesinnt sein, könnten ihr oder den Ihren schaden wollen. Doch etwas in ihrem Inneren, eine brennende Flamme der Neugier, übertönte jegliche Bedenken. Alitas Gedanken kreisten um das Unbekannte, das diese Wesen mit sich brachten. Vielleicht, so hoffte sie, gab es eine Chance, mehr über sie zu erfahren – über ihre Herkunft, ihre Technologie, ihre Geheimnisse. Mit jeder Sekunde, die verstrich, wuchs das Kribbeln in ihrem Körper, das aus einer Mischung von Angst und Abenteuerlust bestand. Das Unbekannte lockte sie, ein sirenenhaftes Rufen, das sie nicht ignorieren konnte. Ihre Sinne waren geschärft, ihre Muskeln angespannt, als sie die Möglichkeit erwog, sich diesen Fremden zu nähern. Alita wusste, dass dies ein entscheidender Moment war – ein Moment, in dem Mut und Furcht aufeinanderprallten, in dem sie sich entschied, ihren inneren Drang über die Vorsicht siegen zu lassen. Mit einer tiefen Entschlossenheit, die sie selbst überraschte, erhob sie sich langsam aus ihrem Versteck. Die Blätter der Büsche raschelten leise, als sie sich vorwärts bewegte, ihr Körper halb gebückt, bereit, bei der geringsten Bedrohung zurückzuweichen. Doch obwohl die Furcht in ihr nagte, war da auch ein unbezwingbarer Wille, die Geheimnisse des Sternenschiffs und seiner Besatzung zu ergründen. Vielleicht könnte sie helfen, oder vielleicht würde sie einfach nur das Wissen erlangen, das jenseits ihrer wildesten Träume lag. Mit jedem Schritt, den sie näher an das Schiff herankam, wurde ihr Herzschlag schneller, pochte lauter in ihren Ohren. Die Möglichkeit, diese Fremden aus nächster Nähe zu sehen, vielleicht sogar mit ihnen zu sprechen, ließ die Aufregung in ihr bis zum Überlaufen anschwellen. Sie spürte, wie die Unsicherheit über ihre Entscheidung allmählich von einer Welle der Vorfreude überlagert wurde. Alita wusste, dass sie nicht umkehren würde. Sie war bereit, das Unbekannte zu betreten, bereit, die Konsequenzen ihres Handelns zu tragen. Jenseits des Horizonts, jenseits der Welt, die sie kannte, lag eine Wirklichkeit, die sie rief – und sie würde diesem Ruf folgen, egal wohin er sie führen würde.
Die Spannung hing in der Luft wie ein schwerer, unsichtbarer Mantel, als Sina aufgeregt den Finger auf einen sich nähernden Punkt am Horizont richtete. „Jane, schau mal! Da kommt einer dieser Barbaren auf uns zu!" Ihre Stimme zitterte leicht vor Nervosität. Die Erwartung, dass der fremde Besucher eine potenzielle Gefahr darstellen könnte, machte sich breit. Doch als die Gestalt immer deutlicher wurde, offenbarte sich ein Bild, das die Anspannung noch verstärkte. Die Frau, die sich ihnen näherte, war atemberaubend. Ihr langes, blondes Haar wehte im sanften Wind wie ein goldener Schleier, und ihre schmale, athletische Figur strahlte eine Aura der Stärke und Selbstsicherheit aus. Ihre Waffenrüstung war von ergreifender Eleganz und zugleich furchteinflößender Präsenz. Zwei gekreuzte Schwerter schmückten ihren Rücken, ein Bogen ruhte über ihrer Schulter, und ein Köcher mit Pfeilen hing an ihrer Seite. Ein Messer, dessen Klinge im Licht schimmerte, war sicher an ihrem Gürtel befestigt, und in ihrer Hand hielt sie einen Speer, dessen Spitze wie ein Versprechen der Gefahr auf sie gerichtet war. Sina und Josie zogen reflexartig ihre Waffen, als der Unbekannte näher trat, ihre Finger um die Griffe der Impulsgewehre verkrampft. Doch Jane, deren Erfahrung in solchen Situationen sie zu einer ruhigen Autorität machte, hob die Hand und sprach mit fester Stimme: „Waffen weg. Wenn sie uns schaden wollte, wäre sie nicht so locker auf uns zugekommen." Die Fremde setzte ihren Gang fort, ohne eine Drohgebärde zu machen, und begann, sich ihnen vorzustellen. Jane und ihre Begleiterinnen aktivierten ihre Übersetzer am Handgelenk – winzige Geräte, die ihre Aufgabe als Sprach- und Kommunikationshilfen erfüllten. Als die Übersetzung einsetzte, konnte Jane die Worte der Fremden klar hören. „Jetzt können wir dich verstehen", erklärte Jane, während sie auf die Fremde zuging. „Ich bin Jane, die Kommandantin, und das sind Sina und Josie. Und wer bist du?" Die Frau, deren Augen eine tiefe Intelligenz und eine unerschütterliche Entschlossenheit ausstrahlten, stellte sich vor. „Ich bin Alita. Ich beobachte euch schon eine Weile." Ihre Stimme war fest und kontrolliert, und in ihren Augen lag eine unmissverständliche Klarheit. Jane erkannte sofort, dass Alita mehr war als eine gewöhnliche Barbare. Ihre erste Reaktion war, von der Fremden zu erfahren, was sie über das Verschwinden ihrer beiden Crewmitglieder wusste. Alita hörte aufmerksam zu, als Jane die Situation schilderte. Mit einem intensiven Blick, der sowohl Klugheit als auch Vertrauen ausstrahlte, schien Alita zu verstehen, dass hier mehr auf dem Spiel stand, als es auf den ersten Blick schien. „Habt ihr schon Spuren gefunden?", erkundigte sich Alita, wobei ihre Stimme ruhig und sachlich war. Ihre Fachkenntnis war sofort spürbar, und ihre Expertise schien die Situation zu klären. Jane nickte und zeigte auf die Stelle, an der sie die Fußspuren gefunden hatten. Alita ging zu den Spuren und begann, sie eingehend zu analysieren. Ihre Bewegungen waren präzise und souverän, als sie die Fußabdrücke untersuchte und die Umgebung musterte. Schließlich sprach sie mit einer festen Überzeugung: „Zwei Männer schlichen sich an die Frauen heran, betäubten sie und trugen sie weg. Es waren Männer von Dandal." Alita deutete auf die Spuren im Boden und erklärte fachmännisch, dass die Fußabdrücke tiefer eingeprägt waren, weil die Männer die Frauen getragen hatten, und dass es keine Anzeichen eines Kampfes gegeben hatte. Jane war beeindruckt von der Detailgenauigkeit und dem Fachwissen, das Alita offenbarte. „Wie kannst du das wissen?", fragte sie erstaunt. Alita erklärte ruhig und präzise, dass die Tiefe der Abdrücke und das Fehlen von Kampfspuren klare Hinweise auf das Vorgehen der Entführer gaben. Ihr Wissen über die örtlichen Gegebenheiten und ihre Fähigkeit, präzise Schlüsse zu ziehen, machten sie zu einer unschätzbaren Ressource. „Kommst du mit ins Raumschiff? Wir können über das weitere Vorgehen sprechen. Vielleicht hast du ein paar Tipps für uns. Wir können dir auch unsere Sprache beibringen", bot Jane an, wobei sie den Wert von Alitas Erfahrung und Wissen erkannte. „Ich komme mit", antwortete Alita entschlossen. Ihr Blick war fest und ihre Haltung zeigte keinerlei Anzeichen von Unsicherheit. Sie war bereit, sich der ungewissen Zukunft zu stellen, bereit, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einzubringen, um das Rätsel zu lösen. Alita wusste, dass dies eine Gelegenheit war, ihre eigenen Fähigkeiten zu beweisen und die Geheimnisse zu erkunden, die jenseits ihrer bisherigen Welt lagen.
Die Luft knisterte vor Spannung, als Alita den letzten Schritt auf die Gangway setzte und in das Innere des Raumschiffs trat. Die fremdartige Technologie und die futuristische Eleganz des Schiffsinneren raubten ihr den Atem. Die glatten, metallischen Wände schimmerten in einem matten, blauen Licht, das von unsichtbaren Quellen ausging. Die Maschinen summten leise, als ob das Schiff selbst lebte und atmete. Alita konnte den Anflug von Ehrfurcht nicht verbergen, während sie den anderen Frauen durch die Gänge folgte. „Komm mit zu Annabella", unterbrach Jane die Stille, ihre Stimme ruhig und doch voller Nachdruck. „Sie wird dir die Hypnoschulung geben, um unsere Sprache zu lernen. Es wird nicht wehtun, du wirst nichts davon mitbekommen. Danach wirst du unsere Sprache verstehen und vieles über uns und mein Volk erfahren können." Alita nickte, mehr aus Höflichkeit als aus Überzeugung, doch ihre Augen verrieten ihre Neugier. Die Vorstellung, innerhalb von Minuten eine neue Sprache zu beherrschen, faszinierte und beunruhigte sie zugleich. Die Technologie dieser Menschen war für sie unbegreiflich. Die Hypnoschulung verlief genau so, wie Jane es beschrieben hatte. Alita erlebte nichts, fühlte nichts – und doch war sie danach verändert. Als sie die Augen öffnete, schien die Welt um sie herum klarer, die Stimmen der Crew deutlicher. Sie verstand jedes Wort, das gesprochen wurde, als ob sie diese Sprache schon ihr ganzes Leben lang beherrschte. Ein seltsames Gefühl von Zugehörigkeit machte sich in ihr breit, doch es wurde schnell von einer drückenden Ernsthaftigkeit verdrängt, als sie an den Kartentisch gerufen wurde. Die Crew versammelte sich um den Kartentisch, auf dessen Oberfläche eine holografische Darstellung der Landschaft in akribischem Detail vorhanden war. Jane, die Kommandantin, stand mit verschränkten Armen am Kopf des Tisches und beobachtete Alita aufmerksam. „Erzähl uns deine Geschichte", bat sie mit einem warmen, aber festen Ton. Alita zögerte einen Moment, ihre Gedanken wirbelten durcheinander, bevor sie schließlich zu sprechen begann. Sie erzählte von ihrem Dorf, von ihrem Clan, den sie verloren hatte, und von dem unermesslichen Schmerz, der sie seitdem begleitete. Ihre Stimme bebte, als sie die Worte formte, doch sie hielt tapfer durch. Die anderen Frauen hörten schweigend zu, und in ihren Augen spiegelte sich das Mitgefühl wider, das sie für Alita empfanden. „Die Spuren am See...", setzte Alita schließlich an, „es waren Männer von Dantal." Jane runzelte die Stirn. „Wie weißt du das?" „An den Schuhspuren", antwortete Alita mit fester Stimme. „Nur Dantals Männer tragen solche Schuhe. Ihr Dorf liegt etwa 18 Kilometer entfernt. Ich bin sicher, dass sie die Mädchen gefangen genommen haben. Sie werden sie foltern, um Informationen zu erhalten." Sina schlug vor: „Ich denke, wir sollten einen Shuttle nehmen, ins Dorf fliegen und uns Gehör verschaffen. Vielleicht lassen sie dann Eva und Josie frei." Doch Alita schüttelte den Kopf. Ihre Augen glitzerten vor Zorn und Sorge. „Sie werden das nicht tun. Eure Mädchen sind in großer Gefahr. Wenn wir nicht schnell handeln, werden sie getötet. Ich werde mich heute Nacht auf den Weg machen und versuchen, sie zu befreien." Jane blickte Alita entschlossen an. „Ich werde dir helfen. Es ist zu gefährlich, alleine zu gehen." Alita schüttelte energisch den Kopf. „Du würdest keine Stunde in den Wäldern überleben. Diese Wälder sind gnadenlos, und Dantals Männer sind es auch. Ich werde die Mädchen zurückholen. Schließlich habe ich noch eine Rechnung mit Dantal offen." Jane erkannte die Entschlossenheit in Alitas Augen, aber sie war nicht bereit, nachzugeben. „Ich werde dich begleiten", sagte sie mit unerschütterlicher Überzeugung. „Diese Mädchen gehören zu mir. Ich lasse dich nicht alleine in dieses Verderben laufen." Alita zögerte. In ihrem Blick lag eine Mischung aus Resignation und stiller Anerkennung. Schließlich nickte sie langsam. „In Ordnung. Aber du musst auf mich hören. Wir haben keine Zeit für Fehler." Jane wandte sich an Bob, die KI. „Du hast das Kommando während unserer Abwesenheit. Wenn wir in zwei Tagen nicht zurück sind, triffst du die Entscheidungen, wie es weitergehen soll." Bob beobachtete die beiden Frauen, die sich zur Waffenkammer aufmachten. „Nimm nur leichte Waffen mit, Jane", wies Alita sie an, während sie ihre eigene Ausrüstung überprüfte. „Wir werden durch die Wälder marschieren. Geschwindigkeit und Beweglichkeit sind unsere besten Verbündeten." Jane nickte, griff nach einer Impuls-Pistole und einem Messer. In ihren Gedanken schwang ein leiser Ärger mit. (Für diese beiden Hühner werde ich 18 Kilometer durch den Wald latschen. Wenn wir sie lebend zurückholen, werden sie von mir eine Standpauke zu hören bekommen). Entschlossen und in völliger Stille machten sich die beiden Frauen auf den Weg, die bevorstehende Dunkelheit im Nacken und das Schicksal der gefangenen Mädchen fest im Blick. Der Wald lag vor ihnen wie ein dunkles, lauerndes Tier, bereit, seine Zähne in die Nacht zu schlagen.
Jane und Alita hetzten durch den dichten, unbarmherzigen Wald, der sich mit jedem Schritt mehr in ein Labyrinth aus Schatten verwandelte. Alita führte Jane mit einem geübten Instinkt durch das Dickicht, während Jane, weniger erfahren im Dschungel, mit jeder Minute mehr ins Schwitzen geriet. Alita warf einen schnellen Blick über die Schulter, ihre Augen funkelten ernst.„Bleib in meiner Spur, Jane. Hier gibt es viele heimtückische Fallen", rief sie, ohne ihr Tempo zu drosseln. Jane nickte eifrig – na ja, zumindest für die nächsten paar Kilometer hielt sie sich daran. Doch nach einer Weile, als die Müdigkeit ihr Selbstvertrauen verrückte, fand sich Jane immer wieder neben Alita. Vielleicht könnte sie doch ein wenig schneller sein, als Alita dachte? „Habe ich mich unklar ausgedrückt?" Alitas Stimme schnitt durch die Luft wie eine Klinge. „Ich sagte, bleib hinter mir!" Jane, die ihre Unabhängigkeit zu verteidigen gedachte, konterte ohne Zögern: „Glaubst du wirklich, ich erkenne keine Falle?" In genau diesem Moment trat sie auf etwas, das mehr wie Laub als eine Gefahr aussah. Und plötzlich sauste ein massiver, mit Stacheln besetzter Baumstamm aus dem Dickicht hervor, ein Baumstamm an zwei Seilen befestigt. Alita reagierte blitzschnell. Sie riss Jane zu Boden, kaum eine Sekunde, bevor der Baumstamm über sie hinwegdonnerte. Die Szene hätte in jedem anderen Moment fast heldenhaft ausgesehen – wäre da nicht die große, matschige Pfütze, in der Jane mit einem lauten Platschen landete. Sie tauchte auf, ihr Gesicht eine Mischung aus Wut und Demütigung, als sie den Schlamm von ihrer Stirn wischte. „Hast du das absichtlich gemacht? Mich in die Pfütze gezogen?", fauchte Jane und sprang auf, wobei sie bemerkte, dass einer der Stacheln eine klaffende Wunde in ihrer Schulter hinterlassen hatte, die sehr schmerzte. Alita grinste, sichtlich unbeeindruckt. „Ja, eine kleine Strafe, weil du nicht gehorcht hast." Jane zeigte Alita die blutende Schulterwunde, ihre Augen blitzten vor Ärger. Doch Alita, immer bereit für die rauere Methode, zog ihr Messer. ,,Ich werde schnell ein kleines Feuer machen und die Messerspitze erhitzen und die Wunde ausbrennen. Das ist sauber und schnell." Jane zog eine kleine Sprühdose aus ihrem Medi-Pack. „Nicht nötig. Ihr wird gar nichts ausgebrannt und erst recht nicht meine Wunde an der Schulter. Bei uns machen wir das so." Sie drückte den Knopf, und ein kühler Nebel hüllte die Wunde ein. Innerhalb weniger Augenblicke begann die Wunde sich zu schließen, während Jane mit einem triumphierenden Lächeln Alitas Messer ignorierte. „Beeindruckend", murmelte Alita, nicht ohne einen Hauch von Spott in der Stimme. „Aber dein Spielzeug wird dir nicht durch den ganzen Wald helfen." Die beiden setzten ihren Weg fort, die Stille nur durch das gelegentliche Knacken von Zweigen unterbrochen. Alita war wieder in ihrem Element, jedes Geräusch analysierend, jede Bewegung in den Schatten genau beobachtend. Plötzlich hielt sie abrupt an, die Hand ausgestreckt. „Stopp!" Ihre Stimme war ein Flüstern, das kaum die Luft bewegte, aber die Dringlichkeit war unverkennbar. Jane, die noch immer versuchte, Alitas Anweisungen zu folgen, stolperte fast über ihre eigenen Füße. „Was ist jetzt los?" Alita deutete mit ihrem Schwert auf den Boden vor ihnen. „Siehst du das nicht?" Jane blinzelte, angestrengt, doch es schien nur Boden vor ihnen zu sein. „Was soll ich sehen?" Mit einer schnellen Bewegung stach Alita mit ihrem Schwert in den Boden und plötzlich öffnete sich vor ihnen eine getarnte Grube, gespickt mit messerscharfen Spießen, die nur darauf warteten, ein unvorsichtiges Opfer zu durchbohren. Jane schluckte schwer, ihre Stimme klang etwas kleiner. „Diese Spießer gehen mir langsam auf die Nerven. Aber du hattest recht. Ohne dich hätte ich keine Stunde im Wald überlebt." Alita lächelte kurz, doch ihre Augen blieben wachsam. „Noch sind wir nicht am Ziel." Drei weitere Stunden vergingen, bis sie schließlich das Dorf von Dantal erreichten. Alita hielt inne, ihre Augen huschten über die düsteren Hütten und Lagerfeuer in der Ferne.
Die Spannung in der Luft war greifbar, wie ein unsichtbares Netz, das sich um Jane und Alita spannte, als sie das Dorf beobachteten. Das Rauschen des Windes in den Bäumen schien ihnen zuzuraunen, dass die Gefahr näher rückte. Nach ein paar Stunden des Beobachtens stand die Sonne hoch am Himmel, doch ihre Wärme schien in den Schatten zu verschwinden, die von den hohen Palisaden des Dorfes geworfen wurden. „Wie gehen wir vor?", flüsterte Jane, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch, während ihre Augen unruhig das Dorf absuchten. Alita ließ ihren Blick über die belebten Straßen gleiten. „Siehst du die große Hütte dort drüben, am Marktplatz?", sagte sie leise, während sie mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken auf das Ziel deutete. „Da drin sollten deine Mädchen sein. Vor der Hütte stehen zehn Wachen." Jane folgte ihrem Blick, ihr Herzschlag beschleunigte sich, als sie die Männer mit ihren Waffen erblickte, die in regelmäßigen Abständen um die Hütte patrouillierten. Das Dorf pulsierte vor Leben und Aktivität, doch die Heiterkeit der Dorfbewohner stand im krassen Gegensatz zu der eisigen Angst, die sich in ihrem Magen zusammenzog. „Warten wir bis heute Abend und versuchen dann die Befreiung der Mädchen?", schlug Jane vor, die Sorge in ihrer Stimme unüberhörbar. Doch Alita schüttelte entschlossen den Kopf, ihre Augen blitzten vor Entschlossenheit. „Nein, du bleibst hier. Ich werde sie holen", sagte sie mit einer Kälte, die Jane erschaudern ließ. Ohne eine Antwort abzuwarten, machte sich Alita auf den Weg zum Marktplatz, ihre Haltung aufrecht, ihre Schritte sicher, als hätte sie nicht den Hauch eines Zweifels. Jane konnte nur fassungslos zusehen, wie Alita immer näher an die Hütte herankam. „Das ist doch verrückt", murmelte sie vor sich hin, ihre Hand krampfte sich um ihre Impuls-Pistole. Als Alita den breiten Weg zum Marktplatz betrat, erkannten einige Dorfbewohner sie sofort. Ein Flüstern breitete sich wie ein Lauffeuer aus, und bald richteten sich über hundert neugierige Augenpaare auf die einsame Kriegerin, die sich ohne zu zögern auf Dandals Hütte zubewegte. Jede Bewegung von ihr schien eine stille Herausforderung an die gesamte Dorfgemeinschaft zu sein. „Dandal, komm heraus!", hallte Alitas Stimme, laut und klar, durch das Dorf und verstummte jede noch so leise Unterhaltung. Die Worte schnitten durch die Luft, gefüllt mit einer gefährlichen Mischung aus Wut und Entschlossenheit. Es dauerte nur einen Moment, bis eine tiefe, bedrohliche Stimme aus der Hütte antwortete: „Wer wagt es, meine Mittagsruhe zu stören?" Der Eingang der Hütte wurde von innen aufgestoßen, und ein breitschultriger Mann trat hervor. Sein Oberkörper war mit Narben übersät, ein Zeugnis vergangener Schlachten, die er alle überlebt hatte. Er ließ seinen Blick über die Menge schweifen, bis seine Augen auf Alita fielen, und ein hämisches Grinsen legte sich auf seine Lippen. „Ahhh, Alita! Ich dachte, du wärst tot, ertrunken in deinem eigenen Blut, als wir deinen Clan überfielen", spottete Dandal, seine Stimme tropfte vor Verachtung. Die Wachen um ihn herum spannten die Muskeln an, bereit, jeden Befehl ihres Anführers auszuführen. Doch Dandal hob die Hand und hielt sie zurück, ein grausames Lächeln spielte auf seinen Lippen. Er wollte diesen Moment genießen. Herausgefordert zum Kampf, griff er nach seinem Schwert, und Alita tat es ihm gleich. Die Sonne reflektierte auf den scharfen Klingen, die sie in einer fließenden Bewegung von ihrem Rücken zog, während der Speer, die Pfeile und der Bogen bei Jane zurückgeblieben waren. Ohne Vorwarnung stürmte Dandal vorwärts, sein Schwert schneidend durch die Luft, mit einer Gewalt, die einschüchternd war. Doch Alita wich aus, ihre Klingen blitzten wie Raubtieraugen in der Sonne, ihre Bewegungen geschmeidig und präzise, ihre Augen kalt und ohne einen Hauch von Gnade. „Jetzt ist deine Zeit gekommen, Alita", knurrte Dandal, sein Tonfall siegessicher. Alita fixierte ihn mit einem Blick, der Funken sprühte. „Ich habe nicht vor, heute zu sterben", antwortete sie, ihre Stimme ruhig, aber geladen mit tödlicher Entschlossenheit. Jeder ihrer Schläge hallte durch das Dorf; das ohrenbetäubende Kreischen von Metall auf Metall erfüllte die Luft, als ihre Klingen aufeinander schlugen. Die Atmosphäre war erfüllt von roher Aggression und dem unausweichlichen Wissen, dass nur einer diesen Kampf überleben würde. Blutige Schnitte zierten bald ihre Kleidung, doch keiner der beiden Krieger ließ sich davon beirren. Der Schmerz schien sie nur noch entschlossener zu machen. „Dein Ende naht!", schrie Dandal, während er mit all seiner verbliebenen Kraft einen Hieb führte, der Alita zu Boden zwingen sollte. Doch sie wich aus, schneller als der Blitz, und konterte sofort. „Dazu müsstest du erst mal überleben", zischte sie und setzte zu einem unbarmherzigen Gegenangriff an. Plötzlich veränderte sich etwas in ihr, ein inneres Feuer flammte auf. Ihre Bewegungen wurden noch schneller, noch präziser, als ob sie in einen Modus grenzenloser Brutalität gewechselt hätte. Ihr Schwert tanzte eine blutige Symphonie, jeder Schlag mit einer tödlichen Präzision geführt. Dandal, getroffen von der unerbittlichen Wucht ihrer Angriffe, schwankte, sein zuvor selbstsicheres Grinsen verschwand, ersetzt durch ein Aufblitzen von Angst in seinen Augen. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, seine Kräfte schwanden mit jedem Herzschlag. Und dann, in einem unvorhersehbaren Moment, führte Alita ihren finalen Schlag aus. Ihre Klinge schnitt durch die Luft und traf ihr Ziel mit tödlicher Präzision. Dandals Augen weiteten sich in einem letzten Moment des Schocks, als sein Kopf, sauber vom Körper getrennt, über den sandigen Boden rollte. Sein Körper kippte nach vorne und blieb reglos liegen. Alita stand über ihm, ihre blutigen Schwerter in den Händen, ein düsteres, befriedigtes Lächeln auf den Lippen. „Das ist dein Ende", verkündete sie triumphierend, während das Dorf in einem atemlosen Schweigen verharrte.
In dieser unheilvollen Stille des Dorfes wagte niemand, ein Wort zu sprechen. Die Luft war erfüllt von einer seltsamen Mischung aus Erleichterung und Furcht, während Alita, die gerade noch in einem tödlichen Duell ihre Rache vollzogen hatte, sich unbeirrt auf Dandals Kopf zubewegte. Ihr Schritt war fest und entschlossen. Mit einem gnadenlosen Ruck stieß sie ihr Schwert in den abgeschlagenen Kopf, der nun leblos vor ihr lag. Das metallische Geräusch des eindringenden Stahls war das einzige, was die bedrohliche Stille durchbrach. Alitas Herz hämmerte in ihrer Brust, doch nach außen hin war sie die Ruhe selbst. Der Triumph und die Rache, die sie so lange gesucht hatte, erfüllten sie jetzt mit einer dunklen, fast bittersüßen Zufriedenheit. Die Dorfbewohner, die bis dahin wie erstarrt dabeigestanden hatten, lösten sich aus ihrer Schockstarre. Ein murmelndes Raunen erhob sich, das bald zu einem lauten, befreienden Chor anwuchs. „Alita! Alita!", riefen sie, die Stimmen erst zögernd, dann immer lauter, bis die Rufe durch das gesamte Dorf hallten. Es war ein Chor der Erleichterung, des Dankes, aber auch der tiefen Bewunderung für die Frau, die das Unrecht gerächt hatte. Doch Alitas Augen blieben kalt, als sie die jubelnde Menge musterte. Sie war keine Heldin, nicht in ihren eigenen Augen. „Ich werde nicht eure Anführerin, ich bin und bleibe eine Kriegerin des Tanol-Clans, selbst wenn ich die Letzte bin", sprach sie mit einer Härte, die keinen Widerspruch duldete. „Bringt mir die beiden gefangenen Mädchen." Die Dorfbewohner, die sie fast flehend angesehen hatten, verstummten, als Alitas Worte auf sie niederschlugen. Ihre Hoffnungen, dass sie ihre Anführerin werden würde, zerschlugen sich in einem einzigen Moment. Doch niemand wagte, ihr zu widersprechen. Kurze Zeit später wurden Eva und Josie, die beiden gefangenen Mädchen, zu ihr gebracht. Ihre Gesichter waren bleich und erschöpft von der Zeit in Gefangenschaft, doch in ihren Augen flackerte ein Funken neuer Hoffnung auf. Mit ihnen an ihrer Seite machte sich Alita, gefolgt von Jane, auf den Rückweg zur Hydra. Am Fuß der Gangway, dem Weg hinauf zum Schiff, hielt Jane inne und wandte sich mit ernster Miene an die beiden Mädchen. „Lasst euch von Annabella untersuchen", befahl sie mit einem Tonfall, der keine Widerrede duldete. „Und wir werden morgen reden." Der scharfe Unterton in ihrer Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass die Mädchen eine gehörige Standpauke erwartete. Doch in diesem Moment war die Erleichterung über ihre Rettung überwältigender als jede Furcht vor dem, was kommen würde. Als Jane und Alita sich schließlich ansahen, schien die Zeit für einen Moment stillzustehen. Ihre Blicke, tief und durchdringend, sprachen Bände, die Worte überflüssig machten. Es war ein Moment des unausgesprochenen Respekts, eine stille Anerkennung der Opfer und der Stärke, die sie beide in den letzten Stunden gezeigt hatten. „Danke für deine Hilfe, Alita. Wir sind dir zu großem Dank verpflichtet", sagte Jane schließlich, ihre Stimme weich, aber voller Ernsthaftigkeit. „Wenn du willst, komm mit uns. Eine Kriegerin wie du wäre eine Bereicherung. Aber bedenke, wir kommen nicht zurück und vergiss nicht, dass dies deine Heimat ist." Alita brauchte keine lange Überlegung. Sie hatte alles, was sie jemals gekannt und geliebt hatte, verloren. Die Wunden in ihrer Seele waren tief, aber die Erfüllung ihrer Rache hatte sie endlich von der Last befreit, die sie so lange getragen hatte. „Weißt du, Jane", begann sie, ihre Stimme ein wenig weicher als zuvor, „alles, was mir etwas bedeutete, existiert nicht mehr. Meine Rache ist vollbracht. Und als Kind träumte ich davon, zu den Sternen zu fliegen." Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie hinzufügte: „Wenn ich zum Essen ein Stück Fleisch bekomme, bin ich dabei." Jane lachte leise, eine seltene, fast heitere Geste nach all den düsteren Ereignissen des Tages. „Dein Stück Fleisch bekommst du", versprach sie, und es war mehr als nur ein Versprechen für ein Essen. Es war ein Versprechen auf eine neue Zukunft, eine Zukunft, die sie gemeinsam in den unbekannten Weiten des Universums suchen würden. Alita folgte Jane die Gangway hinauf. Die Sonne begann hinter dem Horizont zu versinken. Für Alita war dies der Beginn eines neuen Kapitels, einer ungewissen Reise, die sie in die Sterne führen würde, weit weg von den Geistern der Vergangenheit. Sie war bereit. Bereit, alles hinter sich zu lassen und sich einer Zukunft zu stellen, die so ungewiss und aufregend war wie die Sterne selbst.
Fortsetzung folgt
Anhang:
Alita, die Kriegerin:
Alita ist eine beeindruckende Erscheinung mit langen blonden Haaren, die über ihre Schultern fallen. Ihr Haar ist ein Symbol ihrer Stärke und Schönheit zugleich, und sie trägt es stolz. Ihre Augen sind scharf und blau wie der Himmel, und ihr Blick ist durchdringend. Ihre Lieblingswaffen sind ihre Schwerter, die sie mit tödlicher Präzision einsetzt. Sie ist eine erfahrene Kriegerin und ist mutig, entschlossen und kompromisslos in ihrem Streben nach Sieg und Ehre. Doch unter ihrer harten Schale verbirgt sich auch eine tiefgründige Seele, die von Liebe und Leidenschaft erfüllt ist. Alita hat instinktive Fähigkeiten, um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen. Ihr scharfer Blick und ihr Gehör lassen sie schnell erkennen, wenn etwas nicht stimmt. Sie verlässt sich nicht nur auf ihre Sinne, sondern auch auf ihre Erfahrung und ihr Gespür für Gefahren. Wenn sie eine Bedrohung bemerkt, ist sie schnell bereit, zu handeln. Ihre Kriegserfahrung und ihre Fähigkeit, Situationen schnell einzuschätzen, haben ihr geholfen, viele Kämpfe zu gewinnen. Alita hat auch eine intuitive Verbindung zur Natur, die ihr hilft, Gefahren in der Umgebung zu erkennen. Sie kennt die Geräusche und Gerüche des Waldes, der Berge und des Flusses, und sie weiß, wie man sie zur Verteidigung nutzen kann. Diese Fähigkeit hat sie zu einer gefürchteten Kriegerin gemacht.
